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Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche Forum
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Toni
Anmeldedatum: 12.03.2006 Beiträge: 2
Wohnort: Deutschland
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Verfasst am: 12.03.2006 - 20:20 Titel: Studienkreis |
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| Bin durch zufall auf dieses Forum gestossen.Unsere Tochter hat alle Hinweise auf eine Rechenschwäche,wo kann man dies Testen lassen der Klassenlehrer geht auf dieses Thema überhaupt nicht ein.Bei uns in der nähe gibts diesen STUDIENKREIS wäre das eine Hilfe???? |
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Dr. Olaf Steffen
Anmeldedatum: 14.10.2003 Beiträge: 125
Wohnort: Deutschland
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Verfasst am: 13.03.2006 - 12:08 Titel: |
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Sehr geehrte/r Herr/Frau Toni,
das „Rechenschwächeangebot“ des Studienkreises basiert auf dem Diagnose- und Förderkonzept von Moog und Schulz. Dieses ist zwar von Schulz in jüngster Zeit überarbeitet worden, der Kern ist jedoch erhalten geblieben. Diesen hat M. Gaidoschik einer kritischen Prüfung unterzogen. Hier finden Sie die Antwort auf Ihre Frage.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Olaf Steffen
Rezension von
Wolfgang Moog / Andreas Schulz:
Zahlen begreifen. Diagnose und Förderung bei Kindern mit Rechenschwäche
Luchterhand Verlag, Neuwied 1999
von Michael Gaidoschik, Wien
Erstmals abgedruckt in: Österreichisches Rechenschwäche Magazin, Heft 4, 2001
Die Autoren präsentieren ein „Diagnose- und Förderprogramm für rechenschwache Kinder“, dessen „Lernwirksamkeit“ – meines Wissens erstmalig im deutschen Sprachraum – durch begleitende universitäre Forschung „experimentell überprüft“ wurde. Leider liefern Moog und Schulz damit zugleich ein Beispiel dafür, wie man auch auf akademischem Boden und trotz „Evaluation“ in die Irre gehen kann: Das Förderprogramm fördert nicht das, was es zu fördern anstrebt, nämlich das Begreifen von Zahlen. Und die darauf abgestimmte Diagnostik unterscheidet nicht zielgenau zwischen den Kindern, die Zahlen ausreichend begreifen und jenen, die das (noch) nicht tun.
Zur Kritik im Einzelnen:
Die Autoren halten eingangs richtigerweise fest, dass sogenannt rechenschwache Schüler letztlich aufgrund ihres „meist ordinal, d.h. an der Zahlenabfolge orientierten Zahlbegriffs“ scheitern. Mit anderen Worten und unter Vernachlässigung der tatsächlich mannigfaltigen Variationen: Die betroffenen Kinder nehmen Zahlen vorwiegend oder ausschließlich als ein „Nacheinander“ zur Kenntnis („9 kommt nach 8“), nicht aber als ein Mehr oder Weniger („9 ist um 1 mehr als 8“). In weiterer Folge werden die vielfältigen quantitativen Bezüge nicht erkannt, welche einen tragfähigen „Zahlbegriff“ letztlich ausmachen: Um etwa mit der Zahl 9 erfolgreich umgehen zu können, muss ich jederzeit im Bewusstsein haben, dass 9 dasselbe ist wie 4 + 5, aber auch 6 + 3 oder 7 + 2; dass es um 1 weniger als 10 ist, und so weiter.
Je dichter dieses „Netz“ gewusster Zahlenverhältnisse, umso flexibler und sicherer der Zahlenumgang. Das „ordinal orientierte“ Kind hat demgegenüber im Wesentlichen nur eine Möglichkeit der Verknüpfung von Zahlen: in der Zahlenwortreihe „vor und zurück“ zu „hüpfen“. Dieses Kind rechnet also nicht, es zählt.
Das oft bis in die Sekundarstufe hinein beobachtbare Abzählen an den Fingern ist also nicht das Problem selbst, sondern lediglich die Folge der zugrunde liegenden Zahlauffassung. Ein wirkungsvolles „Förderprogramm“ müsste daher diese Zahlauffassung korrigieren. Es müsste mit dem Kind Einsicht in die vielfältigen quantitativen Verhältnisse der Zahlen und deren Gesetzmäßigkeiten erarbeiten - und dadurch auch Alternativen zum Zählen.
