Bachelorarbeit zu Sekundärsymptomatik bei Dyskalkulie

[18.06.2019] Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die von einer Dyskalkulie betroffen sind, leiden häufig auch unter psychischen Symptomen wie beispielsweise Unsicherheiten, geringem Selbstwertgefühl und Versagensängsten bis hin zu körperlichen, psychosomatischen Beeinträchtigungen, wie z. B. Kopfschmerzen und Bauchschmerzen. Obwohl Forschung zur Sekundärsymptomatik von Lernstörungen wie Dyskalkulie und Legasthenie sind seit langem bekannt ist, mangelte es bisher an gezielten Untersuchungen zur Veränderung dieser Symptome im Lauf einer Dyskalkulie-Therapie.

In den letzten Jahren wurden einige Studien und Metanalysen zur Effizienz dyskalkulie-therapeutischer Interventionsmaßnahmen durchgeführt. Sowohl Haberstroh und Schult-Körne (2019) als auch Chodura und Kollegen (2015) und Kroesbergen und Van Luit (2003) konnten bestätigen, dass insbesondere Interventionen, die an basismathematischen Kompetenzen arbeiten und im Einzelsetting mit direkter Instruktion durch Fachkräfte durchgeführt werden, am erfolgreichsten sind. Jedoch fehlten bisher Studien, die gezielt die Wirkung erfolgreicher Interventionsmaßnahmen bei Dyskalkulie auf die unangenehmen Begleitsymptome untersuchten.

Im vergangenen Jahr fokussierten drei Studien auf genau diese offene Frage: Brugger von der Pädagogischen Hochschule Weingarten untersuchte 2018 die Veränderung psychosozialer Belastungssymptome wie sozialer Rückzug und Verhaltensauffälligkeiten, des Selbstwertempfindens, psychosomatischer Beschwerden und der Aufmerksamkeitssteuerung im Verlauf einer dyskalkulietherapeutischen Maßnahme und konnte eine Verbesserung der Begleitsymptomatik im Lauf der Therapie feststellen. Aust von der Fernuniversität Hagen untersuchte 2018 die Wirkung einer Dyskalkulietherapie auf die Rechenkompetenz, die Rechenleistung, die Verbesserung psychosozialer Faktoren wie Angst und somatische Symptome und konnte neben einer Verbesserung der Rechenkompetenz auch eine signifikanten Veränderung sowohl der Angst als auch der somatischen Symptome nachweisen. Bischof, ebenfalls von der Fernuniversität Hagen, untersuchte 2018 Effekte einer dyskalkulie-therapeutischen Intervention auf die Rechenkompetenz, die Rechenleistung in der Schule, Freude an der Mathematik und das Gefühl von Selbstwirksamkeit der Betroffenen. Auch sie konnte eine signifikante Verbesserung der Rechenkompetenz nachweisen. Für die Wirkung auf Freude an der Mathematik und das Empfinden eigener Selbstwirksamkeit zeigten sich keine signifikanten Effekte.

Alle drei Forschungsarbeiten konnten eine signifikante Verbesserung der Rechenkompetenz der Betroffenen nachweisen. Zusätzlich konnten sowohl Aust (2019) als auch Brugger (2018) zeigen, dass sich eine erfolgreiche Dyskalkulie-Therapie, durchgeführt in den Instituten des Zentrums zur Therapie der Rechenschwäche Bodensee (ZTR Konstanz, ZTR Ravensburg, ZTR Sigmaringen, ZTR Villingen und ZTR Kreuzlingen), in hohem Maß positiv auf die psychische Begleitsymptomatik der Betroffenen auswirkt. Diese Ergebnisse sind von immenser Bedeutung vor dem Hintergrund, dass die Eingliederungshilfe nach §35a SGB VIII, mit deren Hilfe viele Dyskalkulie-Therapien durch Jugendämter finanziert werden, genau auf diesen Bereich, der Beseitigung/Abwendung einer drohenden seelischen Behinderung ausgerichtet ist.

Die Ergebnisse der ersten dieser drei Studien stellen wir dem interessierten Leser hier gerne zur Verfügung. Die beiden anderen Studien werden in Kürze folgen.

Die gesamte Arbeit als pdf-Download (93 Seiten)