Super Illu 14.03.2002

Keine Angst vor Mathe

Der Patient: Martin Frömmig (12), Mittelschüler (6. Klasse) aus Wurzen: In Mathe war ich von Anfang an nicht gut. Bei 24 + 19 kam alles mögliche raus, bloß nicht das richtige Ergebnis. Ich verstand auch nicht, dass sich eine 7 in 2 und 5 oder in 3 und 4 zerlegen lässt. Ich wusste einfach nicht, wie ich rechnen sollte. So fingen alle Probleme in der Schule an.

Stören statt lernen. Im Unterricht machte ich mich klein, damit ich nicht dran kam. Ich wurde in allen Fächern schlechter, fiel nur dadurch auf, dass ich den Unterricht störte und mich mit den Mitschülern prügelte. Meine Eltern waren fix und fertig. Sie verstanden nicht, warum ich nicht rechnen konnte. Dann gingen sie mit mir ins Leipziger Therapiezentrum. Ich machte einen Test. Das Ergebnis: Ich leide an Rechenschwäche. Seit Oktober 2 000 habe ich einmal pro Woche eine Einzelstunde bei Frau Slotta. Ich gehe gern hin. Sie erklärt mir Mathematik so gut, dass ich es schließlich kapiere.

Ehrenrunde. Die 5. Klasse musste ich wiederholen. Am Ende hatte ich eine 4 statt einer 5 in Mathe. In vielen Fächern kam ich auf eine 2 oder 3. Jetzt bin ich in der 6. Klasse und weiß in Mathe oft die richtige Antwort. Meine Eltern sind begeistert. Ich auch. Im Sommer 2002 kann ich die Therapie beenden.

Die Therapeutin: Irmgard Slotta (32), Diplom-Psychologin, Therapeutin für Rechenschwäche:

Sechs bis acht Prozent aller Kinder haben eine Rechenschwäche, Dyskalkulie genannt. Doch im Gegensatz zur Lese-Rechtschreibschwäche ist sie wenig bekannt und wird leider auch von vielen Schulbehörden und Jugendämtern nicht ernst genommen.

Eigene Regeln. Rechenschwäche ist ein systematisches Lernversagen beim Erwerb grundlegender arithmetischer Einsichten. Die Schüler verstehen nicht wie Zahlen und Mengen zusammenhängen. So rechnen sie durch stures Abzählen oder nach eigenen Regeln, verdrehen mehrstellige Zahlen und verwechseln Rechenarten.

Große Lücken. Mit Dummheit oder fehlendem logischen Denkvermögen hat das nichts zu tun. Oft führen Krankheit, Familienprobleme oder schlechter Unterricht dazu, dass Kinder die ersten Denkschritte nicht verstehen. Die Wissenslücken werden dann mit der Zeit immer größer. Daher nützen gewöhnliche Nachhilfestunden sehr oft nichts.

Angebot. Wir bieten eine grundlegende Lerntherapie in wöchentlichen Einzelstunden. Tests zeigen, an welchen Stellen das Kind der Rechenlogik nicht folgen kann. Die Therapeuten bauen das mathematische Verständnis neu auf. Bei 90 Prozent der Kinder hat eine zweijährige Therapie Erfolg. Leider müssen in den meisten Fällen die Eltern diese Therapie (230 € im Monat) zahlen.

INFO: Es gibt in Deutschland 40 Zentren zur Therapie der Rechenschwäche ZTR Leipzig: Kreuzstr. 3 b, 04103 Leipzig. Info-Tel. 0341/2 68 95 20