Mitteldeutsche Zeitung 2. Juni 2010

Anlaufstelle in Weißenfels jetzt geplant

RECHENSCHWÄCHE: Eltern, Schüler, und Lehrer sind in Kulturhaus zur Informationsveranstaltung eingeladen.

WEISSENFELS/MZ. Seit neun Jahren gibt es das Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche (ZTR) Naumburg-Weißenfels. Es hat seinen Sitz in Naumburg, Markt 14. Dort lassen auch Eltern aus Weißenfels, Zeitz und Hohenmölsen ihre Kinder therapieren, sagt der promovierte Olaf Steffen, der das ZTR wissenschaftlich leitet. Zwar finden Rechenschwäche und ihre Folgen für die Betroffenen und deren Familien im Schulalltag immer noch viel zu wenig Beachtung, sagt er. Doch immer mehr Anfragen von Eltern und auch von Lehrern aus Zeitz und Hohenmölsen seien bei ihm gelandet. Deshalb habe er vor, auch in Weißenfels ein ZTR-Institut zu etablieren, in dem er und seine Mitarbeiter bei betroffenen Schülern Rechenschwäche diagnostizieren, sie beraten und eine individuelle Lerntherapie beginnen können.
Weil sich ratlose Eltern und auch Lehrer an ihn gewendet haben, lädt er am Mittwoch, 9. Juni, 18 Uhr, zu einer Informationsveranstaltung ins Kulturhaus der Stadt Weißenfels ein. Im Klubraum in der ersten Etage will er Interessenten aufklären, was Rechenschwäche für betroffene Kinder – das seien nicht nur Grundschüler, sondern auch Sekundarschüler und Gymnasiasten – bedeutet. Berichte aus der Wissenschaft und aus der Praxis zum Thema Rechenschwäche will er weitergeben. „Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben oftmals eine wahre Leidensodyssee hinter sich, bis sie an die richtige Anlaufstelle für Lern- und Verständnisprobleme beim Umgang mit Mengen, Zahlen und Rechenoperationen gelangen“, sagt der Wissenschaftler. Bereits in der ersten Schulklasse fallen die Verständnisdefizite im Bereich der Zahlenmathematik auf. Doch das Versagen werde häufig auf mangelnde Intelligenz oder mit fehlendem Willen zum Lernen gleichgestellt. Oft landen Schüler deshalb in der Förderschule. „Dies steht jedoch überwiegend im Gegensatz zu den anderen schulischen Leistungen, wo von Rechenschwäche Betroffene normale bis sehr gute Leistungen erzielen können“, erklärt Steffen.

Er will aufklären, wie sich das Wissensdefizit, wenn es unerkannt bleibt, auf die Psyche der Kinder, auf Bildungsmöglichkeiten, auf schlechte bis gar keine Schulabschlüsse und mangelhafte Berufsausbildungsfähigkeit auswirken kann. Es müsse herausgefunden werden, wie diese Wissenslücken entstanden seien. Im Anschluss müsse die Förderung genau dort ansetzen. Steffen hat den Jenaer Rechentest entwickelt, mit dem die mathematischen Fehler aus ihrem Grund heraus erklärt werden. Die Diagnostik mit diesem Test ist zur Zeit nur im ZTR Naumburg möglich. Doch der Einzeltest bilde die Grundlage für eine sinnvolle Förderpraxis.
Die Informationsveranstaltung in Weißenfels soll eine Orientierung für Betroffene sein, damit meint Steffen Eltern und Schüler. „Die Veranstaltung ist auch als Lehrerfortbildung geeignet“, sagt Steffen. Eingeladen sind ebenso Mediziner und Ergotherapeuten der Region.

Informationsveranstaltung 9.Juni, 18 Uhr, Kulturhaus Weißenfels.
Von Karin Grossmann