Das von Moog/Schulz vorgestellte „Dortmunder Zahlbegriffstraining (ZBT) “ tut dies nicht. Stattdessen wird hier im Wesentlichen eines trainiert: das Zählen. Das Kind soll gemäß ZBT lernen, auch ungeordnete Mengen nur durch konzentriert-geordnetes „Abtasten mit den Augen“, ohne Finger, zu zählen. Es soll das Zählen in Zweierschritten automatisieren. Es soll lernen, dass es beim Zusammen-Zählen zweckmäßiger ist, vom letzten Objekt der ersten Menge an weiterzuzählen, als beide Mengen zuerst für sich und dann erst die Vereinigungsmenge als ganzes noch einmal zu zählen.
Das alles hat durchaus seine Berechtigung – solange es darum geht, dem Kind ökonomische Zähltechniken zu vermitteln. Das wird bei vielen rechenschwachen Kindern notwendig sein; nicht wenige haben diese Zähltechniken aber Ende der ersten Volksschulklasse bereits perfektioniert – eben deshalb, weil sie rechenschwach sind und keine anderen Lösungswege finden als das Einzeln-Abzählen. Zählen-Können ist, siehe oben, eben nur eine Voraussetzung für das Begreifen von Zahlen – aber es ist noch lange nicht dieses Begreifen selbst. Ökonomisches Zählen erleichtert und beschleunigt die Lösung einer Plusaufgabe – aber es verbleibt immer noch in jenem rein zählenden, „ordinalen“ Denken, welches doch die Autoren selbst als das Grundproblem rechenschwacher Kinder erkannt haben wollen!
Tatsächlich scheinen Moog/Schulz aber zu meinen, dass nicht das Abzählen das Problem sei, sondern die Steuerung dieses Abzählens mit den Fingern. Die letzte Stufe ihres Trainings besteht demgemäß darin, dass Additionen im Zahlenraum 10 zählend gelöst werden sollen – aber ohne Einsatz der Finger.
Das aber ist nun, mit Verlaub, geradezu unsinnig: Wenn ich schon zählen muss, um beispielsweise „4 + 3“ zu lösen, dann ist es durchaus zweckmäßig, dabei unterstützend die Finger oder anderes Zählmaterial zu verwenden. Ich muss ja beim zählenden Lösen zwei verschiedene Reihen unter Kontrolle halten: Einerseits schreite ich von 4 aus weiter zu „5...6...7“. Andererseits muss ich 5 als „erste Station“, 6 als „zweite Station“, 7 als „dritte Station“ festhalten. Andernfalls weiß ich ja nicht, dass ich gerade bei 7 mit dem Zählen aufhören muss (und nicht schon bei 6 oder vielleicht erst bei .
Das begleitende Ausstrecken oder Antippen von 3 Fingern ist bei diesem Lösungsverfahren also eine zweckmäßige Entlastung, eine Reduktion des Konzentrationsaufwandes - das Ganze freilich innerhalb eines selbst wenig zweckmäßigen Verfahrens. Darum müsste man ja auch andere Verfahren erarbeiten. Aber doch um alles in der Welt nicht das Kind darauf hin trimmen, ein Zählen ohne Fingereinsatz zu bewerkstelligen!
Im Übrigen: Nicht wenige rechenschwache Kinder verfallen von sich aus auf diese Methode des „Zählens im Kopf“ - auch ganz ohne ZBT! Sie tun das, weil ihnen Erwachsene auf die eine oder andere Weise zu verstehen geben, dass sie „jetzt doch schon ohne Finger rechnen können“ müssten; oder auch deshalb, weil sie bemerken, dass die anderen Kinder ihre Finger nicht mehr brauchen und sie selbst sich diese „Blöße“ nicht geben wollen. Dadurch wird aber nichts besser, im Gegenteil: Nach wie vor kommen sie nur durch mühsames „Einzeln-rauf-oder-runter“ zu ihren Lösungen, müssen sich dabei aber, siehe oben, noch mehr konzentrieren und gelangen noch öfter zu falschen Ergebnissen.
