ZTR Forum


Antwort schreiben 
Multiplikation auswendig lernen Ich verzweifle noch am Mathelehrer
03.02.2012, 18:36
Beitrag: #1
Multiplikation auswendig lernen Ich verzweifle noch am Mathelehrer
Liebes experten Team,

ich verzweifle noch am Mathematiklehrer meiner Tochter. Sie geht seit 3 Jahren ins ZTR zur Therapie und hat sehr große Fortschritte gemacht allerdings hören wir seit der 2. Klasse und nun ist sie 6. Klasse, dass sie die Multiplikation auswendig lernen soll. Ich habe das selbst auch immer geglaubt und bin daran verzweifel, dass meine Tochter ´die Aufgaben ständig wieder vergisst. Die Therapeutin meiner Tochter sagte mir dann man kann sie nicht auswendig lernen, weil sie die Logik nicht dahinter versteht Leuchtet mir als Mutter mitlerweile ein, aber der Mathelehrer versteht mich nicht. Können sie mir kurz erläutern, wie ich im das noch begreiflich machen kann, warum sie die Multiplikation nicht so wirklich in ihr kleines Köpfchen bekommen möchte.

Vielen Dank für Ihre Hilfe
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
04.02.2012, 10:20
Beitrag: #2
RE: Multiplikation auswendig lernen Ich verzweifle noch am Mathelehrer
Sehr geehrte maxialexa,

Sie befinden sich in einer schwierigen, unseren Therapeuten nur zu bekannten Situation: Sie müssen Lehrer/Ausbilder des Lehrers sein. Versetzen Sie sich in die Lage des Lehrers: das ist auch für ihn nicht einfach.

Gleichwohl, es geht um das Wohl des Kindes und seine zu gewährleistenden Lernfortschritte. Ich würde Ihnen daher zunächst zu dem Versuch raten, es mit sachlicher Aufklärung/Erinnerung zu versuchen, ggf. mit Unterstützung der Therapeutin.

Malfolgen sind das Resultat der permanenten Addition eines immer gleichmächtigen Summanden (z.B. +3,+3,+3, etc.). Der verständige Zugang zur Multiplikation (teils als verkürzte Form der Addition bezeichnet) basiert also auf dem Verständnis der Addition. Ist dieser Zusammenhang erkannt, verlieren die Zahlen der Malfolgen ihre Zufälligkeit. Mit der Struktur wird die Gesetzmäßigkeit der Malfolgen zugänglich und teilweise wieder Vergessenes kann aus eigener Kraft heraus reproduziert werden. Rechenerleichterungen bzw. Ableitungen werden möglich (6x3 vergessen, da aber 5x3=15, führt 15+3 zum gesuchten Ergebnis). Einhergehend mit dem wachsenden Verständnis für die Strukturen der Malfolgen werden dann auch locker Übergänge in das sog. große 1x1 möglich, man braucht gar nicht auswendig zu lernen, dieses erscheint geradezu widersinnig (9x12, 10x9=90, 2x9=18, 90+18=108).

Insofern die Biologie hier in das Lernen hinein "spielt", ist bekannt, dass Sinnerfassung/Verständnisgewinnung + Emotionalität des selbstgespürten Erkenntnisfortschritts die Mechanismen sind, die zur Verankerung und sicheren Reproduktion des Wissens führen. Dann hört das Vergessen auf, das umgekehrt darauf beruht, dass Kinder zum Einpauken von Unverstandenem gezwungen werden.

Fragen Sie den Lehrer (vorsichtig), warum er diese Einblicke und die daraus resultierenden vorteilhaften Lernmöglichkeiten Ihrem Kind vorenthalten will. Er will doch auch, dass das Kind die Malfolgen "drauf" hat. Vielleicht ist es hilfreich, wenn Sie einen Vergleich bzw. folgende Frage mit ihm erörtern: Was bleibt nach einer Woche (bei ihm selbst) davon übrig, wenn versucht wird, die Lottozahlen des letzten halben Jahres auswendig zu lernen?! Die Analogie liegt darin: Lottozahlen haben keine innere Struktur, die Zahlen weisen keinen verstehbaren Zusammenhang auf. So geht es nämlich Kindern, die in der Grundschule dazu gezwungen werden, Malfolgen auswendig zu lernen, deren Strukturen sie gerade deshalb nicht verstanden haben.

Da es kein Patentrezept für Lehrergespräche dieser Art gibt, betrachten Sie meine Hinweise bitte nur als Anregung. Besprechen Sie ggf. die Situation nochmals mit der Therapeutin.

So bleibt mir nur, Ihnen viel Glück zu wünschen.

O. Steffen
Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Antwort schreiben 


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste