Potsdamer Neueste Nachrichten 08.03.2005

Rechenschwäche bei einem Drittel der Schüler

Untersuchungen mit Schülern einer Potsdame Gesamtschule / Mängel stammen schon aus Grundschule

Rechenschwächen in erheblichem Umfang hat das Potsdamer Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche (ZTR) bei Tests mit Schülern der siebten Klassen einer Potsdamer Gesamtschule festgestellt. Jörg Kwapis, Leiter des ZTR Potsdam, stellte die Ergebnisse gestern im Vorfeld eines Vortrags zur „Prävention von Rechenschwäche im Erstklassen-Unterricht“ an der Universität Potsdam vor. Demnach haben fünf der 79 untersuchten Schüler der Potsdamer Schule, deren Name Kwapis nicht nannte, eine „gravierende Rechenschwäche“. Bei 21 Schülern stellte das ZTR eine „normale Rechenschwäche“ fest. Bei 26 von 79 Schüler, das sind 32,91 Prozent, konstatierte Kwapis demzufolge eine Rechenschwäche.

Laut Kwapis sind nach der PISA-Studie die schlechten Rechenleistungen deutscher Schüler wiederholt Gegenstand von Diskussionen, leider mangele es an geeigneten Vorhaben, um den erheblichen Mängeln im elementaren mathematischen Wissen abzuhelfen. Kwapis zufolge stammten die Rechenschwächen bei den untersuchten Siebtklässlern bereits aus der Grundschule. Die Schüler mit Rechenschwächen hätten es nie gelernt, Zahlen als Mengenbeziehungen zu verstehen, sie wüssten, dass die Zahl 7 größer sei als die Zahl 5, weil die 7 nach der 5 komme, nicht jedoch, weil 7 mehr ist als 5. Wenn Schüler mit Rechenschwäche mit einem Zwei-Euro-Stück ein Produkt kaufen, dass 1,99 Euro kostet, wüssten sie nicht, wie viel Geld sie zurück bekommen. Die Addition von 5 und 4 zu 9 erfolge durch Fingerzählen, nicht durch Begreifen des mathematischen Problems. „Der Übergang vom Konkreten zum Abstrakten erfolgt nicht“, so Kwapis. Je früher eine Rechenschwäche erkannt werde, um so kürzer sei die Therapiezeit. „Schön wäre es, wenn eine Rechenschwäche bereits in der ersten Klasse erkannt wird, dann benötigt die Therapie vielleicht nur drei Wochen“, sagte Kwapis. Er kündigte an, mit den Schulbehörden über eine Umstrukturierung des Anfangsunterrichts in Kontakt zu treten. Ziel sei es, Rechenschwäche frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Seiner Ansicht nach kann eine unbehandelte Rechenschwäche zu einer eingeschränkten Alltagstauglichkeit im späteren Leben des Betroffenen führen.
gb