Wie steht es nun aber, bei all diesen sehr grundsätzlichen Mängeln, mit der „experimentell geprüften Wirksamkeit“ des ZBT? Nun: Ich möchte nicht bezweifeln, dass das ZBT „wirksam“ sein kann: wirksam im Sinne der Fertigkeiten, die damit eben trainiert werden. Das heißt: Die Kinder, die diese Übungen durchlaufen, werden am Ende wohl tatsächlich Fortschritte im ökonomischen „Zählen ohne Finger“ sowie im – fingerfrei! – zählenden Herstellen von Zahl-Relationen und Zahl-Verknüpfungen gemacht haben. Und genau diese Fortschritte misst nun der auf das ZBT abgestimmte „Dortmunder Rechentest für die Eingangsstufe (DORT-E)“.
In 99 items werden zunächst die reinen Zählfertigkeiten überprüft. Im Weiteren legt der DORT-E großen Wert darauf, ob eine Zahlverknüpfung unter Einsatz der Finger oder ohne diese hergestellt wurde: Fingereinsatz bei einer Plusaufgabe bedeutet, dass diese Aufgabe, auch bei richtigem Ergebnis, als Fehler gewertet wird. Es wird aber eben nicht unterschieden, ob das Kind „im Kopf rechnet“ oder „im Kopf zählt“. Dabei ist gerade im überprüften Zahlenraum (im Wesentlichen bis 10) das Zählen ohne Fingereinsatz eine bei rechenschwachen Kindern häufige Technik: Sie haben, siehe oben, eben oft schon mitbekommen, dass sich das Abzählen an den Fingern „nicht gehört“. Und wenn nicht, dann wird es ihnen gemäß „Durchführungsregeln“ des DORT-E vom Untersuchungsleiter nahe gebracht, Zitat: „Auch alle Aufgaben, die jetzt kommen, sollst du versuchen, ohne Finger zu lösen. Nur wenn du gar nicht weiter weißt, kannst du auch die Finger zur Hilfe nehmen.“
So erkennt der DORT-E zwar jene Kinder, die auch im Zahlenraum 10 nur unter Verwendung von Fingern Plus-, Minus- und Zerlegungsaufgaben lösen können. Aber gerade diese Kinder werden einer entsprechend sensibilisierten Lehrerin ohnedies auffallen.
Er erkennt weiters jene Kinder, die im Zahlenraum 10, ob mit oder ohne Zählhilfe, gehäuft zu falschen Ergebnissen kommen; auch diese Kinder laufen kaum Gefahr, unentdeckt zu bleiben (die Frage ist nur, welche Hilfestellung sie dann bekommen).
Der DORT-E erkennt aber gerade nicht jene Kinder, die ihre falsche Zahlauffassung im Zahlenraum 10 noch halbwegs erfolgreich durch „Zählen im Kopf“ kompensieren können. Dabei sind es gerade diese Kinder, die im Bestreben um eine Früherkennung von Rechenstörungen die größten Sorgen bereiten müssen.
Wir können also auch für den diagnostischen Teil von „Zahlen begreifen“ leider keine Empfehlung aussprechen. Uneingeschränkt zu empfehlen ist freilich die diagnostische Zielsetzung der Autoren: Ihr Bestreben war es, in einem ausdrücklich informellen Verfahren die „Denk- und Lösungsgewohnheiten der Schüler“ zu erforschen mit dem Zweck, daraus Überlegungen zur gezielten Förderung abzuleiten. Genau darum sollte es auch unserer Ansicht nach bei der „Diagnose“ mathematischer Lernschwierigkeiten gehen - und nicht um die Ab- und Ausgrenzung von „Rechenschwäche“ nach standardisierten „Altersnormen“.
Ein löbliches Unterfangen also – in der Durchführung aber doch recht grundsätzlich gescheitert: So unser Fazit, welches wir im übrigen (wie alles, was wir vertreten) gerne der argumentativen Überprüfung unserer LeserInnen (die Autoren von „Zahlen begreifen“ eingeschlossen) aussetzen ... |
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Dr. K. Retzlaff
Anmeldedatum: 09.03.2006 Beiträge: 27
Wohnort: Sachsen-Anhalt Deutschland
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Verfasst am: 20.03.2006 - 10:52 Titel: Therapie im Studenkreis? |
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„Bin durch zufall auf dieses Forum gestossen.Unsere Tochter hat alle Hinweise auf eine Rechenschwäche,wo kann man dies Testen lassen der Klassenlehrer geht auf dieses Thema überhaupt nicht ein.Bei uns in der nähe gibts diesen STUDIENKREIS wäre das eine Hilfe.“
Hallo Toni,
Inhalt und Umfang der Ausbildung im Studienkreis beschränken sich in der Regel nur auf die Leiter der Einrichtungen. Die Ausbildung umfasst:
„Die Fortbildung in unserem Haus (Universität Bochum, Dr. Andreas Schulz) umfasst ein Basisseminar, dass an drei Tagen zu insgesamt 20 Stunden stattfand. In diesem Seminar wurden die Teilnehmer in der Planung, Durchführung und quantitativen und qualitativen Auswertung standardisierter und informeller Testverfahren zur Rechenleistung in die Methoden des Konzeptes, die Förderung und deren Planung eingeführt. Im Anschluss an die Seminare leiten die Lehrkräfte nun ihre Fördergruppen eigenständig an. Sie werden durch die Seminarleitung einerseits durch schriftliche Supervision – vor allem auch bei der Testauswertung – aber auch an zwei Supervisionstagen in Kleingruppen unterstützt. Diese zweite Phase – die Zertifizierung – endet bei Erfolg mit einer Bescheinigung des STUDIENKREISes.“
Zitat: Dr. Andreas Schulz aus einer Bescheinigung eines Studienkreisleiters aus dem Jahre 2000.
1. Das Konzept selbst wurde durch Herrn Michael Gaidoschik ausreichend kritisiert. Das Konzept und die auf dieses Konzept ausgerichtete Diagnostik ist der in den 20 Stunden vermittelte Ausbildungsinhalt.
2. Weil das Konzept gar nicht das Lernproblem beseitigt, gilt es im STUDIENKREIS als selbstverständlich, dass die Kinder die „Rechenschwäche“ ihr Leben lang behalten. Die „Rechenschwäche“ wird darum regelmäßig und öffentlich auch als Krankheit bezeichnet, die Mitarbeiter werden angewiesen, durch Eselsbrücken den Kindern hinsichtlich des aktuellen Schulstoffs weiter zu helfen – genau so, wie es eben aus fachlicher und sachlicher Sicht gerade nicht sein darf.
3. Einem Vergleich mit den geforderten Qualitätsstandard des Bundesverbandes für Legasthenie und Dyskalkulie oder den von der Berliner Senatskommission beschlossenen Standards oder den Standards des ZTR (hier z.B. über 240 Stunden supervidierte Ausbildung und in der Regel über 2 Jahre Dauer, Multiprofessionalität des Wissenschaftlerteams usw.) hält weder dem Umfang noch dem Inhalt nach der STUDIENKREIS stand.
4. Das alles ist sehr zum Ärger von Eltern, weil der Studienkreis als „Billiganbieter“ zum Schaden der Kinder von einigen Jugendämtern bevorzugt wird. Zum Schaden der Kinder, denn, wie gesagt, das Lernproblem wird nicht geknackt. Wegen des STUDIENKREISES und solcher Jugendamtspolitik in Sachsen-Anhalt sah sich die Elterninitiative zur Förderung rechenschwacher Kinder Sachsen-Anhalt gem. e.V. veranlasst Standards zu fordern, die solche Therapieangebote ausschließen. (Vergleichen Sie hierzu den Brief der Elterninitiative an die Volksstimme)
5. Aus diesem Grunde ist die Befürchtung nicht unbegründet, dass so erfolglos verlaufende Therapieversuche eine Verschlechterung der seelischen Disposition nach sich ziehen können, denn das Kind erlebt, dass offensichtlich ihm auch die vermeintlich professionelle Hilfe nicht helfen konnte.
Da ich hier schwerwiegende Argumente gegen den Studienkreis anführe, würde es mich freuen, wenn sich Vertreter des Studienkreises hierzu in unserem Forum positionieren würden.
Zuletzt bearbeitet von Dr. K. Retzlaff am 20.03.2006 - 13:15, insgesamt einmal bearbeitet |
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Dr. K. Retzlaff
Anmeldedatum: 09.03.2006 Beiträge: 27
Wohnort: Sachsen-Anhalt Deutschland
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Verfasst am: 20.03.2006 - 11:06 Titel: Positionierung einer Elterniniative gegen den Studienkreis |
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Das folgende Scheiben an die Volksstimme der Initiative zur Förderung rechenschwacher Kinder Sachsen-Anhalt gem. e.V. wurde uns für diese Debatte freundlich zur Verfügung gestellt:
Sehr gehrte Dame und Herren,
als Elterninitiative zur Förderung rechenschwacher Kinder Sachsen-Anhalt e.V. möchten wir uns bei Ihrer Zeitung ausdrücklich bedanken, dass Sie dem Thema so viel Aufmerksamkeit schenken. Weil Eltern oft große Probleme haben, eine geeignete Hilfe zu bekommen, haben wir uns zu einer Initiative zusammengeschlossen. Mit unseren Erfahrungen möchten wir Eltern helfen, richtige Entscheidungen für ihre Kinder zu treffen.
Wir unterstützen die Aussagen von Herrn Dr. Retzlaff im Artikel vom 3.11.2004 voll und ganz. Der Leserbrief von Herrn Werner vom 5.11.2004 verunsichert Eltern.
Gerade weil viele Nachhilfeeinrichtungen ohne die erforderliche Qualität das Thema „Rechenschwäche“ für sich entdeckt haben, fordern wir entsprechende Standards. An der Therapiequalität und Beratungsleistung im Studienkreis haben wir große Zweifel. Herr Werner stigmatisiert die Kinder als unheilbar Kranke, denen man mit „Eselsbrücken“ helfen müsste (Volksstimme, Bördekreis vom 26.2.2004). Solchen Urteile können zu falschen Schullaufbahnentscheidungen führen. Dass dies völlig falsch ist, wurde z.B. auch auf unserer Konferenz der Mitteldeutschen Elterninitiativen am 30.10.2004 in Leipzig von Herrn Professor Gerster, Päd. Hochschule Freiburg, ausdrücklich hervorgehoben. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass Rechenschwäche behebbar ist. Leider orientiert sich manches Jugendamt nur an den Kosten und bevorzug Nachhilfeanbieter. Manche Eltern, die sich eine qualifizierte Therapie nicht leisten können, werden gegen ihren Willen und ihr Wahlrecht zur Nachhilfe bei Herrn Werner gedrängt.
In Sachsen-Anhalt existieren keine Standards für lerntherapeutische Einrichtungen. Die Berliner Senatskommission verlangt z.B. von Lerntherapeuten ein erfolgreich abgeschlossenes Hochschulstudium in den Fächern Psychologie, Pädagogik und andern Wissenschaften, die einen klaren Bezug zur lerntherapeutischen Tätigkeit erkennen lassen, z.B. Mathematik bei Rechenschwäche, eine 3-jährige Ausbildungspraxis Praxis mit mindestens 20 Wochenstunden im Bereich Diagnostik, Beratung und Therapie, sowie den Nachweis von mindestens 150 Stunden Fortbildung während der letzten 3 Jahre auf lerntherapeutischem, fachdidaktischem und sozialpädagogischem Gebiet. Auch in Niedersachsen wird eine besondere Qualifikation verlangt und ausdrücklich gesagt, dass eine normale Lehrerausbildung nicht ausreicht.
Das Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche (ZTR) erfüllt diese Kriterien. Das Team besteht aus Pädagogen, Psychologen und Mathematikern. Die ZTR-Institute sind in universitäre Forschungsprojekten einbezogen. Die Diagnostik und Lerntherapien beruhen auf dem aktuellen Stand der Dyskalkulieforschung. Herr Dr. Retzlaff hat sich als Sachverständiger im Ausschuss für Schule und Sport des sächsischen Landtages für rechenschwache Kinder engagiert.
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Pickut
1. Vorsitzender |
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