Freie Presse 04.10.2007

Rechnen bleibt stures Abzählen

Teilleistungsstörung Dyskalkulie oft spät oder gar nicht erkannt – Zentrum informiert

Chemnitz. Dyskalkulie oder Arithmasthenie lauten die Fachbegriffe für die Teilleistungsstörung der Rechenschwäche, von der nach einer Untersuchung der Universität Jena etwa ein Viertel der Grundschüler betroffen waren. Erkannt wird diese jedoch oft erst im fortgeschrittenen Schulalter, da das Vorliegen einer Rechenschwäche sich gerade in der Grundschule nicht unbedingt in den Zensuren widerspiegeln muss. Kompensationsstrategien wie das Zählen mit Hilfe der Finger, das Auswendiglernen von Regeln und Aufgaben und das mechanische Anwenden zum Beispiel der schriftlichen Rechenverfahren ermöglichen den Kindern in der Grundschulzeit oft noch einige „Erfolge“. Ist jedoch kein Verständnis für grundlegende mathematische Einsichten vorhanden, so versagen die Kompensationsstrategien mit anspruchsvoller werdenden Aufgaben in der Mittelschule mehr und mehr, weiß Steffen Krusche, Leiter des Zentrums zur Therapie der Rechenschwäche in Chemnitz.

Rechenschwache Kinder und Jugendliche stoßen mit ihrem Problem häufig auf Unverständnis und werden für faul, dumm, lernunwillig und unkonzentriert gehalten. Entsprechend falsch wird auf ihre Lernstörung reagiert. „Eine Rechenschwäche wächst sich nicht aus. Zusätzliches Üben und Nachhilfe muss scheitern, da der Betroffene hier nur zum Einüben von Unverstandenem angehalten wird, so Steffen Krusche.

Er nennt typische Anzeichen, die eine Rechenschwäche vermuten lassen. Auffällig sind: Mühsam Eingeübtes ist nach kurzer Zeit wieder vergessen; Rechnen bleibt stures Abzählen; es wird auch da gezählt, wo Zählen sich erübrigt (nach 7+8=15 wird 7+9 erneut ausgezählt; dekadische Transferleistungen sind nicht möglich (3+4=7, 13+4 wird neu durchgezählt); Rechenarten werden verwechselt; an die Stelle des stupiden Zählens tritt häufig das begriffslose, rein mechanische Rechnen, auch da wo sich die Mechanik logisch „verbietet“ (13–12 wird gerechnet als 10–10=0, 3–2=1); bei Textaufgaben zeigt sich völliges Unverständnis; der rechnerische und praktische Umgang mit Größen (Strecken, Gewicht, Geld, Zeit) gelingt nicht. Die Auswirkungen einer Rechenschwäche auf die Bildungs- und Berufschancen und damit auf die Lebenschancen der Betroffenen sind gravierend.

Das Versagen in einem solch zentralen Lernbereich verursacht bei den betroffenen Schulkindern meist eine Orientierung an den eigenen Misserfolgen. Es folgen häufig Lernverweigerungen, Schulangst und Schulunlust sowie soziale Rückzugstendenzen. Der Entzug von Lebenschancen ist nicht selten eine der Konsequenzen einer unbehandelten Rechenschwäche. Dabei kann diese durch eine spezielle qualitative Diagnose- sowie lerngegenstandsorientierte Therapieform, nachhaltig beseitigt werden. (SW)

Weitere Informationen

Zu diesem Thema bietet das Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche (ZTR) Chemnitz am Samstag ab 9.30 Uhr in den Räumen am Zöllnerplatz 10 Tipps und Informationen. 10 Uhr wird es zum Thema: „Woran erkennt man eine Rechenschwäche und was kann man tun?“ einen Vortrag geben. Für Betroffene bzw. Eltern besteht die Möglichkeit zur Vereinbarung von Testterminen sowie zur individuellen Beratung über Behandlungsmöglichkeiten und Erfolgsaussichten.

Kontakt: ZTR Chemnitz, Zöllnerplatz 10, 09111 Chemnitz, Telefon 0371 4331215, Fax 0371 4331216; E-Mail: chemnitz@ztr-rechenschwaeche.de; Internet: www.ztr-rechenschwaeche.de