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Offener Brief
13.03.2006, 11:56
Beitrag: #21
 
Dritte Anfrage an das Jugendamt Delitzsch


Sehr geehrte Damen und Herren,

folgendes Schreiben (vgl. 2) nebst Artikel von M. Gaidoschik (vgl. 3) haben wir Ihnen schon vor Monaten zugesandt. Leider haben wir darauf bis heute immer noch keine Antwort erhalten.

Wir haben Ihnen des Weiteren den Offenen Brief (vgl. 1) zugeschickt, worin wir Sie direkt angesprochen und auf verschiedene Fach- und Qualitätsfragen zu Dyskalkulietherapieangeboten aufmerksam gemacht bzw. angefragt haben. Auch hierauf ist bislang keine Antwort erfolgt.

Da Sie nach meinem jetzigen Kenntnisstand an der kritisierten Praxis keine Änderung vorgenommen haben und ich der Auffassung bin, dass Ihre Haltung die Gefahr beinhaltet, dass aus Betroffenen fortlaufend Opfer werden, fordere ich Sie nochmals auf, zu den angesprochenen Fach-, Rechts- und Qualitätsfragen Stellung zu beziehen.


Mit freundlichen Grüßen
Dr. Olaf Steffen




(1) „Andere Jugendämter wiederum – wie z.B. in Delitzsch … - entsprechen nicht dem Wunsch- und Wahlrecht, indem sie Eltern zur Annahme von Billigangeboten zu nötigen versuchen, obwohl sie darüber informiert sind, dass diese Angebote weder konzeptionell noch personell dem aktuellen Stand der Dyskalkulieforschung (z.B. keine Kleingruppen, kein alternatives Zähltraining) sowie der Rechtsprechung durch das Sächsische Oberverwaltungsgericht entsprechen. … Wenn (nach Gerichtsurteil des OVG Bautzen) psychologisch-psychotherapeutisch und mathematisch-dyskalkulietherapeutisch ausgebildetes Fachpersonal in den Einrichtungen die erforderliche personelle Grundlage für geeignete Dyskalkulietherapien abgeben muss, dann muss gleichermaßen Schluss sein mit der rein fiskalisch orientierten Auswahlpolitik von einigen Jugendämtern, denen jenseits von Fach- und Zielerreichungsfragen das billigste nominelle Rechenschwächetherapieangebot gerade recht ist. Dadurch wird notwendige Qualität in der Therapiearbeit zerstört und der wissenschaftliche Fortschritt, wesentlich getragen von Dyskalkuliespezialeinrichtungen, unterminiert. Interessiert es einige Jugendämter eigentlich nicht mehr, ob sie ihr Geld sinnvoll, d.h. zielführend im Sinne der Kinder- und Jugendpolitik ausgeben?“



(2) „… aus gegebenem Anlass mache ich Sie dringend darauf aufmerksam, dass das vom Studienkreis verwendete Rechenschwächekonzept von Moog / Schulz aus fachwissenschaftlicher Sicht nicht haltbar ist.

Dieses Konzept stellt darauf ab, das dyskalkulierelevante Zählen lediglich zu verbessern, aber nicht zu beseitigen. Es versucht, aus Fingerzählern Kopfzähler zu machen und beschränkt sich somit auf den Schulstoffbereich der 1. Klasse. Folglich handelt es sich um kein Dyskalkulietherapiekonzept, sondern um eine Anleitung zur Chronifizierung von Rechenschwäche (persistentes Zählen) mit anschließender Nachhilfe. Dass diese nicht dazu angetan ist, Dyskalkulie zu überwinden, dürfte mittlerweile wohl hinlänglich bekannt sein. (Zur argumentativen Beweisführung habe ich Ihnen einen Artikel vom Fachwissenschaftler M. Gaidoschik beigefügt.).

Es ist daher auch nicht weiter verwunderlich, dass Mitarbeiter des Studienkreises in Gesprächen zugeben, mit diesem, auf den Erstklassenlernstoff beschränkten Zählkonzept keinen nachhaltigen Erfolg (Verständnis für Zahlen und Zahloperationen) erreichen zu können, sondern auch folgerichtig, dass Leiter von Studienkreisen die falsche (Schutz-) Behauptung aufstellen, Rechenschwäche sei eine Krankheit, die letztlich nicht „heilbar“ wäre. Eine von Landesjugendämtern, dem Bundesverband Legasthenie/Dyskalkulie sowie dem Fachwissenschaftler H. Lorenz geforderte dreijährige supervidierte Spezialausbildung fehlt dort genauso wie die ebenfalls von Anbietern geforderte alleinige und wissenschaftliche Beschäftigung mit Dyskalkulie. (Zu Ihrer Information fügen wir den Kriterienkatalog des Bundesverbandes für Dyskalkulieanbieter bei.). Des Weiteren wird dort aus betriebswirtschaftlichen Gründen in Gruppen gearbeitet, was wiederum dem Elementarkonsens der Dyskalkulieforschung widerspricht, dass ein effektives Therapieangebot auf einem einzeltherapeutischen Setting beruhen muss.

Ich muss Sie daher bitten, die Falschauskünfte gegenüber Eltern, der Studienkreis würde ebenso wie das ZTR Dyskalkulie therapieren können, sofort einzustellen. Hierin ist weiter nicht zu erkennen, wie Sie Eltern differenziert unterstützen wollen bei der schwierigen Suche, für das betroffene Kind das fachlich effektive Therapieangebot zu finden. Sie wissen doch sicher auch, dass der Terminus „Rechenschwächetherapie“ in inhaltlicher und fachlicher Hinsicht nicht gesetzlich geregelt ist, so dass auch grob Sachwidriges unter diesem Titel angeboten werden kann. Das ZTR unterstützt daher die Forderung von H. Lorenz nach einem „Therapeuten-TÜV“. Dies würde allerdings zum Ausschluss vom Studienkreis führen.

Aus den Ausführungen folgt weiter, dass Ihr Beharren gegenüber Eltern, sie müssten ihr Kind zum Studienkreis bringen, da das ZTR unverhältnismäßig teurer sei, irrig ist. Die mir bekannten Gerichtsurteile machen nämlich sehr deutlich, dass für das Greifen des gesetzlichen Passus „unverhältnismäßige Mehrkosten“ als Ablehnungsgrund für das Amt zunächst einmal ein vergleichbares Angebot hinsichtlich Qualität bestehen muss. Von vergleichbarer Qualität zwischen ZTR und Studienkreis kann überhaupt keine Rede.“



(3) Rezension von

Wolfgang Moog / Andreas Schulz:
Zahlen begreifen. Diagnose und Förderung bei Kindern mit Rechenschwäche
Luchterhand Verlag, Neuwied 1999

von Michael Gaidoschik, Wien
Erstmals abgedruckt in: Österreichisches Rechenschwäche Magazin, Heft 4, 2001

Die Autoren präsentieren ein „Diagnose- und Förderprogramm für rechenschwache Kinder“, dessen „Lernwirksamkeit“ – meines Wissens erstmalig im deutschen Sprachraum – durch begleitende universitäre Forschung „experimentell überprüft“ wurde. Leider liefern Moog und Schulz damit zugleich ein Beispiel dafür, wie man auch auf akademischem Boden und trotz „Evaluation“ in die Irre gehen kann: Das Förderprogramm fördert nicht das, was es zu fördern anstrebt, nämlich das Begreifen von Zahlen. Und die darauf abgestimmte Diagnostik unterscheidet nicht zielgenau zwischen den Kindern, die Zahlen ausreichend begreifen und jenen, die das (noch) nicht tun.

Zur Kritik im Einzelnen:
Die Autoren halten eingangs richtigerweise fest, dass so genannt rechenschwache Schüler letztlich aufgrund ihres „meist ordinal, d.h. an der Zahlenabfolge orientierten Zahlbegriffs“ scheitern. Mit anderen Worten und unter Vernachlässigung der tatsächlich mannigfaltigen Variationen: Die betroffenen Kinder nehmen Zahlen vorwiegend oder ausschließlich als ein „Nacheinander“ zur Kenntnis („9 kommt nach 8“), nicht aber als ein Mehr oder Weniger („9 ist um 1 mehr als 8“). In weiterer Folge werden die vielfältigen quantitativen Bezüge nicht erkannt, welche einen tragfähigen „Zahlbegriff“ letztlich ausmachen: Um etwa mit der Zahl 9 erfolgreich umgehen zu können, muss ich jederzeit im Bewusstsein haben, dass 9 dasselbe ist wie 4 + 5, aber auch 6 + 3 oder 7 + 2; dass es um 1 weniger als 10 ist, und so weiter.

Je dichter dieses „Netz“ gewusster Zahlenverhältnisse, umso flexibler und sicherer der Zahlenumgang. Das „ordinal orientierte“ Kind hat demgegenüber im Wesentlichen nur eine Möglichkeit der Verknüpfung von Zahlen: in der Zahlenwortreihe „vor und zurück“ zu „hüpfen“. Dieses Kind rechnet also nicht, es zählt.

Das oft bis in die Sekundarstufe hinein beobachtbare Abzählen an den Fingern ist also nicht das Problem selbst, sondern lediglich die Folge der zugrunde liegenden Zahlauffassung. Ein wirkungsvolles „Förderprogramm“ müsste daher diese Zahlauffassung korrigieren. Es müsste mit dem Kind Einsicht in die vielfältigen quantitativen Verhältnisse der Zahlen und deren Gesetzmäßigkeiten erarbeiten - und dadurch auch Alternativen zum Zählen.

Das von Moog/Schulz vorgestellte „Dortmunder Zahlbegriffstraining (ZBT) “ tut dies nicht. Stattdessen wird hier im Wesentlichen eines trainiert: das Zählen. Das Kind soll gemäß ZBT lernen, auch ungeordnete Mengen nur durch konzentriert-geordnetes „Abtasten mit den Augen“, ohne Finger, zu zählen. Es soll das Zählen in Zweierschritten automatisieren. Es soll lernen, dass es beim Zusammen-Zählen zweckmäßiger ist, vom letzten Objekt der ersten Menge an weiterzuzählen, als beide Mengen zuerst für sich und dann erst die Vereinigungsmenge als ganzes noch einmal zu zählen.

Das alles hat durchaus seine Berechtigung – solange es darum geht, dem Kind ökonomische Zähltechniken zu vermitteln. Das wird bei vielen rechenschwachen Kindern notwendig sein; nicht wenige haben diese Zähltechniken aber Ende der ersten Volksschulklasse bereits perfektioniert – eben deshalb, weil sie rechenschwach sind und keine anderen Lösungswege finden als das Einzeln-Abzählen. Zählen-Können ist, siehe oben, eben nur eine Voraussetzung für das Begreifen von Zahlen – aber es ist noch lange nicht dieses Begreifen selbst. Ökonomisches Zählen erleichtert und beschleunigt die Lösung einer Plusaufgabe – aber es verbleibt immer noch in jenem rein zählenden, „ordinalen“ Denken, welches doch die Autoren selbst als das Grundproblem rechenschwacher Kinder erkannt haben wollen!

Tatsächlich scheinen Moog/Schulz aber zu meinen, dass nicht das Abzählen das Problem sei, sondern die Steuerung dieses Abzählens mit den Fingern. Die letzte Stufe ihres Trainings besteht demgemäß darin, dass Additionen im Zahlenraum 10 zählend gelöst werden sollen – aber ohne Einsatz der Finger.

Das aber ist nun, mit Verlaub, geradezu unsinnig: Wenn ich schon zählen muss, um beispielsweise „4 + 3“ zu lösen, dann ist es durchaus zweckmäßig, dabei unterstützend die Finger oder anderes Zählmaterial zu verwenden. Ich muss ja beim zählenden Lösen zwei verschiedene Reihen unter Kontrolle halten: Einerseits schreite ich von 4 aus weiter zu „5...6...7“. Andererseits muss ich 5 als „erste Station“, 6 als „zweite Station“, 7 als „dritte Station“ festhalten. Andernfalls weiß ich ja nicht, dass ich gerade bei 7 mit dem Zählen aufhören muss (und nicht schon bei 6 oder vielleicht erst bei 8).

Das begleitende Ausstrecken oder Antippen von 3 Fingern ist bei diesem Lösungsverfahren also eine zweckmäßige Entlastung, eine Reduktion des Konzentrationsaufwandes - das Ganze freilich innerhalb eines selbst wenig zweckmäßigen Verfahrens. Darum müsste man ja auch andere Verfahren erarbeiten. Aber doch um alles in der Welt nicht das Kind darauf hin trimmen, ein Zählen ohne Fingereinsatz zu bewerkstelligen!

Im Übrigen: Nicht wenige rechenschwache Kinder verfallen von sich aus auf diese Methode des „Zählens im Kopf“ - auch ganz ohne ZBT! Sie tun das, weil ihnen Erwachsene auf die eine oder andere Weise zu verstehen geben, dass sie „jetzt doch schon ohne Finger rechnen können“ müssten; oder auch deshalb, weil sie bemerken, dass die anderen Kinder ihre Finger nicht mehr brauchen und sie selbst sich diese „Blöße“ nicht geben wollen. Dadurch wird aber nichts besser, im Gegenteil: Nach wie vor kommen sie nur durch mühsames „Einzeln-rauf-oder-runter“ zu ihren Lösungen, müssen sich dabei aber, siehe oben, noch mehr konzentrieren und gelangen noch öfter zu falschen Ergebnissen.

Wie steht es nun aber, bei all diesen sehr grundsätzlichen Mängeln, mit der „experimentell geprüften Wirksamkeit“ des ZBT? Nun: Ich möchte nicht bezweifeln, dass das ZBT „wirksam“ sein kann: wirksam im Sinne der Fertigkeiten, die damit eben trainiert werden. Das heißt: Die Kinder, die diese Übungen durchlaufen, werden am Ende wohl tatsächlich Fortschritte im ökonomischen „Zählen ohne Finger“ sowie im – fingerfrei! – zählenden Herstellen von Zahl-Relationen und Zahl-Verknüpfungen gemacht haben. Und genau diese Fortschritte misst nun der auf das ZBT abgestimmte „Dortmunder Rechentest für die Eingangsstufe (DORT-E)“.

In 99 Items werden zunächst die reinen Zählfertigkeiten überprüft. Im Weiteren legt der DORT-E großen Wert darauf, ob eine Zahlverknüpfung unter Einsatz der Finger oder ohne diese hergestellt wurde: Fingereinsatz bei einer Plusaufgabe bedeutet, dass diese Aufgabe, auch bei richtigem Ergebnis, als Fehler gewertet wird. Es wird aber eben nicht unterschieden, ob das Kind „im Kopf rechnet“ oder „im Kopf zählt“. Dabei ist gerade im überprüften Zahlenraum (im Wesentlichen bis 10) das Zählen ohne Fingereinsatz eine bei rechenschwachen Kindern häufige Technik: Sie haben, siehe oben, eben oft schon mitbekommen, dass sich das Abzählen an den Fingern „nicht gehört“. Und wenn nicht, dann wird es ihnen gemäß „Durchführungsregeln“ des DORT-E vom Untersuchungsleiter nahe gebracht, Zitat: „Auch alle Aufgaben, die jetzt kommen, sollst du versuchen, ohne Finger zu lösen. Nur wenn du gar nicht weiter weißt, kannst du auch die Finger zur Hilfe nehmen.“

So erkennt der DORT-E zwar jene Kinder, die auch im Zahlenraum 10 nur unter Verwendung von Fingern Plus-, Minus- und Zerlegungsaufgaben lösen können. Aber gerade diese Kinder werden einer entsprechend sensibilisierten Lehrerin ohnedies auffallen.

Er erkennt weiters jene Kinder, die im Zahlenraum 10, ob mit oder ohne Zählhilfe, gehäuft zu falschen Ergebnissen kommen; auch diese Kinder laufen kaum Gefahr, unentdeckt zu bleiben (die Frage ist nur, welche Hilfestellung sie dann bekommen).

Der DORT-E erkennt aber gerade nicht jene Kinder, die ihre falsche Zahlauffassung im Zahlenraum 10 noch halbwegs erfolgreich durch „Zählen im Kopf“ kompensieren können. Dabei sind es gerade diese Kinder, die im Bestreben um eine Früherkennung von Rechenstörungen die größten Sorgen bereiten müssen.

