Mitteldeutsche Zeitung Burgenlandkreis 27.12.2012

Vorträge statt Party

von Karin Grossmann

NAUMBURG/MZ. Ein Grund zum Feiern ist es schon. Seit zehn Jahren ist das Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche (ZTR) Naumburg-Weißenfels in der Kreisstadt als Ansprechpartner für Eltern und Lehrer, die den betroffenen Kindern helfen wollen. Ein kleines Jubiläum ist das schon, meint der wissenschaftliche Leiter Olaf Steffen. Doch gefeiert wird deshalb nicht mit einer Kinderparty.
„Wir bieten eine Vortragsreihe für Eltern, Lehrer, Ärzte, Therapeuten an“, lädt er für Januar, Februar und März nach Naumburg ein. Informationsveranstaltungen zum Thema Rechenschwäche / Dyskalkulie bietet er an. Alle Vorträge finden immer donnerstags in der Aula der Volkshochschule des Burgenlandkreises in Naumburg in der Seminarstraße 1 zwischen 18 und 21 Uhr statt, machen er und die Therapeutin Kathleen Koch aufmerksam. Da die Raumkapazitäten begrenzt sind, sollen sich die Teilnehmer vorab anmelden. Das gelinge per E-Mail oder telefonisch ab Januar wieder oder per Fax. Steffen hofft, dass die Vorträge von betroffenen Eltern von rechenschwachen Kindern gut angenommen werden. Schließlich gehe es um Symptome, um schulische und psychische für die Kinder ab der ersten Schulklasse bis hin zum Abiturienten. Rechenschwäche muss erst einmal festgestellt werden. Dazu spielen die Schulen eine Rolle, das Jugendamt kann unterstützen und macht Therapiemöglichkeiten im ZTR möglich.
Sicher, Rechenschwäche und ihre Folgen für die Betroffenen und deren Familien finden noch immer zu wenig Beachtung, meint er. Doch seit zehn Jahren, seit das ZTR in Naumburg einen Standort hat und seit einem Jahr in der Weißenfelser Beuditzstraße betroffene Grundschüler, Sekundarschüler und Gymnasiasten diagnostiziert, Eltern und Lehrer berät und individuelle Lerntherapien anbietet, hat sich das verbessert. Doch auch Hohenmölsener, Zeitzer und Droyßiger Schüler nutzen die Chance beim ZTR, die sich als richtige Anlaufstelle für Lern- und Verständnisprobleme beim Umgang mit Mengen, Zahlen und Rechenoperationen bewiesen hat. Die zehn Jahre haben sich gelohnt, um Eltern, Lehrer und Ärzte über das Wissensdefizit aufzuklären. Wenn die Symptome unerkannt bleiben, wirken sie sich auf die Psyche der Kinder aus. Das ZTR biete neben der Schule Bildungsmöglichkeiten, die dabei helfen, Betroffenen zu einem Schulabschluss zu helfen und mangelnde Berufsausbildungsfähigkeiten positiv zu verändern.
Der promovierte Olaf Steffen hat den Jenaer Rechentest entwickelt, mit dem die mathematischen Fehler aus ihrem Grund heraus erklärt werden. Der Einzeltest bilde die Grundlage für die manchmal langjährige, aber erfolgreiche und sinnvolle Förderpraxis.
Mittlerweile hat das Zentrum fünf Mitarbeiter. 60 bis 70 Therapien führen sie in jedem Jahr durch. Und, auch darauf machen Steffen und Koch aufmerksam, es gebe immer mehr Lehrer und Direktoren, die Eltern von Rechenschwäche betroffenen Kindern zur Diagnostik ins ZTR schicken, damit sie Defizite bis zum Schulende ausgleichen können.
„Wir möchten in den Vorträgen zeigen, wie ein effektiver Umgang mit Rechenschwäche aussehen kann und muss“, sagt Steffen. Eine dafür nötige qualitative Präventionsdiagnostik, die in der Vorschuluntersuchung und auch in der Schuleingangsphase zum Einsatz kommen könnte, ist vom Naumburg-Weißenfelser Zentrum im Rahmen einer Forschungskooperation mit den Universitäten Jena und Paderborn entwickelt worden, die erfolgreich umgesetzt wird.