Schwäbische Zeitung 08.10.2013

Rechenschwäche: Wenn das Einmaleins zur unüberwindbaren Hürde wird

Therapieangebot in Friedrichshafen für Kinder und Jugendliche mit Dyskalkulie geplant – Vortragsreihe startet

FRIEDRICHSHAFEN Neues Therapieangebot: Menschen mit Rechenschwäche sollen auch in Friedrichshafen eine Anlaufstelle bekommen. Das geplante Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche Friedrichshafen (ztr) will sich mit Symptomen der Diagnostik und mit therapeutischen Ansätzen der sogenannten Dyskalkulie befassen – eben der Rechenschwäche. Zwar ist ztr-Leiterin und Diplom-Psychologin Monika Spohrs in der Zeppelinstadt noch auf der Suche nach Räumlichkeiten, eine Vortragsreihe zum Thema soll aber mit ein Wegbereiter sein.

Erwachsene wie Kinder, die unter Rechenschwäche leiden, haben gewöhnlich ein Problem mit dem Zahlenverständnis. Besonders bei den Grundrechenarten. Dabei geht es nach Worten von Monika Spohrs bei der Dyskalkulie weniger um mangelnde Intelligenz oder Begabung. Auch nicht um die generell mangelnde Fähigkeit zum logischen Denken, sondern um einen defizitären Ausfall im mathematischen Lernen.

Die Weltgesundheitsorganisation bezeichnet die Rechenschwäche als Teilleistungsstörung. Sprich, Kinder, die unter Dyskalkulie leiden, können in Englisch, Deutsch, Religion, Erdkunde oder Geschichte durchaus eine „Eins“ sein, in Mathe aber verstehen sie nur noch „Bahnhof“. Sie haben Probleme, Mengen und Größen zu schätzen, räumliche Vorstellung ist nur schwer wenn überhaupt möglich. Es fehlt schlicht und einfach die Fähigkeit, Mathe zu verstehen.

Menschen, die keine adäquate Therapie bekommen, sind ein ganzes Leben geplagt. Fahrpläne, Preisschilder, Uhrzeiten, Börsenkurse, Mathe hört eben nicht mit Ende der Schulzeit auf. Hoffnung freilich gibt es allemal. „Rechenschwäche ist behandelbar“, sagt Monika Spohr, die momentan im Zentrum für Rechenschwäche in Konstanz sitzt. Die Psychologin und ihr Institut bieten eine therapeutische Dienstleistung für rechenschwache Kinder und Jugendliche, „damit auch für viele Eltern und Kinder einen Ausweg aus einem meist jahrelangen Leidensweg.“

Rechenschwäche ist also behandelbar: Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Im Bildungsland Deutschland ist sie eine Frage des Einkommens. Die Krankenkassen halten sich beim Thema in Sachen Kostenbeteiligung nämlich schadlos.

In Sachen Rechenschwäche bietet das Zentrum zur Therapie nun kostenlose Vorträge mit Diskussion an. Das Thema: Rechenschwäche – was ist das? Symptome, Diagnostik und therapeutische Ansätze.“ Dr. Olaf Steffen (ehemaliger Lehrbeauftragter der Uni Jena für Rechenschwäche) spricht am Donnerstag, 10. Oktober, von 18 bis 21 Uhr, in der Ludwig-Dürr-Schule in Friedrichshafen und am Montag, 21. Oktober im Überlinger Kursaal am See (ebenfalls 18 bis 21 Uhr). Am Montag, 14. Oktober, befasst sich Steffen in der Uni Konstanz (Raum C 425, 18 bis 21 Uhr) mit dem Jenaer Rechentest und der Frage, warum die Art der Diagnostik bereits über Erfolgsaussichten einer Rechenschwächetherapie entscheidet.

Alexander Mayer