Was ist Rechenschwäche?

Als Rechenschwäche oder Dyskalkulie wird ein Lernversagen beim Erarbeiten fundamentaler arithmetischer Einsichten bezeichnet. Die Probleme entstehen gewöhnlich als subjektives Fehlverständnis beim Aufbau eines mengenbezogenen Zahlbegriffs. Da bei einer Rechenschwäche fundamentale zahlenlogische und arithmetische Einsichten fehlen, können darauf aufbauende mathematische Gedanken nicht oder nicht richtig verstanden werden. In Folge davon wachsen die mathematischen Wissensdefizite rechenschwacher Schülerinnen und Schüler im weiteren Lernprozess.

Rechenschwachen fehlen systematische mengenlogische Einsichten in Zahlen und Rechenoperationen. Diese ersetzen sie durch eine persönliche Logik, aus denen Kompensationsstrategien beim Lösen von mathematischen Aufgaben folgen. Zum Lösen von Rechenaufgaben greifen sie auf Strategien, wie das Raten von Ergebnissen, das Aus- und Abzählen und das mechanische Anwenden von unverstandenen Algorithmen zurück.

Bei einer Rechenschwäche handelt es sich weder um einen Mangel an Intelligenz oder Begabung noch um Faulheit oder den fehlenden Willen zum Erlernen des Rechnens. Es handelt sich ebenso wenig um die generell fehlende Fähigkeit zum logischen Denken, sondern um ein diagnostisch detailliert erfass- und beschreibbares Verständnisproblem, das im zahlenmathematischen Lernprozess entsteht.

Nach empirischen Untersuchungen liegt bei ca. 20 % der Grundschülerinnen und Grundschüler eine Rechenschwäche vor. In vielen Fällen wird diese nicht erkannt und bleibt unbehandelt. Eine Rechenschwäche wächst sich nicht aus, doch sie kann durch eine gezielte Intervention überwunden werden.

Die Auswirkungen einer unbehandelten Rechenschwäche auf die Bildungs- und Berufschancen und damit auf die Lebenschancen der Betroffenen sind zumeist gravierend. Das Versagen in einem solch zentralen Lernbereich wie dem Rechnen hat oft psychische und sozial-integrative Folgen: Die betroffenen Kinder und Jugendlichen beginnen, sich an den eigenen Misserfolgen zu orientieren. Sie entwickeln häufig eine Schulunlust, die sich zu einer Schulangst weiterentwickeln kann. Minderwertigkeitsempfinden und Versagensängste, psychosomatische Reaktionen, Mobbingerfahrungen und weitere Folgesymptome können entstehen. Wegen des Entzugs von Lebenschancen ist bei Vorliegen einer Rechenschwäche eine dyskalkulietherapeutische Hilfestellung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene angeraten.

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