Wir können also auch für den diagnostischen Teil von „Zahlen begreifen“ leider keine Empfehlung aussprechen. Uneingeschränkt zu empfehlen ist freilich die diagnostische Zielsetzung der Autoren: Ihr Bestreben war es, in einem ausdrücklich informellen Verfahren die „Denk- und Lösungsgewohnheiten der Schüler“ zu erforschen mit dem Zweck, daraus Überlegungen zur gezielten Förderung abzuleiten. Genau darum sollte es auch unserer Ansicht nach bei der „Diagnose“ mathematischer Lernschwierigkeiten gehen - und nicht um die Ab- und Ausgrenzung von „Rechenschwäche“ nach standardisierten „Altersnormen“.

Ein löbliches Unterfangen also – in der Durchführung aber doch recht grundsätzlich gescheitert: So unser Fazit, welches wir im Übrigen (wie alles, was wir vertreten) gerne der argumentativen Überprüfung unserer LeserInnen (die Autoren von „Zahlen begreifen“ eingeschlossen) aussetzen ...
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13.03.2006, 13:32
Beitrag: #22
Antwort JA Dessau
Schreiben (Auszug) des Jugendamtes Dessau, Amtsleiterin Frau Förster
vom 21. 02. 2006-03-13

… Zum 01.10.2005 trat das Kinder- und Jugendhilfeentwicklungsgesetz (KICK) in Kraft. Es reformiert das Gesetzbuch VIII (SGB VIII) in einem zweiten Schritt, nachdem das Tagesbetreuungsausbaugesetz bereits zum 01.01.2005 in Kraft getreten ist. Dieses Gesetz hat sich in einigen Punkten wesentlich verändert.
So wird in der Neufassung des § 10 Abs. 1 SGB VIII ausdrücklich auf die Vorrangigkeit der Schulen hingewiesen. Hiermit soll zwar die bisherige Regelung nicht geändert werden, aber dennoch auf die Verpflichtung anderer Leistungsträger, etwa der Krankenkassen und insbesondere der Schulen hingewiesen werden.

Wenn Lese-, Rechtschreib- oder Rechenschwäche auftreten, hat die Schule auf Grund ihres vorrangigen Bildungsauftrages dafür Sorge zu tragen, dass Schüler von Beginn an, das heißt ab Grundschulbesuch, rechtzeitig und professionell gefördert werden, so dass Störungen der kindlichen Psyche gar nicht erst aufkommen können und eine Verfestigung im Sinne einer (drohenden) seelischen Behinderung vermieden wird.

Ergibt sich ein Handlungserfordernis des öffentlichen Jugendhilfeträgers, wie beim Auftreten bzw. Vorhandensein massiver sekundärer psychischer Störungen, so wird er ausschließlich auf seiner Entscheidungsgrundlage nach Maßnahmen des Hilfeplanverfahrens gemäß § 36 SGB VIII dieses Leistungserfordernis prüfen und ggf. Hilfe gewähren.

Die Übernahme der Kosten für eine Therapie nach § 35a Abs. 3 SGB VIII setzt grundsätzlich eine entsprechende Antragstellung beim Jugendamt und eine Entscheidung des Jugendamtes voraus.

Die Feststellung der Störung war bisher weitgehend den Kinder- und Jugendpsychiatern vorbehalten. Die Neuformulierung des § 35a Abs. 1a SGB VIII weitet nunmehr den Kreis der Gutachter aus. Demnach reicht jetzt nicht mehr jeder Grad der Wahrscheinlichkeit, dass das Kind oder der Jugendliche durch die Teilleistungsstörung zur Teilhabe am Leben beeinträchtigt ist aus, sondern es muss eine solche Wahrscheinlichkeit gegeben sein. Diese wird angenommen, wenn die Wahrscheinlichkeit der Beeinträchtigung zu mindestens 50 % gegeben ist.

Die Teilhabebeeinträchtigung ist in diesem Fall von einer sozialpädagogischen Fachkraft festzustellen. Das bedeutet, dies ist de facto Aufgabe des Jugendamtes.
Eine Hilfe für diese Kinder kann, und darauf muss auch im Hilfeplanverfahren gemäß § 36 SGB VIII geachtet werden, sich jedoch nicht darauf beschränken, nur eine Verbesserung der schulischen Leistungsfähigkeit zu erreichen, sondern sie muss mittels geeigneter Maßnahmen versuchen, das Selbstwertgefühl des betroffenen Kindes zu stärken und seine Fähigkeiten verbessern, mit den vorhandenen Problemen umzugehen.

Dieser verantwortungsvollen Aufgabe stellt sich das Jugendamt der Stadt Dessau und prüft hier nicht nur die Zuständigkeit an sich, sondern entscheidet im Aushandlungsprozess mit den Antragstellern gemäß § 5 SGB VIII über die geeignete Hilfeform.

…
ich hoffe, dass wir mit diesem Schreiben unsere Vorgehensweise erläutern konnten und diese Informationen für Sie ausreichend sind. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir die Auswertung Ihres offenen Briefes bezüglich der Zuständigkeit von Jugendämtern bei Teilleistungsstörungen im Rahmen des § 35a SGB VIII zur Kenntnis übermitteln würden.

Förster
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19.03.2006, 11:52
Beitrag: #23
 
(Neue) Erfahrungsberichte (aus dem Forum) von Eltern über den Umgang von Jugendämtern mit Anträgen auf Hilfe zur Erziehung nach § 35a SGB VIII wegen Dyskalkulie bei drohender seelischer Behinderung



1. Nach jahrelangen vergeblichen Bemühungen unserer Tochter Mathematik näher zu bringen, kamen wir durch Gespräche mit Bekannten zu dem Schluss, das es sich bei Ihr um Rechenschwäche handeln könnte. Daraufhin setzten wir uns mit dem ZTR Halle-Leipzig in Verbindung. Wir vereinbarten einen Termin, welchen wir sehr kurzfristig bekamen. Bei diesem Test wurden unsere Vermutungen bestätigt. Nachdem wir den Testbericht vom ZTR erhielten, wendeten wir uns zwecks finanzieller Unterstützung zuerst telefonisch mit dem Jugendamt in Verbindung. Dieses erste Gespräch, in dem ich mein Anliegen vortrug, wurde mir sofort gesagt: "Also das bezahlen wir nicht. Da muss doch die Schule etwas machen." Ich sagte der Frau, dass unsere Tochter bereits den Förderunterricht in der Schule besucht und auch private Nachhilfe bekommen hat, das aber zu keinem Erfolg führt. Die nächste Äußerung war, wieso wir das denn erst im 6. Schuljahr bemerken würden, so was stellt man doch schon im Kindergarten fest. Weiter wurde ich gefragt, ob wir denn schon beim Schulpsychologen waren. Das musste ich mit nein beantworten. Wenn wir bei der Psychologin gewesen sind, wäre sie der richtige Ansprechpartner. Ich war sehr enttäuscht über den ersten Kontakt mit dem Jugendamt bzw. den Äußerungen/Tonfall der Mitarbeiterin.
Anett


2. Hallo,
Das Problem mit dem Jugendamt habe ich auch. Wir waren schon bei einem Psychologen der Dyskalkulie festgestellt hat, das hat uns aber nichts genützt. Beim Jugendamt wurde mir gesagt, dass der Antrag nur ne kleine Chance hat, wenn mein Kind sich strikt weigert überhaupt in die Schule zu gehen aufgrund ihrer Rechenschwäche und wenn sie außerhalb des Hauses keine Freunde mehr hat. Man fragt sich, wo da die Logik steckt. Erst wenn mein Kind ganz unten ist hab ich vielleicht Glück, Hilfe vom Jugendamt zu bekommen. Aber dann werden sie mir bestimmt sagen, warum ich mich nicht früher drum gekümmert habe.


3 Hallo!
Unsere Tochter Selina ist 8 und geht in die 2. Klasse. Bei Ihr wurde durch das ZTR und einer psychiatrischen Klinik eine Rechenschwäche festgestellt!
Also war unser nächster Weg ein Termin beim zuständigen Jugendamt. Nach 3 Monaten Wartezeit kam dann auch endlich jemand, um sich die Familiensituation und so anzuschauen, was auch sehr aufregend für Selina war. Denn solch einen Besuch hat man ja nun mal nicht gern in seinem Haus!
Nach nochmaliger Wartefrist von 2 Wochen kam nun der ablehnende Bescheid. Der feststellt, dass bei Ihr eine seelische Behinderung zu bejahen ist, aber zu Haus keine seelische Beeinträchtigung festzustellen ist, weil Sie in einer normalen, sie stützenden und unterstützenden Familiensituation lebt!
Na toll, da schickt man sein Kind trotz Bauch- und Kopfschmerzen zur Schule weil nun mal leider beide Eltern arbeiten, und dann wird einem das noch negativ gewertet! Was soll man denn sonst machen, als Sie zu unterstützen? Ist das nicht der Sinn einer Familie? Ich finde es frech, dass Ihr nur deswegen die Therapie nicht zu gute kommt. Wir werden auf jeden Fall Widerspruch dagegen einlegen. Falls jemand eine Idee hat wie sich so was am besten formulieren lässt dann helft mir bitte.
Danke Sylvia
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20.03.2006, 12:22
Beitrag: #24
 
Dr. Klaus Retzlaff: Ergänzung zur Anfrage an das Jugendamt Delitzsch



Inhalt und Umfang der Ausbildung im Studienkreis beschränken sich in der Regel nur auf die Leiter der Einrichtungen. Die Ausbildung umfasst:

„Die Fortbildung in unserem Haus (Universität Bochum, Dr. Andreas Schulz) umfasst ein Basisseminar, dass an drei Tagen zu insgesamt 20 Stunden stattfand. In diesem Seminar wurden die Teilnehmer in der Planung, Durchführung und quantitativen und qualitativen Auswertung standardisierter und informeller Testverfahren zur Rechenleistung in die Methoden des Konzeptes, die Förderung und deren Planung eingeführt. Im Anschluss an die Seminare leiten die Lehrkräfte nun ihre Fördergruppen eigenständig an. Sie werden durch die Seminarleitung einerseits durch schriftliche Supervision – vor allem auch bei der Testauswertung – aber auch an zwei Supervisionstagen in Kleingruppen unterstützt. Diese zweite Phase – die Zertifizierung – endet bei Erfolg mit einer Bescheinigung des STUDIENKREISes.“

Zitat: Dr. Andreas Schulz aus einer Bescheinigung eines Studienkreisleiters aus dem Jahre 2000.

1. Das Konzept selbst wurde durch Herrn Michael Gaidoschik ausreichend kritisiert. Das Konzept und die auf dieses Konzept ausgerichtete Diagnostik ist der in den 20 Stunden vermittelte Ausbildungsinhalt.

2. Weil das Konzept gar nicht das Lernproblem beseitigt, gilt es im STUDIENKREIS als selbstverständlich, dass die Kinder die „Rechenschwäche“ ihr Leben lang behalten. Die „Rechenschwäche“ wird darum regelmäßig und öffentlich auch als Krankheit bezeichnet, die Mitarbeiter werden angewiesen, durch Eselsbrücken den Kindern hinsichtlich des aktuellen Schulstoffs weiter zu helfen – genau so, wie es eben aus fachlicher und sachlicher Sicht gerade nicht sein darf.

3. Einem Vergleich mit den geforderten Qualitätsstandard des Bundesverbandes für Legasthenie und Dyskalkulie oder den von der Berliner Senatskommission beschlossenen Standards oder den Standards des ZTR (hier z.B. über 240 Stunden supervidierte Ausbildung und in der Regel über 2 Jahre Dauer, Multiprofessionalität des Wissenschaftlerteams usw.) hält weder dem Umfang noch dem Inhalt nach der STUDIENKREIS stand.

4. Das alles ist sehr zum Ärger von Eltern, weil der Studienkreis als „Billiganbieter“ zum Schaden der Kinder von einigen Jugendämtern bevorzugt wird. Zum Schaden der Kinder, denn, wie gesagt, das Lernproblem wird nicht geknackt. Wegen des STUDIENKREISES und solcher Jugendamtspolitik in Sachsen-Anhalt sah sich die Elterninitiative zur Förderung rechenschwacher Kinder Sachsen-Anhalt gem. e.V. veranlasst Standards zu fordern, die solche Therapieangebote ausschließen. (Vergleichen Sie hierzu den Brief der Elterninitiative an die Volksstimme)

5. Aus diesem Grunde ist die Befürchtung nicht unbegründet, dass so erfolglos verlaufende Therapieversuche eine Verschlechterung der seelischen Disposition nach sich ziehen können, denn das Kind erlebt, das offensichtlich ihm auch die vermeintlich professionelle Hilfe, nicht helfen konnte.

Da ich hier schwerwiegende Argumente gegen den Studienkreis anführe, würde es mich freuen, wenn sich Vertreter des Studienkreises hierzu in unserem Forum positionieren würde.



Das folgende Scheiben an die Volksstimme der Initiative zur Förderung rechenschwacher Kinder Sachsen-Anhalt gem. e.V. wurde uns für diese Debatte freundlicherweise zur Verfügung gestellt:

Sehr gehrte Dame und Herren,

als Elterninitiative zur Förderung rechenschwacher Kinder Sachsen-Anhalt e.V. möchten wir uns bei Ihrer Zeitung ausdrücklich bedanken, dass Sie dem Thema so viel Aufmerksamkeit schenken. Weil Eltern oft große Probleme haben, eine geeignete Hilfe zu bekommen, haben wir uns zu einer Initiative zusammengeschlossen. Mit unseren Erfahrungen möchten wir Eltern helfen, richtige Entscheidungen für ihre Kinder zu treffen.
Wir unterstützen die Aussagen von Herrn Dr. Retzlaff im Artikel vom 3.11.2004 voll und ganz. Der Leserbrief von Herrn Werner vom 5.11.2004 verunsichert Eltern.
Gerade weil viele Nachhilfeeinrichtungen ohne die erforderliche Qualität das Thema „Rechenschwäche“ für sich entdeckt haben, fordern wir entsprechende Standards. An der Therapiequalität und Beratungsleistung im Studienkreis haben wir große Zweifel. Herr Werner stigmatisiert die Kinder als unheilbar Kranke, denen man mit „Eselsbrücken“ helfen müsste (Volksstimme, Bördekreis vom 26.2.2004). Solchen Urteile können zu falschen Schullaufbahnentscheidungen führen. Dass dies völlig falsch ist, wurde z.B. auch auf unserer Konferenz der Mitteldeutschen Elterninitiativen am 30.10.2004 in Leipzig von Herrn Professor Gerster, Päd. Hochschule Freiburg, ausdrücklich hervorgehoben. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass Rechenschwäche behebbar ist. Leider orientiert sich manches Jugendamt nur an den Kosten und bevorzug Nachhilfeanbieter. Manche Eltern, die sich eine qualifizierte Therapie nicht leisten können, werden gegen ihren Willen und ihr Wahlrecht zur Nachhilfe bei Herrn Werner gedrängt.
In Sachsen-Anhalt existieren keine Standards für lerntherapeutische Einrichtungen. Die Berliner Senatskommission verlangt z.B. von Lerntherapeuten ein erfolgreich abgeschlossenes Hochschulstudium in den Fächern Psychologie, Pädagogik und andern Wissenschaften, die einen klaren Bezug zur lerntherapeutischen Tätigkeit erkennen lassen, z.B. Mathematik bei Rechenschwäche, eine 3-jährige Ausbildungspraxis Praxis mit mindestens 20 Wochenstunden im Bereich Diagnostik, Beratung und Therapie, sowie den Nachweis von mindestens 150 Stunden Fortbildung während der letzten 3 Jahre auf lerntherapeutischem, fachdidaktischem und sozialpädagogischem Gebiet. Auch in Niedersachsen wird eine besondere Qualifikation verlangt und ausdrücklich gesagt, dass eine normale Lehrerausbildung nicht ausreicht.
Das Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche (ZTR) erfüllt diese Kriterien. Das Team besteht aus Pädagogen, Psychologen und Mathematikern. Die ZTR-Institute sind in universitäre Forschungsprojekten einbezogen. Die Diagnostik und Lerntherapien beruhen auf dem aktuellen Stand der Dyskalkulieforschung. Herr Dr. Retzlaff hat sich als Sachverständiger im Ausschuss für Schule und Sport des sächsischen Landtages für rechenschwache Kinder engagiert.


