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Dyskalkulie und Studium
26.01.2011, 16:56
Beitrag: #1
Dyskalkulie und Studium
Hallo,

ich bin eine 23-jährige Studentin aus NRW. Ich studiere Health-Care-Management, d.h. BWL mit Schwerpunkt Gesundheitswesen.
Ich habe während der 7. Klasse auf dem Gymnasium eine mittelschwere bis schwere Dyskalkulie attestiert bzw. diagnostiziert bekommen. Bereits in der Grundschule hatte ich erste Schwierigkeiten mit der Mathematik, welche auf dem Gymnasium zunahmen. Ich stand' ständig zwischen 4 und 5 und ab der "Diagnose" ewig 6. Mein Abitur habe ich dennoch gemacht. Während meiner Schulzeit habe ich, unmittelbar nach den Tests des Dyskalkulie-Instituts, eine 1-jährige Lerntherapie gemacht, welche ich jedoch aufgrund der hohen Kosten, nicht beendet habe. Mein "Abschlussbericht" war ernüchternd, wenn nicht gar vernichtend. Ich würde große Schwierigkeiten in Ausbildung und Beruf bekommen, psychische Probleme werden sich aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen einstellen etc. Nach diesem Bericht, den wenig aufbauenden Sitzungen und etlichen Nachhilfe-Stunden, welche nichts oder nur wenig brachten, gab' ich mich völlig auf. Mein Selbstvertrauen, bzw. das Vertrauen in meine Fähigkeiten verschwand, ich versuchte meine Dyskalkulie zu ignorieren. Bis zum Abitur habe ich immer schlechtere Noten bekommen, in Mathe lediglich 1 Punkt.
Mit dieser Ausgangslage war es natürlich schwer, eine geeignete Ausbildung zu finden, jedoch begann' ich nach einer abgebrochenen Krankenpflege-Ausbildung das Studium der Gesundheitsökonomie.
Wirtschaftsmathematik, Rechnungswesen, Statistik, Financial Management.
Und ich habe ganz ohne Nachhilfe mit reinem üben und das nicht mehr, als die meisten anderen meiner Kommillitonen, eine 2.0 in Wirtschaftsmathematik und eine 1.7 in Rechnungswesen erhalten. Zu Beginn der Vorlesungen war ich bei 2 Nachhilfe-Lehrern, einer davon Prof. der Mathematik, und dieser sagte mir nach Beutachtung des Skriptes, dass das Fach Wirtschaftsmathematik wenig bis nichts mehr mit der Schulmathematik zu tun habe und für einen Dyskalkuliker nicht ansatzweise zu leisten sei.
Ich habe es trotz "mittelschwerer bis schwerer Dyskalkulie" und einem vernichtenden Urteil des Dyskalkulie-Instituts geschafft, ohne vollständige Therapie, ohne Nachhilfe eine derarige Bewertung zu erreichen...
Mir stehen jetzt noch 2 weitere mathematische Klausuren bevor, vor denen ich aber die Ansgt verloren habe. Denn rückblickend muss ich sagen, dass die Angst und eine Blockade bezüglich Zahlen bzw. der Mathematik als Folge der Tests und der "Lerntherapie" die einzige Problematik war, welche mich hat scheitern lassen bzw. gar nicht erst hat anfangen lassen, mich an die Lösung des Problems heranzuwagen.
Ich möchte hiermit all denen zusprechen, welche ebenfalls betroffen sind, jedoch auch den Angehörigen, insbesondere Eltern, welche die Odysee schlechter Noten und dazugehörigem Ärger, Stress und Belastung wohl mindestens genauso schlimm erleben, wie ihre Kinder.
Sofern Fragen bestehen können Sie sich gerne bei mir melden. Ich bemühe mich, schnell zu antworten. Vor allem aber möchte ich sagen, dass eine solche "Diagnose" nicht abschrecken sollte, ein Studium oder eine anspruchsvolle Ausbildung anzunehmen. Nicht für jeden ist ein wirtschaftswissenschaftliches Studium geeignet, aber meines Erachtens ist auch das erfolgreiche Absolvieren eines solchen Studiums trotz Dyskalkulie möglich!!
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09.02.2011, 22:06
Beitrag: #2
RE: Dyskalkulie und Studium
Hallo Kiii333,

also ertsmal muss ich sagen, dass mich dein Beitrag ermutigt hat meinen Weg weiter zu gehen =) Was ich damit meine..........
Ich bin 21 und mache gerade eine Ausbildung zum Bürokaufmann. So wie man es sich jetzt denken kann leide ich auch an einer Dyskalkulie, die aber nie diagnostiziert worden worden ist bzw. ich mich immer um den PSYSCHODOKTOR gedrückt habe trotz dem harten drängen von Lehrern. Auch meine Schulzeit war geprägt von 5, 6,4,5,6,6,6,6,6,6,6,5 und den ständigen depriphasen... Erschwerend kommt noch hinzu, dass ich auch eine kleine Aufmerksamkeitsstörung habe und deshalb mal Sachen unbewusst übersehe oder einfach nicht dran denke und das zuhören manchmal doch was kurz kommt. Trotz alldem habe ich zumindesat meine Fachhochschulreife mit 2,5 bestanden und Mathe mit einer 4. Wie ich das geschafft habe weiß ich immer noch nicht! =)
In meiner jetzigen Ausbildung bin ich einer mitunter der besten in meiner Klasse was Rechnungswesen und "Mathe" angeht. Nun würde ich gerne, wenn die Ausbildung endet auch studieren und im Bereich Business was machen. Nur wird natürlich nicht einfaches Kaufmännisches Rechnen im Studium vorkommen sondern soweit ich mitbekommen habe auch Potenzen, Algebra allgemein, Logarithmen, Differentialrechnen, usw usw.
Aber wie gesagt nach deinem Erfahrungsbericht sehe ich auch für mich zumindest eine Chance es zu probieren, da wie man so schön sagt --> Man kann ja, wenn man wirklich will....
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