Mit freundlichen Grüßen

Bernd Pickut
1. Vorsitzender
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23.03.2006, 08:47
Beitrag: #25
Antwort auf bzw. Fragen an das Jugendamt Dessau
Bezug auf das Schreiben des Jugendamtes Dessau vom 21. 02. 2006

Sehr geehrte Frau Förster,
sehr geehrte Frau Schlüter,

.....
Zu den von Ihnen angesprochenen Punkten habe ich Fragen, um deren Klärung ich Sie bitten möchte.

1. Sie schreiben, dass die Schule auf Grund ihres Bildungsauftrages bei Vorliegen ei-ner Legasthenie und/oder Dyskalkulie zunächst für eine rechtzeitige und professi-onelle Förderung sorgen muss. Als bildungspolitischer Forderung ist dem zuzu-stimmen. Allerdings sieht die Praxis - wie Sie wissen - anders aus. Für den Bereich Dyskalkulie sind mir keine Ausbildungsgänge für Lehrer in Sachsen-Anhalt be-kannt, bei denen die notwendigen diagnostischen und therapeutischen Fertigkei-ten für die Erkennung und die therapeutische Förderung von rechenschwachen Kindern erworben könnten. Mir sind ebenso wenig Schulen bekannt, in denen rechtzeitig und professionell Rechenschwächen erkannt und behandelt werden.
Da die Kinder- und Jugendhilfe neben dem Hilfsauftrag einen präventiven Auftrag - hier zur Vermeidung seelischer Behinderungen - hat, wäre durch die Jugendämter zu prüfen, ob und in welcher Form Schule bei Dyskalkulien qualifizierte Hilfen leis-ten kann. In welcher Form wird dies durch das Jugendamt Dessau überprüft? Wel-che Ergebnisse bezüglich dyskalkulietherapeutischer Angebote an Schulen, fachli-cher Qualifikationen und organisatorischer Voraussetzungen für Dyskalkuliethera-pien (Einzeltherapie bzw. im Erstklassenunterricht Kleinstgruppen) haben diese Überprüfungen ergeben?

2. Für die Gewährung von Hilfen nach § 35a SGB VIII ist nicht das Vorliegen einer Dyskalkulie ausschlaggebend, sondern die (drohende) seelische Behinderung so-wie das (drohende) Scheitern der sozialen und gesellschaftlichen Integration des Kindes oder Jugendlichen. Neben dem zentralen Aspekt des nachholenden ma-thematischen Lernens im Sinne einer ursächlichen Behandlung ergibt sich aus den gesetzlich formulierten Voraussetzungen für Hilfen nach § 35 a SGB VIII die Not-wendigkeit einer psychologisch fundierten Beratung des Umfeldes des betroffenen Kindes oder Jugendlichen. Dies umfasst die Beratung der Bezugspersonen und der Schule durch mathematisch und psychologisch qualifizierte Therapeuten. Eine psy-chologische Grundausbildung von Dyskalkulietherapeuten oder die Arbeit in einem interdisziplinären Team, in dem psychologische Kompetenzen personell abgesi-chert sind, sollte daher konzeptionell und praktisch durch Anbieter von Dyskalku-lietherapien abgesichert sein. In der Praxis werden von Jugendämtern entgegen der aus den Voraussetzungen für Hilfen nach § 35a SGB VIII resultierenden Not-wendigkeiten häufig Einrichtungen mit Hilfen betreut, in denen Lehrer in einer Ne-bentätigkeit oder andere Personen ohne psychologische Qualifikationen arbeiten. Überprüft das Jugendamt Dessau die Konzeptionen der Anbieter und die Qualifika-tionen von deren Mitarbeitern hinsichtlich der benannten Aspekte?

.....

Mit freundlichen Grüßen


Dr. Jörg Kwapis

Dessau, den 23. 03. 2006
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31.03.2006, 06:54
Beitrag: #26
 
Jugendhilfeausschuß der Hansestadt Rostock/Jugendamt:

Stellungnahme der Verwaltung zu nachfolgenden Briefen an die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses:

Brief des Zentrums zur Therapie der Rechenschwaeche Demmin

Die angezeigte Problematik ist in allen Jugendämtern der Bundesrepublik Deutschland bekannt. zunächst liegt die Verantwortung für die Unterstützung der Schüler bei Dyskalkulie und LRS bei den Schulen. Nicht jede Teilleistungsstöreung eines Schülers ist mit einer drohenden seelischen Behinderung gleichzusetzen. Grundsätzlich liegt die Verantwortung zunächst bei der Schule.
Einzelfallbezogen ist genau zu prüfen, wann eine drohende seelische Behinderung vorliegt. Einen Automatismus gibt es nicht. In den letzten Jahren und zur Zeit ist diese Frage kein Problem für die Verwaltung des Jugendamtes. Die Verwaltung schlägt vor auf das Schreiben nicht zu reagieren.

gez.
Conny Proske
1. stellv. Vors. des Jugendhilfeausschusses
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05.04.2006, 21:26
Beitrag: #27
 
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Ministerin Dr. von der Leyen
Prof. Dr. Dr. h.c. R. Wiesner
Berlin, 30.03.2006



Sehr geehrter Herr Dr. Steffen,

Frau Ministerin Dr. von der Leyen dankt für die Übersendung des o.g. Offenen Briefs …
Zu Recht betonen Sie, wie wichtig eine qualifizierte Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Dyskalkulie oder mit einer dadurch bedingten (drohenden) seelischen Behinderung im Hinblick auf Chancengleichheit und gesellschaftliche Integration ist. Wenn diese Kinder und Jugendlichen nicht die Hilfe und Unterstützung erhalten, die sie brauchen, ist dies nicht akzeptabel. Dabei müssen auch die gesellschaftlichen Folgekosten für zu späte oder nicht bedarfsgerechte Leistungen bedacht werden. Die staatliche Gemeinschaft wird ihrer (Mit-) Verantwortung für die Bildung und Erziehung junger Menschen nicht gerecht, wenn sie jungen Menschen im Bedarfsfall Hilfen verweigert. Es ist daher mehr als anerkennenswert, dass sich das ZTR zum Ziel gesetzt hat, Gründe für eine unzureichende Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Dyskalkulie aufzuzeigen und daraus resultierende Lösungsansätze abzuleiten.

Sie sehen die Hauptursache inadäquater Unterstützung von Schülerinnen und Schülern mit Lernstörungen in unklaren bzw. nicht sachgerechten Zuständigkeitsregelungen, insbesondere zwischen Schule und Jugendamt, sowie der „Verweigerungspraxis“ von Jugendämtern im Hinblick auf die Gewährung von Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII bei Dyskalkulie.

Die rechtlichen Vorgaben legen die Grenze zwischen den Verantwortungsbereichen von Schule und öffentlicher Jugendhilfe eindeutig fest, wie auch aus dem von Ihnen zitierten Urteil des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts vom 18.08.2005 hervorgeht:

Die Behandlung von Teilleistungsschwächen wie Dyskalkulie ist zunächst Aufgabe der Schule. Sie hat entsprechende Fördermaßnahmen anzubieten, um auf diese Weise allen Kindern gegenüber ihrem schulischen Auftrag auf Vermittlung von Fertigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen nachzukommen. Selbstverständlich umfasst dieser Auftrag auch die Pflicht, sich für eine spezifische und qualifizierte Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Lernstörungen erforderlichen Kompetenzen zu verschaffen bzw. vorzuhalten. Das Jugendamt ist hier nicht verpflichtet, durch eine Dyskalkulietherapie Hilfe zu leisten, denn es ist kein Ausfallbürge bei mangelnder Erfüllung schulischer Aufgaben. Die Frage der Leistungskonkurrenz und damit der (nachrangigen) Zuständigkeit der Jugendhilfe stellt sich erst dann, wenn auch die Voraussetzungen für die Gewährung von Leistungen nach dem SGB VIII vorliegen. §10 Abs. 1 SGB VIII weist ausdrücklich auf die vorrangige Leistungspflicht der Schule hin. Lernstörungen an sich stellen keine seelische Behinderung i. S. v. § 35a SGB VIII dar. Erst dann, wenn aus einer schweren Dyskalkulie als seelischer Störung eine Teilhabebeeinträchtigung resultiert oder mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist, liegt eine (drohende) seelische Behinderung vor, die die Leistungsverpflichtung des Jugendamtes nach § 35a SGB VIII auslöst. In der Regel wird das Jugendamt im Hinblick auf Lernstörungen also dann zuständig, wenn die Schule diesen nicht rechtzeitig und ausreichend mit besonderen, individuellen Fördermaßnahmen begegnet und deshalb in Folge von Ausgrenzung eine seelische Störung beim Kind bzw. Jugendlichen eintritt. In diesem Fall muss sie ihre Leistungsverpflichtung nach § 35a SGB VIII erfüllen und die im Einzelfall geeignete und notwendige Hilfeleistung unter Beachtung des Wunsch- und Wahlrechts der Leistungsberechtigten (§ 5 SGB VIII) erbringen, die dann allerdings über eine Dyskalkulietherapie hinausgeht.

Würde die Schule ihrem schulischen Auftrag in vollem Umfang gerecht, könnte in vielen Fällen das Eintreten einer (drohenden) seelischen Behinderung verhindert werden. Trotzdem können und dürfen aber die Versäumnisse der Schule nicht dem Jugendamt zur Last gelegt werden, indem dessen Verantwortungsbereich auf Fördermaßnahmen zur Behandlung von Lernstörungen ausgeweitet wird. Die Schule muss die hierfür erforderlichen Kompetenzen und Ressourcen bereitstellen. Im Hinblick auf die Kompetenzordnung des Grundgesetzes hat der Bund aber darauf keinen unmittelbaren Einfluss. Die Entwicklung der Inanspruchnahme von Leistungen der Jugendhilfe hat die Kommunen, die als Träger der öffentlichen Jugendhilfe die Kostenlast tragen, an die Grenze der finanziellen Belastbarkeit gebracht. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass sie künftig ihren originären Aufgaben im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe nachkommen können, zu denen nicht die schulische Bildung gehört, um sicherzustellen, dass diejenigen Kinder und Jugendlichen, die die Jugendhilfeleistungen brauchen, diese auch weiterhin bekommen.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
Prof. Dr. Dr. h.c. Reinhard Wiesner
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10.04.2006, 12:38
Beitrag: #28
 
Sächsisches Staatsministerium für Kultus
Dr. Martina Maier
Dresden, April 2006



Folgende Anfrage wurde beantwortet:

„Sie können im Zusammenhang mit dem Offenen Brief über den Umgang von Jugendämtern mit Rechtsansprüchen von von seelischer Behinderung bedrohten Kinder und Jugendlichen infolge von Dyskalkulie (§ 35a SGB VIII) folgende Aussage des Jugendamtes Leipzig lesen:

>Die Therapie einzelner Störungen durch Experten in Instituten ist ein möglicher Weg, den Störungen und deren Folgen entgegen zu wirken. Jedoch gehen wir aufgrund der Verantwortung der Schulen für die Bildung aller Schüler davon aus, dass aus den Erkenntnissen der zunehmenden Erforschung der Störungen geeignete Formen der Bildung im Rahmen der Schulen abgeleitet werden können und müssen. Wir denken, dass Schulen in die Lage versetzt werden können, auch Schüler mit Rechenstörungen erfolgreich zu fördern, z.B. durch speziell ausgebildete Lehrer und begleitende Fachkräfte wie Beratungslehrer und Schulpsychologen. Im Schulgesetz des Freistaates Sachsen ist die schulische Verantwortung der Förderung von Schülern mit Teilleistungsstörungen inzwischen definiert.<

Sehr geehrter Herr Minister, sehr geehrte Frau Dr. Maier wir bitten Sie um eindeutige Aussagen hinsichtlich folgender Fragen: Teilen Sie die Auffassung des Jugendamtes Leipzig, oder handelt es sich um wissenschaftlich nicht fundiertes Wunschdenken? Können Sie bestätigen, dass die von uns auf Basis der aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisse über den Umgang mit Dyskalkulie für notwendig erklärten Basisausbildungen von keinem Pädagogen im Sächsischen Schuldienst z.Z. erfüllt werden können? Können Sie des Weitern bestätigen, dass die erforderlichen Rahmenbedingungen zur Durchführung einer nachhaltig erfolgreichen Dyskalkulietherapie (100 bis 120 Std. Einzeltherapie) den Rahmen jedes Lehrplans sprengen würden?“



… In unserem Schreiben vom 22. August 2005 teilten wir Ihnen mit, dass sich das Sächsische Staatsministerium für Kultus entschlossen hat, „Empfehlungen zur Förderung von Schülern mit einer Rechenschwäche“ zu erarbeiten und den Schulen zur Verfügung zu stellen. Diese Empfehlungen sollen vor allem die schulischen Möglichkeiten benennen, Kinder mit besonderen Schwierigkeiten beim Erlernen des Rechnens zu fördern.

Es wird dennoch Fälle geben, bei denen die schulische Förderung an Grenzen stößt, insbesondere dann, wenn weitere Beeinträchtigungen, physische oder psychische Störungen hinzukommen. In den Fällen müssen außerschulische Unterstützungs- und Therapiemöglichkeiten zur Verfügung stehen. Inwieweit eine finanzielle Unterstützung unter Anwendung des § 35a SGB VIII in Betracht kommt, entscheiden die Jugendämter unter Abwägung der Gesamtumstände.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Maier
Referentin
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10.04.2006, 23:13
Beitrag: #29
 
Antwort an das Sächsische Staatsministerium für Kultus


Sehr geehrte Frau Maier,

zunächst vielen Dank für Ihr Antwortschreiben auf meine Anfrage.

Leider muss ich jedoch feststellen, dass Sie auf meine sehr konkreten Fragestellungen nur ausweichende Antworten gefunden haben.

So stellt sich angesichts der im Offenen Brief auf- und zur Diskussion gestellten qualitativen Minimalanforderungen für effektive Therapieverläufe bei Rechenschwäche die Frage, was Ihre Antwort in diesem Zusammenhang bedeuten soll, „dass sich das Sächsische Staatsministerium für Kultus entschlossen hat, >Empfehlungen zur Förderung von Schülern mit einer Rechenschwäche< zu erarbeiten und den Schulen zur Verfügung zu stellen. Diese Empfehlungen sollen vor allem die schulischen Möglichkeiten benennen, Kinder mit besonderen Schwierigkeiten beim Erlernen des Rechnens zu fördern.“

Wenn Sie auf meine Anfrage, ob die mir (offensichtlich aus vorherigem Schreiben bereits hinlänglich) bekannten „schulischen Möglichkeiten“ den von uns aufgestellten Kriterien an Therapiequalität hinsichtlich Ausbildungsinhalten, -zeiten und notwendigen Rahmenbedingungen entsprechen, mit der nochmaligen Nennenung dieser kultusministeriellen Zielstellung für die Zukunft anworten, muss ich dieser Aussage entnehmen, dass Sie sich entweder diesen Kriterien nicht stellen wollen, oder erkannt haben, dass Schule diese nicht zu erfüllen vermag. Beides ist insbesondere vor dem Hintergrund zum Nachteil für die betroffenen Kinder und Jugendlichen zu sehen, dass Sie den Schulen lediglich „Möglichkeiten benennen (wollen), Kinder mit besonderen Schwierigkeiten beim Erlernen des Rechnens zu fördern.“ Auf notwendige, mehrjährige theoretische sowie praktische und supervidierte Ausbildungen weist das jedenfalls nicht hin. Sollen Lehrer jetzt ohne Ausbildungen einfach nach vorgegebenen, standardisierten Plänen mit rechenschwachen Kindern und Jugendlichen Förderunterricht abhalten? Das würde sehr an Experimente auf einem Feld erinnern, auf dem keine Experimente statthaft sind.

Auch lassen Sie völlig unbeantwortet, was der Inhalt dieser „schulischen Möglichkeiten“ eigentlich sein soll. Sind es die von uns für notwendig erklärten Ausbildungsinhalte in rationaler Dyskalkulietheorie, Mathematik, Mathematikdidaktik, Medizin, Psychologie und Psychotherapie? Wohl eher nicht, denn sonst hätten sie dies wohl kaum unerwähnt gelassen. Auch lassen sich derartige Ausbildungsinhalte nicht schulenübergreifend und ohne Berücksichtigung der individuellen Problemlage einfach in allgemeine schulische Anwendungs-„Möglichkeiten“ fassen.

In diesem Zusammenhang kann auch nicht unerwähnt bleiben, dass mittlerweile empirische Forschungsergebnisse über falsche Ansätze bei der Förderung von Rechenschwäche vorliegen. Nach meinem Kenntnisstand und basierend auf Gesprächen mit den wenigen Lehrerinnen, die in den letzen Jahren an sporadischen und bestensfalls als Rumpfausbildungen zu bezeichnenden kulktusministeriell organisierten Fortbildungen teilgenommen haben, hat die Übertragung der Ausbildungsaufgabe an die Schulpsychologie zur Folge gehabt, dass die theoretische Beschäftigung den Schwerpunkt bekommen hat, Wahrnehmungs-, Konzentrations- und Vorstellungsdefizite (zusammengefasst: basale Stützfunktionen bzw. Teilleistungen), die in der psychologischen Literatur zu letztlilch pathologischen Ursachen von Rechenschwäche erklärt werden, zum Förderinhalt zu machen.

Zu diesem Ansatz hat bereits Breitenbach 1992 festgestellt: „Schüler einer Versuchsgruppe wurden gezielt im Bereich basaler Teilleistungen gefördert. Bei der abschließenden Untersuchung zeigte sich, dass die Schüler in diesen geförderten Bereichen Fortschritte erzielt hatten, sie schnitten jetzt also z.B. bei Tests ihrer visuellen Wahrnehnmungsleistungen besser ab als zu Beginn der Förderung. Ein Fortschritt im Bereich ihrer rechnerischen Leistungen war aber nicht erkennbar, im Gegegnteil: in diesem Bereich vergrößerte sich ihr Rückstand gegenüber der Komtrollgruppe, die nicht basal gefördert wurde, noch weiter.“

Die unmittelbare praktische Folge ist, dass besagte Lehrerinnen weiterhin über Orientierungs- und Erfolglosigkeit klagen, und die Anfragen an das ZTR hinsichtlich schulischer Fortbildungen nicht abreißen wollen. Sollen wir zukünftig auf Ihre „Möglichkeiten“ verweisen? Dazu wäre es wiederum hilfreich, wenn Sie aufklären würden über die grundlegenden Inhalte und Theorieansätze Ihrer zukünftigen Förder-„Möglichkeiten“. Auch Eltern rechenschwacher Kinder dürfte dies sehr interessieren, da nicht selten Lehrerinnen mit der (euphemistischen) Behauptung, „das können wir in der Schule“, Eltern von der Konsultation von Spezialisten abhalten resp. abbringen.

Gegen den von Ihnen erzeugten Schein, die schulischen „Möglichkeiten“ gegen Rechenschwäche würden zukünftig Abhilfe versprechen, setzte ich nach wie vor unsere begründeten inhaltlichen Aussagen und Forderungen aus dem Offenen Brief, zu denen wir nach wie vor von Ihnen keine wissenschaftlich diskutablen, inhaltlichen Reaktionen erhalten haben.


• >Dyskalkulietherapien gehören nicht in den Zuständigkeitsbereich der Schulen. Lehrer sind mit dieser Aufgabe, die ein eigenes Berufsfeld mit interdisziplinären Ausbildungsfeldern darstellt, völlig überfordert. Weder verfügen sie über die wissenschaftlich notwendigen Studienabschlüsse und Zusatzausbildungen noch kann die Schule geeignete Rahmenbedingungen für langjährige Einzeltherapien zur Verfügung stellen. Schulen sollten sich vielmehr auf ihre Kernkompetenzen – Vermittlung mathematischen Fachwissens – konzentrieren und nicht zum Schaden der Betroffnen einen zwangsläufig dilettantischen Umgang mit Rechenschwachen anregen. Einzig sinnvoll aus Sicht der Dyskalkulieforschung wäre eine Kompetenzstärkung für einen präventiven Erstklassenunterricht. Hierzu müsste einerseits in der Schuleingangsphase eine qualitative (Dyskalkulie-) Diagnostik zum Einsatz kommen (Untersuchungsgegenstand: Entwicklungstand des kardinalen Zahlbegriffs), und andererseits den Pädagogen Raum für eine individuelle, diagnostisch gesteuerte Einzelförderung gegeben werden, deren Ziel die Förderung von sachbezogenen Kenntnissen (im Unterschied zu begriffslosem Lernen von Merkregeln und Rechentechniken) ist. (Entsprechende Fort- und Ausbildungsprogramme werden vom ZTR angeboten.)

• Wenn Kultusministerien eine Verwaltungsvorschrift (hier: „Empfehlungen“) zu Dyskalkulie erarbeiten und herausgeben wollen, dann muss diese die wissenschaftlichen Anforderungskriterien für Dyskalkulietherapeuten berücksichtigen und ansonsten die Lehrer zur aktiven Stabübergange an die Jugendämter gemäß zitiertem OVG-Urteil auffordern. Als Ausbildungs- und Anforderungskriterien für Dyskalkulietherapeuten wären (in Anlehnung an Beschlüsse der Landesjugendämter in Berlin und Niedersachsen) zu nennen:

1. Abgeschlossenes Universitätsstudium in den Bereichen Medizin, Psychologie, (Sonder-) Pädagogik oder Mathematik (-didaktik),
2. Zusatzausbildung (ca. 3 Jahre) mit den Inhalten
 Fundierte Theoriekenntnisse über Dyskalkulie und Mathematik, problemspezifische Theoriekenntnisse in Psychologie (seelisches Leiden im Kinder- und Jugendlichenalter) und Medizin (Komorbiditätenforschung)
 Erlernen einer Mathematikdidaktik, die auf Erklären und Verstehen ausgerichtet ist (ist nicht identisch mit der Schuldidaktik!)
 Erlernen qualitativ-prozessanalytischer Dyskalkuliediagnostik (ohne die kann gar keine sachgemäße Hilfe erfolgen!)
 Einarbeitung in die dyskalkulietherapeutischen Veranschaulichungsmittel, Arbeitsbögen sowie Vermittlungstechniken
 Supervidierte Heranführung an die Praxis mathematischer Wissensvermittlung bei Kindern und Jugendlichen mit (zum Teil erheblicher) seelischer oder drohender seelischer Behinderung unter Berücksichtigung psychotherapeutischer Aspekte und Arbeitsmethoden,
3. Einzeltherapie,
4. Interventionsdauer (je nach Schweregrad 80 bis 120 Stunden = 2 bis 3 Jahre).

• Bei chronischer Rechenschwäche mit Anzeichen seelischer Folgeprobleme (psychische Sekundärsymptomatik) sollte Schule, autorisiert durch die Schulämter, aktiv die Eltern dazu auffordern, außerschulische Hilfsmöglichkeiten zu nutzen, auf die es unter bestimmten Voraussetzungen ein Anrecht gibt, das Jugendämter zur Finanzierung geeigneter Therapiemaßnahmen verpflichtet. Lehrer sollten im Interesse der Betroffenen aufhören, evidente Rechenschwächefälle „unter den Teppich zu kehren“. Die Folgen bei Ausbleiben geeigneter Therapiemaßnahmen sind nämlich fatal: Schulversagen, Bildungsabschlüsse unter den Möglichkeiten (Rechenschwache konzentrieren sich völlig unnötig im Bildungssystem in den Bereichen Förderschulen und Hauptschulen sowie schließlich in der Gruppe dauerhaft berufsunfähiger Jugendlicher), Ausbildungsversagen, Krankheiten, soziale Desintegration.<

Als Konsequenz aus diesen Aussagen, die bislang von keinem Diskussionsbeitrag ernsthaft diskutiert, geschweige denn widerlegt worden sind, ergibt sich im Interesse der Betroffenen (in Ersetzung der „Möglichkeiten“) die politische Aufgabe für die Landesregierungen, einen Finanztopf zu schaffen, der es Schulen ermöglicht, externe Spezialisten temporär zur Therapie von einzelnen Dyskalkuliefällen in das Schulsystem zu integrieren. Hierzu macht das Bundesministerium auf folgenden Zusammenhang aufmerksam: „Dabei müssen auch die gesellschaftlichen Folgekosten für zu späte oder nicht bedarfsgerechte Leistungen bedacht werden.“ (Prof. R. Wiesner)

Abschließend stellt sich die Frage zu Ihrem Antwortschreiben, was es hinsichtlich der Behauptung des Jugendamtes Leipzig, mit der Schule in Ersetzung von spezialwissenschaftlichen Einrichtungen auch bei Dyskalkulie mit (drohender) seelischer Behinderung ebenso zielführend zusammenarbeiten zu können, bedeuten soll, wenn Sie im Unterschied zum Jugendamt, das seine Behauptung auf Gegenwart und jüngere Vergangenheit bezieht, erst auf die Zukunft weisend („zu erarbeiten und den Schulen zur Verfügung zu stellen“) „Möglichkeiten bennen (können), Kinder mit besonderen Schwierigkeiten beim Erlernen des Rechnens (schulisch) zu fördern“?

Daraus wären zwei Schlussfolgerungen ziehbar: a. das Jugendamt Leipzig lügt hinsichtlich aktueller schulischer Therapiemöglichkeiten, oder b. das Kultusminsiterium resp. Leipziger Schulamt hat dem Jugendamt Leipzig gegenüber in Aussicht gestellt, in nächster Zukunft jeden Fall von Rechenschwäche (auch mit drohender seelischer Behinderung) therapieren zu können. Auch zu dieser Frage haben wir leider bislang keine konkrete Aussage über den Hinweis hinaus erhalten, dass „es dennoch (?!) Fälle geben, bei denen die schulische Förderung an Grenzen stößt, insbesondere dann, wenn weitere Beeinträchtigungen, physische oder psychische Störungen hinzukommen“. Bitte präzisieren Sie dieses „dennoch“ hinsichtlich schulischer „Möglichkeiten“ und Grenzen.


Mit freundlichen Grüßen
Dr. Olaf Steffen
Berlin, den 11.04.2006
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12.04.2006, 18:52
Beitrag: #30
 
Stellungnahme der SPD-Fraktion im Landtag von Mecklenburg Vorpommern


Sehr geehrter Herr Dr. Mantey,

die SPD-Fraktion dankt Ihnen für die Zusendung des Offenen Briefes des Zentrums zur Therapie der Rechenschwäche Leipzig, Halle und Naumburg. Zur inhaltlichen Thematik können wir Ihnen folgendes mitteilen:

Das Phänomen „Rechenschwäche“ wird derzeit begrifflich sehr unterschiedlich gefasst. Das Bildungsministerium sieht in der Rechenstörung eine Beeinträchtigung von Rechenfertigkeiten, die nicht allein durch eine allgemeine Intelligenzminderung oder eine unangemessene Beschulung erklärbar ist.

Auch die wissenschaftlichen Angaben zur Prävalenz von Problemen im Bereich des mathematischen Lernens schwanken stark und verändern sich jährlich. Dies ist u.a. durch die unscharfen begrifflichen Abgrenzungen bedingt. Im o.g. Schreiben wird von einer erfassung des Bildungsministeriums aus dem Jahr 2002/2003 berichtet. Wird von einer Rechenschwäche ohne Bezug zu anderen Leistungen ausgegangen, ist die Angabe von Häufigkeiten willkürlich, da beliebig ein Kriterium festgelegt werden kann, ab wann ein Kind als „rechenschwach“ gelten soll (vgl. Krajewski 2003). So können dies die schwächsten 5% ebenso wie das gesamte untere Leistungsviertel, also 25% sein. Auch die Angaben zur Prävalenz von Dyskalkulie im Sinne der Diskrepanz differieren aufgrund unterschiedlicher Diskrepanzmaße. Lorenz (2004) klassifiziert ca. 6% der Grundschüler als extrem rechenschwach, Klauer (1992) findet in einer repräsentativen Stichprobe eine Prävalenz von 4,4% und von Aster 4,7%.

In kooperativer Zusammenarbeit des Bildungsministeriums mit dem Landesverband für Legasthenie und Dyskalkulie M-V und der Landesarbeitsgruppe Legasthenie/Dyskalkulie trat am 8. September 2005 die Verwaltungsvorschrift „Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen“ in Kraft, obwohl die KMK bisher nur Empfehlungen für die Förderung von Schülern mit Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben (Legasthenie) an allgemeinen Schulen formuliert wurden.
Die Gestaltung des Prozesses der Diagnostik, Beratung und Förderung von Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Rechnen erfolgt in der Regel innerhalb der Snderpädagogischen Förderzentren des Landes. Im Vorfeld Ihrer Tätigkeit wurden die Lehrkräfte der allgemein bildenden Schulen in zweijährigen Fortbildungskursen durch das Landesinstitut für Schule und Ausbildung M V auf die Arbeit mit rechenschwachen Schülern vorbereitet. Alle Fortbildungskurse schlossen mit einem anerkannten Zertifikat ab und werden in Zusammenarbeit mit dem Landesverband für Legasthenie und Dyskalkulie und der Landesarbeitsgruppe für Legasthenie/Dyskalkulie in den nächsten Jahren ausgeweitet und fachlich aktualisiert. Im Rahmen der begleitenden Diagnostik, Beratung und Förderung erhalten die Staatlichen Schulämter ein jährliches Gesamtbudget zur eigenen Verfügung bzw. zur Unterstützung der Arbeit in diesen Bereichen.

Die in o.g. Schreiben erwähnten Vorwürfe können aus diesen Gründen von uns nicht nachvollzogen werden.

Das Angebot außerschulischer Hilfen bei Rechenschwäche ist sehr vielfältig. Da Mathematikleistungen ein schullaufbahnrelevanter Bereich sind, nehmen sehr viele Eltern außerschulische Einrichtungen zur Förderung in Anspruch (vgl. Lorenz 2004) Viele Eltern tragen die Kosten für eine Therapie selbst, Krankenkassen übernehmen keine Kosten, da Dyskalkulie (ebenso wie Legasthenie) als umschriebene Entwicklungsstörung im Internationalen Klassifikationssystem psychischer Störungen aufgenommen ist, aber dennoch im Sinne der Sozialgesetzgebung (SGB V) nicht als Krankheit anerkannt wird.

Ist das Kind durch seine Mathematikprobleme so starken psychischen Belastungen ausgesetzt (Isolation, psychosomatische Erscheinungen, u. ä.), dass eine seelische Behinderung die Folge sein könnte, ermöglicht die derzeitige Rechtslage nach § 35a des SGB VIII jedoch eine Kostenübernahme. In diesem Fall fordert das Jugendamt eine Einschätzung durch einen Arzt oder Psychologen. Wird bescheinigt, dass eine seelische Behinderung droht, besteht Rechtsanspruch auf Kostenübernahme durch das Jugendamt. Jugendhilfeleistungen sind zur schulischen Förderung nicht nur juristisch immer als nachrangig anzusehen.

Die Rechenschwäche ist ein Problem, dass grundsätzlich in der Grundschule angegangen werden muss (vgl. Lorenz 2004 und Koch 2005), wobei die außerschulischen Einrichtungen als stützende Faktoren zwar hinzukommen, die Aufgaben der Grundschule aber nicht übernehmen können.

Weiteren Handlungsbedarf in Bezug auf o.g. Schreiben halten wir für nicht erforderlich.

Mit freundlichen Grüßen

Reinhard Dankert
Parlamentarischer Geschäftsführer
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24.04.2006, 11:16
Beitrag: #31
 
Landratsamt Delitzsch
Der Landrat
Delitzsch, den11.04.2006


Sehr geehrter Herr Dr. Steffen, sehr geehrte Damen und Herren,

den in Ihrem Brief vom 14.03.2006 enthaltenen Vorwurf, das Amt für Jugend und Soziales des Landkreises Delitzsch würde die Betroffenen zu der Annahme von so genannten „Billigangeboten“ bei Dyskalkulietherapien nötigen, weise ich zurück. Selbstverständlich ist der Landkreis Delitzsch bemüht, den Betroffenen, die durch § 35a SGB VIII vorgeschriebene Eingliederungshilfe im notwendigen und geeigneten Umfang zu gewähren, soweit die Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind.

Des Weiteren enthält Ihr Schreiben zahlreiche fachspezifische, nicht einzelfallbezogene Ausführungen zu dem Thema Dyskalkulietherapie. Meines Erachtens sind weder das Amt für Jugend und Soziales noch ich als Behördenleiter verpflichtet, mit Ihnen in einen breiten Diskurs über die unterschiedlichen Aspekte einer Dyskalkulietherapie zu treten. Bei Ihrem Vorbringen fällt besonders aus, dass es sich zumeist gegen einen Ihrer Mitbewerber richtet, der ebenfalls als Unternehmer die Durchführung von Dyskalkulietherapien anbietet.

Ebenso stößt hier auf Befremden, dass Ihre „streng vertraulichen“ Untersuchungsberichte über Ihre Probanden für die Vorlage bei der Krankenkasse, dem Sozialamt und dem Jugendamt sowie den behandelnden Ärzten vorgesehen sind. Die Berichte enden mit einer rechtlichen Empfehlung, die gegen das Rechtsberatungsgesetz verstößt. Unter Beifügung eines Urteils des Oberverwaltungsgerichtes Münster wird, unter optischer Hervorhebung durch Unterstreichen empfohlen, wie sich die vermeintliche Forderung am besten gegen das Amt für Jugend und Soziales durchsetzen lässt. Ich behalte mir vor, diese Verstöße gegen das Rechtsberatungsgesetz der zuständigen Behörde zur Kenntnis zu bringen.

Bei der Entscheidung hinsichtlich der Kostenübernahme für eine Dyskalkulietherapie hat das Amt für Jugend und Soziales den seit dem 01.10.2005 geltenden neu gefassten Absatz 1 a des § 35a SGB VIII zu berücksichtigen. Er verpflichtet den Träger der öffentlichen Jugendhilfe, die dort näher bezeichneten Stellungnahmen einzuholen. Gemäß § 35a Abs. 1a Satz 2 SGB VIII, soll die Hilfe nicht von der Person oder dem Dienst oder der Einrichtung, der die Person angehört, welche die Stellungnahme abgibt, erbracht werden.

Ich versichere Ihnen, dass vom Amt für Jugend und Soziales diese Norm beachtet wird und sich das Amt für Jugend und Soziales selbstverständlich vom Grundsatz des Kindeswohls leiten lässt.

Mit freundlichen Grüßen
Czupalla
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25.04.2006, 07:05
Beitrag: #32
Besuch beim Jugendamt Döbeln im Fall Annett
Am 08.03.2006 war ich zu einem Gespräch beim Jugendamt Döbeln mit dem Amtsleiter Herrn Hanke, Frau Heß und Frau Franz. Folgendes von mir erstelltes Gesprächsprotokoll habe ich zur Bestätigung an das Jugendamt Döbeln und an den Landrat Dr. Graetz geschickt:

Gesprächsprotokoll vom 08.03.2006 im Jugendamt Döbeln mit Herrn Amtsleiter Hanke, Frau Franz und Frau Heß:

Der Beitrag bzw. die Anfrage „Annett“ im ZTR-Forum veranlasste mich beim Jugendamt Döbeln einen Termin zu vereinbaren, um speziell das Thema Rechenschwäche (Dyskalkulie) mit seinen sozial desintegrierenden Folgewirkungen und psychischen Sekundärsymptomen, die zu einer seelischen Behinderung führen können, vorzustellen. Darüber hinaus, zukünftige mögliche Kooperationsfragen berührend, wollte ich den Termin nutzen, um zusammenhängend die Arbeit des Zentrums zur Therapie der Rechenschwäche hinsichtlich diagnostischer und therapeutischer Möglichkeiten und Qualitätsstandards darzustellen. In diesem Zusammenhang unterbreitete ich dem Jugendamt, dass eine Außenstelle des ZTR Leipzig im Muldentalkreis bereits tätig ist und in Riesa ein weiteres Institut geplant sei, was zur Folge haben könnte, dass sich Eltern zukünftig an das Jugendamt wenden, da dieses nach Gesetzeslage (§ 35a SGB VIII) unter bestimmten Voraussetzungen zur Prüfung seiner Leistungseintrittspflicht veranlasst ist.

Meine Frage an das Jugendamt lautete: Wie verhält sich das Jugendamt Döbeln, wenn Eltern betroffener Kinder einen Antrag auf Hilfe zur Erziehung stellen, weil ausgehend von einer Rechenschwäche eine seelische Behinderung drohe?

Das Jugendamt Döbeln hat folgende Stellung dazu bezogen: Das Jugendamt Döbeln habe bei noch keinem rechenschwachen Kind eine seelische Behinderung bzw. die Bedrohung einer seelischen Behinderung feststellen können. Den Eltern würde nur eingeredet, dass ihre Kinder von einer seelischen Behinderung bedroht seien. Sie würden regelrecht zum Jugendamt geschubst werden, um sich die Therapiekosten erstatten zu lassen. Wenn das Jugendamt dann mit den Eltern spräche, würde sich immer herausstellen, dass die Kinder in der Schule und in der Familie voll eingegliedert sind und keine Ausgrenzung stattgefunden habe. Falls Symptome einer seelischen Behinderung vorliegen würden, dann könne das auch ganz andere Ursachen haben. Zu deren Behebung stünden dem Jugendamt dann andere Möglichkeiten als eine Dyskalkulietherapie zur Verfügung. Die privaten Einrichtungen würden damit nur ihren Lebensunterhalt verdienen wollen. Eine drohende seelische Behinderung würde auch kein Psychologe oder Psychiater feststellen können, sondern nur das Jugendamt selbst.
Das Jugendamt Döbeln sei der Meinung, dass Rechenschwäche Sache der Schulen und der Eltern sei. Wenn Schulen dazu nicht in der Lage sind, müsse das eben mit dem Kultusministerium geklärt werden.
Es werde seitens des Jugendamtes Döbeln keine Zusammenarbeit mit einem Rechenschwäche-Institut geben und es glaube auch nicht, dass es diese mit einem anderen Jugendamt gibt.

Daraufhin hat der Landrat, der beim Gespräch nicht anwesend war, geantwortet, dass er sich gegen diese Ausführungen im Protokoll verwahrt. Das Jugendamt würde sich nach Recht richten und ggf. geeignete Maßnahmen einleiten:

„Das Jugendamt wird jeden Einzelfall einer Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche individuell prüfen und eine jeweilige Entscheidung auf der Basis der Erforderlichkeit und Geeignetheit einer Hilfe im Rahmen der gesetzlichen Regelungen treffen.“

Was er unter „geeigneten Maßnahmen“ versteht, hat er nicht gesagt.

Wir verstehen unter geeigneten Maßnahmen bei Dyskalkulie eine Dyskalkulietherapie nach Qualitätskriterien wie im Offenen Brief entwickelt. Uns ist nicht bekannt, dass in Döbeln bislang ein derartiges Angebot besteht. Deshalb haben wir uns auch an das Jugendamt gewandt, um dort die Möglichkeiten und Konzepte des ZTR zu erläutern. Wie im Protokoll erwähnt, besteht beim Jugendamt diesbezüglich wenig Interesse.

Die rechtlichen Grundlagen, an die sich das Jugendamt lt. Landrat hält, sind ebenfalls unter „Offener Brief“, 2. Beitrag von Prof. Kunkel nachzulesen.

Wir raten Ihnen auf eine geeignete Maßnahme zu bestehen und dies ggf. auch vor Gericht vorzutragen.

Regina Glöckner
Leiterin des ZTR Riesa-Döbeln
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02.05.2006, 21:50
Beitrag: #33
 
Ein weiterer Elternbericht, der keinesfalls nur die skandalösen Verhältnisse in Mecklenburg-Vorpommern beschreibt …
Berichte dieser Art, die wir fast täglich erhalten, waren nicht nur der Ausgangspunkt für den „Offenen Brief“. Sondern sie zeigen auch, wie interessiert verharmlosend und vernebelnd die (wenn überhaupt gegebenen) Antworten auf den OB durch einige Jugendämter, Lokalpolitiker, Landesministerien und das Bundesministerium sind, wenn dort von klar gesetzlich geregelten Zuständigkeiten gesprochen wird, und die exekutiv Zuständigen regelmäßig beteuern, in ihrem Zuständigkeitsbereich würden grundsätzlich die gesetzlich vorgesehen und „geeigneten Maßnahmen“ ergriffen.



Hallo,
wir sind eine Familie aus Mecklenburg Vorpommern und können einiges zum Thema Dyskalkulie beitragen. Wir erzählen hier unsere Geschichte und finden es unmöglich, dass es in diesem Land ein Zuständigkeitsgerangel gibt, dass auf den Rücken von Kindern ausgetragen wird, für die Hilfe möglich ist ,aber keiner fühlt sich für die Finanzierung zuständig. In diesem Falle ,,heilt die Zeit nicht alle Wunden´´, sondern verschlimmert die Zukunft der betroffenen Kinder, da ihnen die Chance auf einen guten Ausbildungsplatz genommen wird, wenn sie sich mit einer Rechenschwäche mehr schlecht als recht durch die Schulzeit gemogelt haben. Das Zeugnis wird dementsprechend sein, und da der Arbeitsmarkt ja ach so blüht….werden diese Kinder ganz bestimmt mündige Bürger, die ihren Beitrag zum Bruttosozialprodukt leisten!!!
Es ist Zeit, dass in die Kinder investiert wird, denn diese Kinder sind der Staat von morgen!

Unsere Tochter ist jetzt 10 Jahre alt. Innerhalb der 2. Klasse wurde die Rechenschwäche als Problem erkannt . Die Lehrerin machte uns Ende der 1. Klasse darauf aufmerksam, dass Julia eine Rechenschwäche haben könnte. Wir haben auch Infomaterial von der Lehrerin bekommen .Wir haben uns einen Rechenkasten besorgt, in dem Zehner, Neuner, Achter, usw. farblich einsortiert sind. Das Kind soll durch Legen der Stäbe die Menge erfassen können. Das klappte auch recht gut, zumal Julia diese Stäbe auch in der Schule verwenden konnte. Gleichzeitig entwickelte sie ein eigenes System, bei dem sie in einer affenartigen Geschwindigkeit vorwärts und rückwärts zählen konnte. Aufgaben wir 21-6, 15+3 fielen ihr nicht schwer .WEIL SIE ZÄHLTE!!! Ihre Lehrerin sagte während der 2. Klasse sogar einmal, dass Julia wohl keine Dyskalkulie hätte…. Als aber die Mathe aufgaben immer komplexer wurden (23+18, 66-17,), brach bei unserer Tochter regelmäßig die Buchführung zusammen. Sie konnte diese Zahlenmenge nicht mehr ER-ZÄHLEN, es waren zu viele Zahlen.
Wir haben dann einen Antrag gestellt beim Schulamt zur Erkennung einer Lernbeeinträchtigung im Mathematischen Bereich. Der Fachbegriff DYSKALKULIE wird hier nicht verwendet. Es passierte NICHTS! Uns wurde gesagt, ein Termin kann länger dauern, da die Lehrerin, die dafür zuständig ist, viele Anträge zu bearbeiten hat .Ich betone:
ES GIBT IN NORDWEST-MECKLENBURG EINE LEHRERIN; DIE DIESE LERNBEEINTRÄCHTIGUNGEN DIAGNOSTIZIERT! Eine andere Lehrerin gibt den FÖRDERUNTERRICHT für die betroffenen Kinder , diese sind einmal die Woche in Gruppen zu 8-10 Kindern zusammen. Diese wiederum besuchen verschiedene Klassenstufen. Wie soll dort ein Kind individuell sein Problem lösen? Jeder, der sich mit diesem Thema befasst, lernt, dass es nicht nur ein Symptom gibt, sondern mehrere. Diese kann man nicht in einer Gruppe erfassen und dann auch beheben.
Es dauerte uns zu lange! Unser Kind brauchte Hilfe! Julia weinte und klagte über Bauchschmerzen. Sie wollte nicht mehr zu Schule. Zeitweise sagte sie sogar, sie wolle nicht mehr leben!!!! Ein Kind mit 8 Jahren!! Wir haben einen Termin beim ZTR bekommen zur Diagnostik. Herr Manthey vom ZTR könnte uns gleich sagen, dass es sich bei unserer Tochter um eine Dyskalkulie handelt. Auch wurde genau gesagt und uns in schriftlicher Form mitgeteilt, wie individuell es sich bei Julia bemerkbar macht. Und dann hatten wir eine Menge Spaß mit der deutschen Bürokratie.
20.12.04
Wir haben einen Antrag auf Eingliederungshilfe nach §35a SGB VIII aufgrund einer vorliegenden Dyskalkulie gestellt.
07.02.05
Anhörung beim Jugendamt- uns wurde gesagt, dass dies Sache der Schule sei.
15.02.05
1.Teil der Diagnostizierung zur Feststellung einer Dyskalkulie (Schulamt)
Es wurde ein IQ Test gemacht. Weiterhin bat mich die Lehrerin , dass ich das schon vorhandene Gutachten des ZTR mitbringen möchte.
22.02.05
Überprüfung der mathematischen Fähigkeiten. Das Ergebnis hat uns nicht wirklich aus den Puschen gehauen, da wir ja nun schon wussten, woran wir waren. Es musste aber über das Schulamt gehen, sonst hätte das Jugendamt uns einen Strick daraus drehen können.
Das Jugendamt hat zur keiner Zeit mit dem Schulamt in irgendeiner Weise zusammengearbeitet, sondern die Verantwortung sofort dem Schulamt zugeschoben, ohne Informationen zu haben, was das Beste für das betroffenen Kind wäre.
6.03.05
4-seitigen Widerspruch mit fundierter Begründung an das Jugendamt geschickt.
08.04.05
Einladung zur Anhörung TERMIN 03.06.05
31.5. 05
Ich bin selbst zur Förderschule nach Grevesmühlen gefahren, um den Diagnosebericht bzw. Lernbericht des Schulamtes abzuholen, da das Schulamt es nicht geschafft hat uns diesen zuzusenden (3 MONATE waren seither vergangen).Dieser Bericht war aber wichtig, um dem Jugendamt unsren Willen zu zeigen, dass wir die Diagnose auch von der Schule haben machen lassen, und nicht nur vom ZTR. Wir waren bemüht, die HACKORDNUNG der Bürokratie einzuhalten, denn wir wollten, dass unserem Kind geholfen wird.
03.06.05
Anhörung im Jugendamt. Anwesend war auch Herr Manthey vom ZTR, der der leitenden Sozialarbeiterin des Jugendamtes Grevesmühlen die Tatsachen und Fakten fundiert mitgeteilt hat. Sie selbst meinte, sie könne uns verstehen und wenn es nach ihr gehen würde, dann würde es ja gehen, ABER es ist SACHE DER SCHULE! Das die SCHULE als Institution eine Therapie dieser Kinder, die notwendig ist, nicht leisten kann, können wir als betroffene Familie nur bestätigen, denn Förderunterricht ist keine Therapie! Diese Kinder üben im Förderunterricht etwas , was sie nicht verstehen. Unsere Tochter konnte sich zu diesem Zeitpunkt keine Mengen vorstellen, wie sollte sie später alleine einkaufen gehen? Wie sollte sie die Uhr nutzen können? Ich habe bei der Anhörung verzweifelt beschrieben, dass meine Tochter , in einem Alter ,in dem sie selbständig werden möchte, dies nicht werden kann, da sie Angst hat alleine zum Einkaufen zu gehen. Sie traut sich nicht , Brötchen am Samstagmorgen vom Bäcker zu holen, da sie nicht weiß, wie viel Geld sie geben muss. Geschweige denn, kann sie das Wechselgeld kontrollieren. Was nimmt sie mit für das Leben?
,,Ich kann das nicht! Ich kann ja gar nichts! Ich bin sowieso doof !´´ DAS lernt sie. Das Jugendamt hat diese Zeichen nicht gesehen. Es ist für die Jugendhilfe zuständig, denn Jugendhilfe ist Hilfe zur Selbsthilfe! Bei der Anhörung wurde ich gefragt, ob ich in psychologischer Behandlung wäre, wegen der Belastung. HALLLOOOO, an alle Jugendämter es geht um die KINDER!!! Nicht um die Eltern, die wollen das Geld für die Therapie nicht, um sich ein neues Auto zu kaufen!
14.06.05
Die Sozialarbeiterin war bei uns zu Hause, um sich ein Bild von unserer Tochter machen zu können. Sie fragte Julia, wie es ihr geht und was sie so macht. Fragte nach Freunden und wie sie denn weiß, wann sie nach Hause kommen soll, wenn sie die Uhr nicht versteht. Meine Tochter sagte, sie sagt den Eltern , sie möchten ihr bitte Bescheid sagen, wenn es 18.00 Uhr ist. Ich sagte darauf, dass ich auch immer dort anrufe, wo meine Tochter ist. Die gute Dame war 50 Minuten bei uns und meinte sie wolle ein Gutachten erstellen lassen von der Schulärztin. So weit so gut.
Im Nachhinein muss ich zu diesem Zeitpunkt sagen, dass das Jugendamt uns nur hingehalten hat, denn sie hatten zu keiner Zeit die Absicht auch nur einen Cent für unsere Tochter für diese Therapie locker zu machen. Das es so ist, werden alle die verstehen , die jetzt bitte noch weiter lesen! Denn es wird noch kurios.
Bei dem Besuch der Jugendamtsmitarbeiterin haben wir ein Formular unterschrieben, auf dem wir die zuständige Schulärztin von Ihrer Schweigepflicht gegenüber dem Jugendamt entbinden. Die Schulärztin war somit die vom Jugendamt beauftragte Gutachterin, die unserer Kind untersuchen sollte. Das Jugendamt beantragte also ein Gutachten! Was ja auch das gute Recht war. Diese Schulärztin hatte meine Tochter schon kurz untersucht, und zwar für den Antrag zur Diagnose einer Lernbeeinträchtigung im mathematischen Bereich, wir erinnern uns: der Antrag ging am 31.08.04 raus.!!! Also fast vor einem JAHR!!!!
24.06.05.
Die Schulärztin rief an! Sie meinte, sie würde ein Gutachten erstellen und wir sollen uns mit der Schulpsychologin in Verbindung setzen.

Die Schulpsychologin rief an und wir sollten ihr alle Unterlagen, auch die vom ZTR zukommen lassen. Wir schickten alles ins Schulamt. Anmerkung: Der Diagnosebericht, der von dem Schulamt erstellt wurde, hat anscheinend nach Fertigstellung das Schulamt nie erreicht. Denn ich habe , wie schon erwähnt, den Bericht abgeholt und zwar von der Förderschule ,,Unter den Linden ´´in Grevesmühlen. Einen rechtskräftigen Bescheid, der dem Antrag folgt, haben wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht erhalten.
Das Schulamt hat uns hier komplett im Regen stehen lassen, denn diese Aktion mit der Schulpsychologin sollte ja für das Verfahren beim Jugendamt helfen. Wir liefen ja zur Zeit zweigleisig. Wir haben den normalen, uns aufgezwungenen Weg über das Schulamt genommen, gleichzeitig aber auch den Antrag für die Finanzierung der Therapie verfolgt.
Um beim Jugendamt weiter zu punkten, brauchten wir nicht nur den Diagnosebericht, dessen Ergebnis ja nun in doppelter Ausführung bekannt war, sondern auch einen Bescheid vom Schulamt, was denn nun von schulischer Seite passiert.
Von der schulischen Seite passierte erstmal NICHTS.

Nachdem wir alle Unterlagen an die Schulpsychologin geschickt hatten, rief sie uns an, und meinte, sie wüsste gar nicht, was das Jugendamt denn eigentlich von ihr wolle.( HAHAHA Anm. d, Redaktion).Das Jugendamt solle sich doch direkt an sie wenden und nicht erst an die Schulärztin. Die Psychologin meinte, sie würde Julia nicht noch mal testen, denn es liegen schon 2 Gutachten vor und sie möchte es dem Kind nicht noch ein weiteres Mal zumuten.
Sie sagte auch, das sie mit der Dame vom Jugendamt gesprochen hat, die wohl sagte, dass es KEINE Kostenübernahme gibt. Und jetzt kommt der CLOU: Warum hat das Jugendamt ein Gutachten in Auftrag gegeben? Zu diesem Zeitpunkt haben wir bei Frau Karsten-Schäfer
(Schulärztin) noch keinen Termin für die Untersuchung/Vorstellung unserer Tochter (um die es hier geht!!!!) vereinbart, bzw. von der Schulärztin in irgendeiner Weise eine Nachricht erhalten. Sie war doch vom Jugendamt beauftragt ein Gutachten zu erstellen???? ODER???
Hiermit bestätigt sich meine Annahme , dass auf Kosten unserer Tochter auf Zeit gespielt wird.
Die Psychologin machte uns den Vorschlag bei dem Schulrat ein Antrag auf Einzelförderung zu stellen.

Wir hatten keinen Bescheid vom Schulamt und keinen Termin für das vom Jugendamt beantragte Gutachten. UND das nach fast 1 JAHR, in dem unsere Tochter jeden Tag mit Bauchschmerzen in die Schule ging, fast jeden Abend geweint hat , die Schularbeiten täglich zur Tortur wurden, unsere Nerven in den Seilen hingen und wir jeden Tag Motivation auf´s Neue definieren mussten!

Eine Woche später:
Ich rief bei der Schulärztin an, was denn nun mit dem Gutachten sei. Zunächst wurde mir gesagt, die Dame wäre in Urlaub. Schön, vergeht noch eine Woche. Ich rief beim Jugendamt an, ob ich denn nun einen Termin bekomme oder wie es jetzt läuft.
Da wurde mir gesagt, und jetzt haltet Euch fest, die Schulärztin hätte was geschrieben.
Es wurde etwas über unsere Tochter bezüglich, ja was auch immer geschrieben, ohne das sie zugegen war.
Der Antrag sollte abgelehnt werden.
Ich sagte, dass kann ja wohl nicht sein, die Schulärztin hat meine Tochter doch speziell auf die Drohung einer seelischen Behinderung gar nicht untersucht oder angeschaut. Die Sozialarbeiterin gab mir zu verstehen, dass doch die Schulpsychologin ihr am Telefon gesagt hätte, dass bei einem Antrag auf Einzelförderung beim Schulrat die Möglichkeit einer Kostenübernahme durch das SCHULAMT möglich wäre: Uns wurde dieses so persönlich nie gesagt. Welches Märchen ist das, in dem das Schulamt ein außerschulisches Institut (ZTR)
für eine Therapie bezahlt, weil es selbst nicht in der Lage ist, diesen Kindern zu helfen.

Nun wollten wir wissen, was denn nun in diesem Gutachten der Schulärztin steht. Ich rief erneut an und hatte Glück, sie zu erwischen. Sie fiel aus allen Wolken, als sie von der Ablehnung des Jugendamtes hörte und sagte mir die Zusendung einer Kopie des Gutachtens zu.
Die Schulärztin stellt fest, dass Julia regelmäßige Bauchschmerzen zeigt, einem enormen
Leistungsdruck ausgesetzt ist und es bahnt sich eine sekundäre Neurotisierung an. Diese Symptome haben wir Frau Karsten-Schäfer natürlich schon bei der ersten Untersuchung gesagt, worauf sie natürlich keine weitere Untersuchung für nötig befand. Sie schlug eine Einzelförderung vor und auch das in gegebenen Fall eine Kostenübernahme stattfinden sollte.

Auf eine drohende seelische Behinderung wurde unsere Tochter von niemandem untersucht. Das Jugendamt hat sich das Recht herausgenommen, eine medizinische Diagnose zu stellen, und sich zu Nutzen zu machen, Denn in der Begründung der Ablehnung steht ,,Julia hat aus Sicht des Fachdienstes Jugend, Familie und Soziales des Landkreises Nordwest-Mecklenburg durch die schulische Problematik im Fach Mathematik keine seelische Behinderung und ist auch von keiner seelischen Behinderung bedroht. Die Teilnahme am gesellschaftlichem Leben( Eingliederung in die Gesellschaft) ist nicht erschwert.´´( Zitat aus Begründung der Ablehnung ).Weiterhin heißt es, Von schwerwiegenden Integrationsproblemen
wie zum Beispiel einer Schulphobie oder ähnlichem in Zukunft kann nicht gesprochen werden.´´(Zitat aus Begründung der Ablehnung).

WER BEURTEILT DAS ? Es gibt kein psychologisches Gutachten , welches in irgendeiner Weise den seelischen Zustand unserer Tochter dokumentiert. Wie können Mitarbeiter davon sprechen, dass in Zukunft, meiner Tochter auf Grund ihrer Dyskalkulie kein erschwertes Leben bevorsteht? Die Mitarbeiterin war 50 Minuten bei uns und hat vielleicht 3-5 Fragen an Julia gestellt.

Da uns ja vorgeschlagen wurde, einen Antrag beim Schulrat zu stellen, sind wir dieser Fährte ja auch nachgegangen. Wir haben ein Fax an das Bildungsministerium geschickt, um der Frage nachzugehen, wie es sich mit der Kostenübernahme einer Einzelförderung verhält. Weiter hin haben wir uns darüber beschwert, dass wir immer noch ( 25.07.2005) keinen Bescheid vom zuständigen Schulamt (Schwerin) bekommen haben, was denn nun von schulischer Seite passiert.

Mittlerweile waren Sommerferien und ich rief bei der Förderschule an, in der der Diagnosetest von schulischer Seite aus, gemacht wurde. Im Sekretariat sagte man mir , ach der liegt noch hier und sie hätten soviel zu tun . Sie würden ihn nun fertig stellen und abschicken. Ich fragte, ob die Eltern den Bescheid bekommen oder die Grundschule. Die Schule bekommt den Bescheid, was nicht so einfach ist, da Ferien waren. Der Briefkasten unserer kleinen Dorfschule wurde in den Ferien bestimmt nicht jeden Tag geleert, so dass ich die Ferien abwarten musste, bis ich Bescheid wusste, was von schulischer Seite denn nun passiert.

Die Ferien 2005 waren beendet und wir erhielten die Entscheidung des staatlichen Schulamtes.
Dieser Bescheid ist unterteilt in
1.Kurzdarstellung der Untersuchungsergebnisse,
2.Empfehlung des Förderausschusses,
3.Entscheidung des staatlichen Schulamtes.
Beim ersten steht uns allen Bekanntes. Beim Zweiten steht ,dass die Dyskalkulie unserer Tochter anerkannt ist. Und beim dritten steht ……NICHTS!!!!!!!!!!!
Eltern und besonders Schüler mit Dyskalkulie können vom staatlichen Schulamt Mecklenburg- Vorpommern absolut keine Hilfe erwarten. Es passiert nichts.
Aufgrund des Fax’ an das Bildungsministerium bekamen wir Antwort von einem Herrn Nickel, der uns zusagte, dass unsere Tochter einmal die Woche in Carlow Einzelförderung erhalten sollte und das nach seiner Rücksprache mit dem Schulamt. Wir wissen bis heute (02.05.2006) davon nichts, Die Grundschule unserer Tochter weiß bis heute nichts. Und sollte dafür ein Antragsformular geben, dann ist es verdammt noch mal nicht meine Pflicht dieses zu suchen, zu beantragen oder zu erfinden. Das Schulamt hat komplett versagt. Wir hätten als Eltern bei der Zusendung dieser Entscheidung des Schulamtes irgendwas in die Hand bekommen müssen, damit wir und die Schule mit HILFE des Schulamtes unseren Kindern mit Dyskalkulie helfen können.
Diese Entscheidung des Schulamtes wurde am 05.07.05 unterschrieben. Und zwar von dem
Schulrat, bei dem wir ja angeblich eine Einzelförderung beantragen hätten können. Warum steht so etwas da nicht drin.? Warum werden den Eltern die Möglichkeiten nicht gesagt, wenn es denn welche gibt? Aber nach unseren Erfahrungen gibt es für die betroffenen Kinder von schulischer Seite her keine sinnvolle Möglichkeit , um die Rechenschwäche behandeln zu können.

Wir haben unsere Tochter dann beim ZTR angemeldet, wo sie zur Zeit, schon mit einigen Fortschritten therapiert wird. Es geht ihr damit gut. Es geht uns damit gut. Und wir haben den Landkreis NWM auf Kostenerstattung der Therapie verklagt. Auch dieser Weg ist mühsam, denn auch ein Verwaltungsgericht arbeitet nicht zu Gunsten der Zeit unsrer Kinder, aber es ist ein Weg. Unfair an der ganzen Sache ist, das von den Jugendämtern nicht gesehen wird, das das Geld welches heute in die Kinder investiert wird, morgen an Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld, gespart werden kann. Diese Therapie ist teuer, aber sie hilft den Kindern. Und wir wissen, wovon wir sprechen! Es ist eine Investition in die Kinder und deren Zukunft. Ein guter Abschluss ist heute wichtig. Warum wird den Kindern, die noch lernen wollen, das Lernen so schwer gemacht? Und zwar so lange bis sie nicht mehr wollen und kein BOCK haben. Dann muss auch das Jugendamt ran, weil dann die Eltern vielleicht Hilfe brauchen…..Was Dann?? Und was machen die Familien, die sich diese Therapie nicht leisten können? Gibt es nicht im Grundgesetz ein Recht auf Bildung?

Was noch wichtig ist: Da Dyskalkulie von der Zensierung nicht ausgenommen ist, was auch zeigt wie weit das Verständnis der Schulämter zu diesem Thema ist, sprecht mit den Lehrern, damit die 5 oder 6 nicht so groß ins Heft geschrieben wird. Unsere Lehrerin schreibt klein: Entspricht der Note 5. Für die Psyche der Kinder kann das sehr hilfreich sein.

Alles Gute ! Familie D.
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02.05.2006, 22:59
Beitrag: #34
 
Ein weiterer Elternbericht, der die täglich wachsenden Kompetenzen der sächsischen Schulfördermöglichkeiten in Sachen Dyskalkulie deutlich aufzeigt. Aus: Forum zur Dyskalkulie - 1. Mannheimer Elterninitiative zur Förderung von rechenschwachen Kindern e.V.


Wir sind Eltern einer vermutlich rechenschwachen Tochter und suchen bereits seit 2 Jahren nach einer Lösung für sie, da wir den Eindruck haben, dass sie mit Mathematik völlig überfordert ist. Sie ist überhaupt ein sehr ruhiges Kind und sehr verträumt und langsam. Sie hatte schon zu Beginn der ersten Klasse massive Probleme in der Schule - sowohl in Mathe als auch in Deutsch .Die Probleme in Deutsch sind durch sehr konsequente Einzelschulung in der Grundschule durch eine engagierte Lehrerin wesentlich verbessert. Sie liest jetzt sehr gut, fängt aber neuerdings an, in Rechtschreibung nachzulassen, sie ist einfach sehr sprunghaft. In Mathe allerdings hat sie inzwischen nur noch 6er oder 5er höchstens mal eine 4, wo sie von uns dann gar sehr gelobt wird und wir uns echt freuen, dass sie das überhaupt geschafft hat. Ich mache mit ihr die Hausaufgaben und übe auch gelegentlich, wenn noch Zeit ist, oft ist sie damit überfordert. Ich kann bei ihr einen Fortschritt nicht erkennen. Ein Test, der durch eine "weitergebildete Lehrerin" in Rechenschwäche gemacht wurde .verlief bei ihr positiv, also Rechenschwäche. Als Lösung gab es nur häuslichen Fleiß evtl. Nachhilfe. In der Schule darf sie zwar noch die Rechenwürfel benutzen, selbst bei Arbeiten, aber die Zeit reicht ihr nicht aus. Ein Teil der Aufgaben ist sogar richtig. Oft vertauscht sie die Ergebnisse. Selbst bei den Malreihen versagt sie jämmerlich, obwohl sie sie auswendig lernen könnte, und auch hat. Aber alles ist schon wieder weg. Gedichte z.B. merkt sie sich sehr gut. Das nächste Zentrum für Rechenschwäche ist bei uns in Dresden(2,5 Std) reiner Fahrtweg (eine Strecke)! Ich weiß auch nicht wie es weitergehen soll, vor allem in der Schule. Ich würde sie gern auf eine Förderschule geben, die Lehrer plädieren eher für eine freiwillige Wiederholung (inzwischen ist sie so schlecht das sie vermutlich eh wiederholen muss) und unsere Verwandten und Bekannten sind der Meinung ich übe nicht genug mit ihr und ich sei somit Schuld, jedenfalls komme ich mir so vor. Nathalie ,sie heißt zufällig auch so, besucht nun die 2.Klasse und zählt noch jede einzelne Zahl einer Aufgabe an den Fingern ab, noch ehe sie überhaupt rechnet. Nur über die Finger kann sie eine Zahl vorstellen. Das Rechnen klappt somit nicht, weil sie dann bereits die erste Zahl wieder vergessen hat. Wie kann der Alltag für sie aussehen in Bezug auf die Schule. Muss ich beim Kultus etwas beantragen, dass sie weiter in ihrer Klasse bleiben kann und in Mathematik speziell gefördert wird (ich meine nicht außerschulisch, da kommt sowieso etwas auf sie zu das ist mir klar),aber sie kommt ja einfach nicht mit in Mathe. Sie ist da völlig apathisch und es geht nur mit persönlichem Zuspruch das sie überhaupt anfängt eine Aufgabe zu "rechnen". Ich bin völlig am Ende und ich glaube Nathalie auch. Ich bin oft so genervt das ich bestimmt ungerecht zu ihr bin obwohl ich das nicht will. Sie fängt dann gleich an zu weinen und für mich ist das dann der Schlusspunkt einer Hausaufgabe. Könnt Ihr uns helfen? Ich würde mich sehr über Antwort freuen. Wir hatten das Problem übrigens vor 5 Jahren schon einmal mit unserer großen Tochter aber nicht so extrem ,sie geht inzwischen in die 6.Klasse und hält sich tapfer bei einer 3. Wir sahen damals eine Reportage bei stern tv die uns sehr beeindruckt hat aber leider finde ich nichts mehr dazu im Internet. Damals bekamen wir nur blöde Sprüche von überall her selbst von den Lehrerinnen von wegen ich sei überfordert und so. Aber das war eine andere Schule.
Übrigens eine Rückversetzung ist nicht so einfach, da es unsere Schule nicht mehr gibt und die nächst jüngere Klassenstufe in eine andere Schule geht und würde sie zurückversetzt müsste sie entweder mit in die andere Schule wechseln wo die Kinder ihres Ortes gehen oder aber in die bisherige Schule in die jüngere Klassenstufe wo nur Kinder zweier anderer Orte gehen und sie die einzige wäre aus unserem Ort! Das gebe für uns ein riesen Transportproblem außerdem.
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03.05.2006, 20:24
Beitrag: #35
 
Sächsischer Landtag
Ausschuss für Schule und Sport
Der Vorsitzende
25.04.2006



...
Ich habe dieses Schreiben mit dem Offenen Brief des Zentrums zur Therapie der Rechenschwäche ... sowie den weiteren Anlagen in Kopie den Obleuten und Beratern der einzelnen Fraktionen des Ausschusses für Schule und Sport zur Kenntnis gegeben.

Es liegt in der Entscheidung der Mitglieder des Ausschusses bzw. der Fraktionen, in welcher Weise sie Ihre Darlegungen zur Problematik behandeln.
...
Lars Rohwer
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03.05.2006, 21:17
Beitrag: #36
 
Sachsen-Anhalt
Ministerium für Gesundheit und Soziales
28.04.2006


...
vielen Dank für Ihr Schreiben vom 12.12.2005, mit dem Sie an den bisherigen Minister für Gesundheit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt einen offenen Brief der Zentren zur Therapie der Rechenschwäche Halle-Leipzig-Naumburg-Erfurt übersandten. Dieser offene Brief wurde gleichzeitig auch Herrn Kultusminister Olbertz zugesandt. Dieser hat darum gebeten, Ihnen auch in seinem Namen zu antworten.
In Ihrem Brief beschreiben Sie Probleme im Zusammenhang mit der Kostenübernahme von Therapien für Kinder mit Schwierigkeiten im Rechnen durch Jugendämter. Diese würde regelmäßig Leistungen nach § 35a SGB VIII zur Therapie der Rechenschwäche verweigern. Ihrer Meinung nach führt die Rechenschwäche zu einer seelischen Behinderung und somit auch zu verminderten Teilhabemöglichkeiten der Kinder oder Jugendlichen, wenn diese nicht therapiert wird.
Es kann aber nicht davon ausgegangen werden, dass jede Schwierigkeit im Rechnen eine Dyskalkulie darstellt. Auch führt diese nicht zwangsläufig zu einer seelischen Behinderung. Frühzeitiges Erkennen von Rechenschwierigkeiten kann auch mit schulischen Fördermaßnahmen zu einer Besserung der Schwächen führen und somit dem Kind oder Jugendlichen Teilhabe ermöglichen.
§ 35a SGB VIII regelt eindeutig ...
Weiterhin bestimmt § 10 SGB VIII ...
Die Jugendämter sind verpflichtet, die gesetzlichen Vorgaben des SGB VIII umzusetzen und nach meinem Kenntnisstand tun sie dies auch. Dass es Probleme hinsichtlich des Anbietens von solchen Therapien und deren Kostenübernahme durch die Jugendämter in Größenordnungen gibt, ist mir bisher weder von Jugendämtern n och von betroffenen Eltern mitgeteilt worden.
Rechenschwäche oder Dyskalkulie mit einer seelischen Behinderung gleichzusetzen ist nicht sachgerecht. ... § 35a Abs. 1a SGB VIII ... Die konsequente Anwendung dieser Vorschrift mag den Betroffenen ungerechtfertigt erscheinen, wenn gewünschte Leistungen nicht gewährt werden, stellt aber sicher, dass gerade diejenigen, die dieser Hilfen bedürfen, diese auch bekommen.
Schwierigkeiten im Rechnen bei Kindern und Jugendlichen zu erkennen, obliegt zunächst den Lehrkräften an den Schulen. Hierfür existieren gezielte Förderangebote in den Schulen, die vom Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt per Erlass, Verordnung o.ä. geregelt sind. Die Förderangebote sind auch deshalb möglich, weil das Kultusministerium den Lehrenden entsprechende Fortbildungsangebote unterbreitet, um sich gezielt der Förderung rechenschwacher Kinder zu widmen.
Im § 1 des Schulgesetzes des Landes Sachsen-Anhalt ist der Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule festgelegt. Im § 1 Abs. 3 wird hervorgehoben, dass Schule die Pflicht hat, auf die individuellen Lernvoraussetzungen und Lernbedürfnisse der Schülerinnen du Schüler einzugehen, und bei Bedarf zusätzlich zu fördern hat. Somit haben alle Schulformen die Möglichkeit, entsprechende Angebote zur Förderung zu unterbreiten. Insbesondere wären hier zu nennen Förderkurse in Grundschulen auf der Grundlage des pauschalisierten Zusatzbedarfes, Förderangebote im Rahmen der schulergänzenden Angebote an Grund- und Sekundarschulen, ambulante Förderkurse im Zusammenwirken von Grund- und Förderschulen, die Verpflichtung zur Erstellung von Förderplanungen und der Nachweis der Ergebnisse in der Förderung. In verschiedenen Erlassen sind Regelungen für Schülerinnen und Schüler mit Lernbesonderheiten getroffen worden, um neben den Förderangeboten auch Maßnahmen zum Nachteilsausgleich vorzuhalten. Damit Lehrkräfte aller Schulformen auf individuelle Lernvoraussetzungen und Lernbedürfnisse eingehen können, wird seit mehr als 15 Jahren im Rahmen der Lehrerfort- und –weiterbildung die Thematik „Kinder mit Teilleistungsstörungen“, „Schülerinnen und Schüler mit Rechenschwierigkeiten“ u.a.m. angeboten.
Wenn Lehrkräfte auf Schwierigkeiten im Rechnen bei Kindern aufmerksam werden, so werden sie zunächst versuchen, das genaue Problem zu erkennen und die Ursachen dafür zu finden. Darauf aufbauend werden i.d.R. Förderangebotentwickelt und mit den Eltern abgestimmt. Im Schulbereich sind an Förderschulen Lehrkräfte tätig, deren Aufgabe es ist, mit ambulanten und mobilen Angeboten über die Möglichkeiten der allgemeinen Schule hinaus, spezifische Förderangebote auf der Grundlage einer pädagogischen Diagnostik zu unterbreiten. Erst, wenn es Schule nicht gelingt, mit ihren Möglichkeiten den Lernanschluss herzustellen und das festgestellte Problem zu überwinden, wird nach weiteren Angeboten zur Förderung gesucht.
Die Schulen, Jugend- und Sozialämter arbeiten auf der Grundlage von Sozialgesetzbuch, Schulgesetz und weiteren Regelungen in Verordnungen und Erlassen eng zusammen. Ein besonderes Aufgabenfeld bilden dabei gerade die schulischen Lernprobleme, weil daraus auch soziale Probleme erwachsen können, denen es frühzeitig zu begegnen gilt. Besonders hervorzuheben ist noch, dass das Land Sachsen-Anhalt im Zusammenhang mit der Entwicklung von Förderzentren auf die Vernetzung der Förderangebote in den verschiedensten Schulformen setzt und die Zusammenarbeit mit den Jugendämtern intensiviert, um das Recht und die Möglichleiten zur Förderung sukzessive qualitativ zu verbessern. Zutreffend ist Ihre Einschätzung, dass schulische Angebote nicht für jedes Kind ausreichend sind. Es ist jedoch der These entgegen zu treten, Kompetenzen der Schule seien allenfalls im präventiven Bereich gegeben. Dies ist zu pauschal und für Sachsen-Anhalt angesichts der genannten Förderangebote nicht zutreffend.
Auch eine generelle Abwehrhaltung der Jugendämter kann für Sachsen-Anhalt – soweit dies ohne Einzelfallanalyse möglich ist – mangels entsprechender Hinweise betroffener Eltern nicht bestätigt werden.
Mit der Änderung des SGB VIII, durch die der § 35a weiter konkretisiert wurde, ist die gesetzliche Grundlage für die Gewährung von Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche auch für die Zukunft gesichert worden. Somit haben die Betroffenen auch weiterhin die Möglichkeit der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Diesen gesetzlichen Auftrag werden die Jugendämter des Landes Sachsen-Anhalt mit großer Sorgfalt und hohem fachlichen Können erfüllen.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
Dr. Schunke
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08.05.2006, 19:57
Beitrag: #37
 
Landratsamt Delitzsch
Der Landrat



Sehr geehrter Herr Czupalla,

Ihr Schreiben vom 11.04.2006 zeugt von einem ausgesprochenen Desinteresse gegenüber der vom ZTR zur wissenschaftlichen Diskussion gestellten Frage, welche Qualitätskriterien für eine effektive resp. erfolgreiche Dyskalkulietherapie erfüllt sein müssen.

„Meines Erachtens sind weder das Amt für Jugend und Soziales noch ich als Behördenleiter verpflichtet, mit Ihnen in einen breiten Diskurs über die unterschiedlichen Aspekte einer Dyskalkulietherapie zu treten.“

Richtig, verpflichtet sind Sie nicht (hoffentlich legen Sie mir das nicht schon wieder als Rechtsberatung aus). Es stellt sich sodann allerdings die Frage, warum Sie überhaupt antworten, oder? Eine fachliche Diskussion mit den Zuständigen im Jugendamt hätte uns allemal gereicht.

Da wir im Rahmen des Offenen Briefes zum Umgang von Jugendämtern mit Dyskalkulie bei (drohender) seelischer Behinderung (§ 35a SGB VIII) auch Ihrem Jugendamt den Vorwurf nicht ersparen konnten, rein aus Kostengründen die erforderlichen Qualitätsmaßstäbe zu unterlaufen, ist es umso verwunderlicher, wenn Sie auch dieses gleich von der Beschäftigung mit den aufgeworfenen Fragen (mit-) entbinden, von deren Beantwortung es doch immerhin abhängt, ob Kinder eine geeignete Maßnahme erhalten, oder – bei ungeeigneter Hilfe – in Schule, Beruf und Leben scheitern. Zumindest nach meinem Verständnis handelt es sich dabei um eine zentrale Fragestellung der Kinder- und Jugendpolitik. Wie gesagt: Eine fachliche Diskussion mit den Zuständigen im Jugendamt hätte uns allemal gereicht.

Anscheinend denken Sie aber die genannten sachlichen Zusammenhänge bloß in den rechtlichen Kategorien von „Verpflichtung“ und „Verstoߓ, so dass Sie demjenigen, der sich erdreistet, mit sachlichen Argumenten und wissenschaftlichen Artikeln Einwände gegen die Entscheidungspolitik Ihres Jugendamtes vorzutragen, sogleich mal kurzerhand mit Gewalt drohen.

„“Unter Beifügung eines Urteils des Oberverwaltungsgerichtes Münster wird, unter optischer Hervorhebung durch Unterstreichen empfohlen, wie sich die vermeintliche Forderung am besten gegen das Amt für Jugend und Soziales durchsetzen lässt. Ich behalte mir vor, diese Verstöße gegen das Rechtsberatungsgesetz der zuständigen Behörde zur Kenntnis zu bringen.“

Dazu 1: Es handelt sich nicht um das Urteil des OVG Münster, sondern um eines des Sächsischen OVG zu Bautzen. Da – wie jeder, der sich mit der Materie beschäftigt, weiß - die von Ihnen angesprochene Urteilspassage sehr wichtig ist, zitiere ich Sie hier gleich nochmals:

„Soweit der Antragsgegner (Jugendamt) insofern auf § 35a Abs. 1 Satz 2 SchulG verweist, dürften dessen Voraussetzungen mit hinreichender Wahrscheinlichkeit hier nicht vorliegen. Demnach orientiert sich die Ausgestaltung des Unterrichts zwar an den individuellen Lern- und Entwicklungsvoraussetzungen der Schüler, wobei gemäß Satz 2 ausdrücklich auch Teilleistungsschwächen Rechnung zu tragen ist. Es ist daher grundsätzlich von der Schule zu erwarten, dass sie ihrem vorrangigem Auftrag nachkommt, auch durch besondere, individuelle Fördermaßnahmen Hilfe zu leisten, wenn dies erforderlich ist. Die Grenze dieser Verantwortlichkeit ist jedoch grundsätzlich dort zu ziehen, wo der Schüler – wie hier – von einer seelischen Behinderung bedroht ist. (…). Denn dann lässt sich die Teilleistungsschwäche in der Regel nicht mehr mit Mitteln schulischer Förderung behandeln, so dass eine weitergehende Therapie erforderlich ist. Dies zeigt sich hier insbesondere auch dadurch, dass der der Antragstellerin in der Vergangenheit erteilte Förderunterricht erfolglos geblieben ist. Vorliegend ist vom Antragsgegner auch nicht substanziiert dargetan worden, dass die Schule der Antragstellerin über das entsprechende psychotherapeutisch ausgebildete Personal verfügt, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Soweit der Antragsgegner in seiner Beschwerdebegründung eine Überprüfung des mathematischen Förderbedarfs voraussetzt, gibt er zu erkennen, dass er diese Problematik schon nicht erkannt hat. Denn das Problem der Antragstellerin liegt eben nicht nur im mathematischen, sondern zudem im psychischen Bereich.“ (Az.: 5 BS 192/05, S.5)

Dazu 2.: Wir haben buchstabengetreu ein Gerichtsurteil zitiert und hinsichtlich der Interpretation des § 35a für wichtig erachtete Passagen markiert, auf die wir uns dann im weiteren Verlauf der Argumentation im Offenen Brief immer wieder beziehen. Seit wann ist Zitieren Rechtsberatung? Seit wann stellen Texte von Gerichtsurteilen im Anhang von Gutachten Empfehlungen dar, „wie sich … vermeintliche Forderungen am besten gegen das Amt … durchsetzen“ lassen?! Wollen Sie jetzt auch die Richter wegen Rechtsberatung verklagen, weil sie ein Urteil gefällt haben, das Ihnen offensichtlich nicht passt („vermeintliche Forderungen gegen das Amt“).

Dazu 3: Jugendämter sind exekutive Einrichtungen des Staates, die Gesetze nicht zu interpretieren, sondern umzusetzen haben i.S. der kinder- und jugendpolitischen Zielsetzungen, die der Gesetzgeber mit ihnen verfolgt. Bei Ihnen scheint es immer auf die eigene Interessenlage anzukommen, wann sie Gesetze mal zum Klagen gegen Störenfriede nützlich finden, und wann sie Gesetze und Gerichtsurteile mal als gegen Ihr Amt gerichtete „vermeintliche Forderungen“ interpretieren.

Dazu 4.: Nach Ihren eigenen Kriterien dürfte es sich bei nachfolgend zitierter Passage aus Ihrem Schreiben wohl um Rechtsberatung handeln, oder? Durch Ihre Auswahl und Pointierung könnte nämlich der Verdacht entstehen, dass Sie Ihrem Jugendamt empfehlen, wie sich die neue Gesetzeslage am besten nutzen ließe, um vermeintliche Forderungen gegen das Amt kurzerhand abzustellen.

„Bei der Entscheidung der Kostenübernahme für eine Dyskalkulietherapie hat das Amt … den seit dem 01.10.2005 geltenden neugefassten Absatz 1 a des § 35a SGB VIII zu berücksichtigen. Er verpflichtet den Träger der öffentlichen Jugendhilfe, die dort näher bezeichneten Stellungnahmen einzuholen. Gemäß § 35a Abs. 1a Satz 2 SGB VIII soll die Hilfe nicht von der Person oder dem Dienst oder der Einrichtung, der die Person angehört, welche die Stellungnahme abgibt, erbracht werden.“

Wir verstehen Sie doch richtig, wenn wir das als Hinweis Ihrerseits an Ihr Jugendamt deuten, diese Gesetzesänderung zukünftig gegen das ZTR zu nutzen, oder? Allerdings muss ich Sie enttäuschen. Ihr Amt hat auch bislang noch nie auf Basis eines Gutachtens des ZTR eine Genehmigung ausgesprochen. Dazu wurden stets – wie es gesetzlich geregelt ist – zusätzliche Untersuchungen und Berichte angefordert. Oder verstehen wir Sie falsch? Handelt es sich bei dem Hinweis auf die (real nicht) geänderte Gesetzeslage womöglich um eine Kritik an Ihrem Amt? Denn auch uns ist zu Ohren gekommen, dass Ihr Amt es mit der von Ihnen zitierten Gesetzesvorschrift gar nicht mehr so genau nimmt, seit man auf einen Nachhilfe-Billiganbieter orientiert.

Aber das bestreiten Sie dann mit Sicherheit auch wieder, wie Sie ja auch jetzt schon bestreiten, dass Ihr Amt Eltern betroffener Kinder zur Annahme von Billigangeboten zu nötigen versucht.

„ … den in Ihrem Brief vom 14.03.2006 enthaltenen Vorwurf, das Amt für Jugend und Soziales … würde die Betroffenen zu der Annahme von so genannten >Billigangeboten< bei Dyskalkulietherapien nötigen, weise ich zurück.“

Sind Sie sich eigentlich sicher, denn langsam wird es peinlich, dass Ihr Jugendamt Sie stets wahrheitsgemäß unterrichtet. Ich zitiere aus einem Bescheid vom 05.07.2005:

„“Für (Name des Kindes) ist die Kostenübernahme einer Dyskalkulietherapie im Studienkreis Eilenburg zu gewähren. Hierbei spielen die sehr unterschiedlichen Kosten zwischen den beiden Anbietern einer Dyskalkulietherapie eine wesentliche Rolle. Laut Vertragsangebot wird vom Studienkreis Eilenburg für eine Therapieeinheit 18,33 € berechnet, vom ZTR Leipzig werden hingegen für eine Leistungsstunde 55,45 € verlangt … Daran ändert auch die Unterbringung von (Name) durch die Eltern in einer Dyskalkulietherapie im ZTR seit November 2004 nichts.“

Ich unterstreiche „wesentliche“ nicht, damit Sie nicht erneut vom Kern der Sache mit Hinweis auf „Rechtsberatung“ ablenken können. Da Sie darüber hinaus in sachlicher Hinsicht keinen „Diskurs über die unterschiedlichen Aspekte einer Dyskalkulietherapie“ zu führen verpflichtet sind, beende ich dieses Schreiben nun mit Hinweis auf die im Rahmen des Offenen Briefes bereits dokumentierten Einwände gegen das Vorgehen Ihres Amtes.

„Wie steht es nun aber, bei all diesen sehr grundsätzlichen Mängeln, mit der „experimentell geprüften Wirksamkeit“ des ZBT (Studienkreiskonzept)? Nun: Ich möchte nicht bezweifeln, dass das ZBT „wirksam“ sein kann: wirksam im Sinne der Fertigkeiten, die damit eben trainiert werden. Das heißt: Die Kinder, die diese Übungen durchlaufen, werden am Ende wohl tatsächlich Fortschritte im ökonomischen „Zählen ohne Finger“ sowie im – fingerfrei! – zählenden Herstellen von Zahl-Relationen und Zahl-Verknüpfungen gemacht haben. Und genau diese Fortschritte misst nun der auf das ZBT abgestimmte „Dortmunder Rechentest für die Eingangsstufe (DORT-E)“.

In 99 Items werden zunächst die reinen Zählfertigkeiten überprüft. Im Weiteren legt der DORT-E großen Wert darauf, ob eine Zahlverknüpfung unter Einsatz der Finger oder ohne diese hergestellt wurde: Fingereinsatz bei einer Plusaufgabe bedeutet, dass diese Aufgabe, auch bei richtigem Ergebnis, als Fehler gewertet wird. Es wird aber eben nicht unterschieden, ob das Kind „im Kopf rechnet“ oder „im Kopf zählt“. Dabei ist gerade im überprüften Zahlenraum (im Wesentlichen bis 10) das Zählen ohne Fingereinsatz eine bei rechenschwachen Kindern häufige Technik: Sie haben, siehe oben, eben oft schon mitbekommen, dass sich das Abzählen an den Fingern „nicht gehört“. Und wenn nicht, dann wird es ihnen gemäß „Durchführungsregeln“ des DORT-E vom Untersuchungsleiter nahe gebracht, Zitat: „Auch alle Aufgaben, die jetzt kommen, sollst du versuchen, ohne Finger zu lösen. Nur wenn du gar nicht weiter weißt, kannst du auch die Finger zur Hilfe nehmen.“

So erkennt der DORT-E zwar jene Kinder, die auch im Zahlenraum 10 nur unter Verwendung von Fingern Plus-, Minus- und Zerlegungsaufgaben lösen können. Aber gerade diese Kinder werden einer entsprechend sensibilisierten Lehrerin ohnedies auffallen.

Er erkennt weiters jene Kinder, die im Zahlenraum 10, ob mit oder ohne Zählhilfe, gehäuft zu falschen Ergebnissen kommen; auch diese Kinder laufen kaum Gefahr, unentdeckt zu bleiben (die Frage ist nur, welche Hilfestellung sie dann bekommen).

Der DORT-E erkennt aber gerade nicht jene Kinder, die ihre falsche Zahlauffassung im Zahlenraum 10 noch halbwegs erfolgreich durch „Zählen im Kopf“ kompensieren können. Dabei sind es gerade diese Kinder, die im Bestreben um eine Früherkennung von Rechenstörungen die größten Sorgen bereiten müssen.

Wir können also auch für den diagnostischen Teil von „Zahlen begreifen“ leider keine Empfehlung aussprechen. Uneingeschränkt zu empfehlen ist freilich die diagnostische Zielsetzung der Autoren: Ihr Bestreben war es, in einem ausdrücklich informellen Verfahren die „Denk- und Lösungsgewohnheiten der Schüler“ zu erforschen mit dem Zweck, daraus Überlegungen zur gezielten Förderung abzuleiten. Genau darum sollte es auch unserer Ansicht nach bei der „Diagnose“ mathematischer Lernschwierigkeiten gehen - und nicht um die Ab- und Ausgrenzung von „Rechenschwäche“ nach standardisierten „Altersnormen“.

Ein löbliches Unterfangen also – in der Durchführung aber doch recht grundsätzlich gescheitert: So unser Fazit, welches wir im Übrigen (wie alles, was wir vertreten) gerne der argumentativen Überprüfung unserer LeserInnen (die Autoren von „Zahlen begreifen“ eingeschlossen) aussetzen ...“ (M. Gaidoschik)


Hochachtungsvoll

Dr. Olaf Steffen
08.05.2006
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09.05.2006, 21:07
Beitrag: #38
 
Thüringer Kultusministerium
23.03.2006



Sehr geehrter Herr Dr. Steffen,

Ihr Brief an Herrn Kultusminister Prof. Dr. Goebel enthält Anmerkungen zur Reaktion aus dem Thüringer Kultusministerium auf Ihren offenen Brief zu den Zuständigkeiten von Jugendämtern bei Dyskalkulie und drohender seelischer Behinderung sowie Vorschläge für Fortbildungs- und Studienangebote sowie Grundsatzfragen zur Diagnose.

Da die Themen in verschiedenen Abteilungen des Hauses bearbeitet werden, brauchen Abstimmungsprozesse schon aus terminlichen Gründen mehr Zeit. Deshalb schien es sinnvoll die beiden oben dargestellten deutlich voneinander abtrennbaren Inhaltsbereiche Ihres Briefes in der Verantwortung unterschiedlicher Personen bearbeiten zu lassen.

Zu Ihren Anmerkungen zu Reaktionen aus dem Thüringer Kultusministerium auf Ihren offenen Brief wird Ihnen die Schulabteilung eine Antwort geben.

Die zeitaufwändige Klärung der Fragen im Zusammenhang mit der von Ihnen angedachten und bereits in Planung befindlichen Angebote für die Lehrerfort- und –ausbildung sowie die Vorschläge zur Diagnostik, die in engem Zusammenhang mit beiden Zielgruppen steht, werde ich die Beantwortung koordinieren.

Ich darf Sie gerade für diesen Teil um etwas Geduld bitten, da hier auch die Hochschulen mit einzubeziehen sind.


Mit freundlichen Grüßen
Johann Fackelmann
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09.05.2006, 21:53
Beitrag: #39
 
Thüringer Kultusministerium
28.04.2006



Sehr geehrter Herr Dr. Steffen,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 8. März 2006. Ich möchte es zum Anlass nehmen, Ihnen das bisherige Vorgehen des Thüringer Kultusministeriums und aktuelle Entwicklungen sowie die Hintergründe dafür zu erläutern.

Wenn wir an der fortlaufenden Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse interessiert sind, so ist es Ausdruck unseres Bestrebens, diese Neuerungen in die Schule zu transferieren. Gerade die Forschung im Bereich Dyskalkulie hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte und neue Erkenntnisse gebracht. Unsere, von Ihnen leider kritisierte, Flexibilität ermöglicht uns erst, darauf angemessen zu reagieren.

Zahlreiche wissenschaftliche Forschungsansätze gehen davon aus, dass ein vor allem auf sachlogische und lernpsychologische Aspekte der Mathematik besser abgestimmter Unterricht präventiv im Sinne von Dyskalkulie wirken kann.

Das Fachreferat hat sich damit bereits im Rahmen des Projekts zur Veränderten Schuleingangsphase beschäftigt und unter anderem Materialien gesammelt, die Grundschullehrern helfen, ihre diesbezügliche Professionalität auszubauen. Es wird zudem versucht, durch die Bündelung der Kompetenzen von Förderschullehrern und Grundschullehrern in den Tandems zur Schuleingangsphase Kompetenzen zu vernetzen. Dies erfolgt auch über zielgerichtete Fortbildungen. Unterstützt wird dies durch die Zusammenarbeit mit der Universität Erfurt (Lehrstuhl Sonderpädagogik bzw. Lehrstuhl Pädagogik der Kindheit) und der Universität Bremen (Frau Professor Carle).

Gegenwärtig werden über 50 Sonderpädagogen in Thüringen für den Einsatz in der Schuleingangsphase mit zusätzlichen Kompetenzen ausgestattet. Die Fortbildung umfasst diagnostische und förderorientierte Anteile für den Bereich Lernen, Verhalten und Sprache. Insbesondere dem Schriftspracherwerb und dem Erwerb mathematischer Kompetenzen sowie den diesen Prozessen innewohnenden Schwierigkeiten wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Gleichzeitig werden in Zusammenarbeit mit Frau Dr. Wiese vom Institut für Förderdiagnostik Grundschullehrer zu Beratern für Lernförderdiagnostik qualifiziert. Alle Grundschulen erhalten zudem Empfehlungen zu Lernstandsanalysen und daraus abzuleitenden Förderansätzen, die neuesten wissenschaftlichen Forschungen entsprechen.

Damit wird deutlich, dass nach Ansicht des Thüringer Kultusministeriums Schulen und Pädagogen verantwortlich sind für das erfolgreiche Lernen aller Kinder – auch der mit Dyskalkulie.

Schwierigkeiten im Rechnen äußern sich aufgabenbezogen und bezogen auf das Verstehen des sachlogischen Aufbaus der Mathematik. Wichtig für die Diagnose von Dyskalkulie ist die Analyse der vom Kind vollzogenen Denkprozesse beim Lösen mathematischer Aufgaben. Dies ist nicht nur Angelegenheit von Tests sondern gelingt nur in Verbindung mit prozessbegleitender Beobachtung und in Gesprächen mit dem Kind. Hierzu benötigt der „Diagnostiker“ Kenntnisse über den Aufbau der Mathematik, über die zum erfolgreichen Rechnen notwendigen Denkschritte und methodisch-didaktischen Kenntnisse bezogen auf die Abfolge beim Erwerb mathematischer Kompetenzen.

Nach unserer Auffassung ist Dyskalkulie eine Lernschwierigkeit, die ausgebildete Mathematiklehrer, ggf. in Zusammenarbeit mit anderen Professionen, erkennen müssen. Ebenso ist es ihre Aufgabe, eine entsprechende schulische Förderung einzuleiten und dies mit außerschulischen Förderangeboten auf Wunsch der Eltern zu vernetzen.

Die Mitarbeiter der Mobilen Sonderpädagogischen Dienste (MSD) stellen sonderpädagogischen Förderbedarf fest, der in seiner Ausprägung schwerwiegender ist als eine Lernschwierigkeit. Sonderpädagogischer Förderbedarf gibt es in den Schwerpunkten Lernen, Sehen, Hören, in der körperlichen und motorischen Entwicklung. Wird im Prozess der Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs eine Lernschwierigkeit, wie Dyskalkulie, durch den Mitarbeiter der Mobilen Sonderpädagogischen Dienste erkannt, erstellt er eine diesbezügliche pädagogische Einschätzung und empfiehlt geeignete Förderansätze.

Wir sind im Interesse der bestmöglichen Förderung aller Kinder an einer fruchtbringenden Zusammenarbeit interessiert, wie Ihnen Herr Fackelmann mit Schreiben vom 23. März bereits mitteilte.

Mit freundlichen Grüßen
Gabriele Pollack
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10.05.2006, 21:32
Beitrag: #40
 
Jugendamt Halle
15.12.2005



Sehr geehrter Herr Dr. Steffen,

… baten … um eine Stellungnahme zu Ihrem beigefügten Offenen Brief.
… Der Offene Brief wird von mir an meinen zuständigen Bereich Allgemeiner Sozialer Dienst zur Auswertung gegeben und es wird hierzu in meinem Fachbereich ein Fachgespräch im Februar 2006 geben.

Betrachten Sie dieses Schreiben als Zwischenbescheid.

Mit freundlichem Gruß
Rochau
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