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Aktuelles vom ZTR

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Wenn Zahlen zur Qual werden

von Julia Brenner Rund zwei von zehn Grundschülern leiden unter eine Rechenschwäche. In Bisingen informiert Expertin Monika Spohrs darüber, wie Betroffenen geholfen werden kann. Fast 20 Prozent aller Grundschüler haben eine Rechenschwäche. Diese Schwäche, auch Arithmasthenie oder Dyskalkulie genannt, ist bei weitem nicht so bekannt wie Lese-Rechtschreib-Schwäche und bleibt deshalb oft unbehandelt. Damit sich das ändert, veranstaltet die Bisinger Grund- und Werkrealschule für Eltern und Lehrer die Vortragsveranstaltung "Rechenschwäche erfolgreich überwinden". Eingeladen wurde dazu eine Expertin: Monika Spohrs ist Leiterin des ZTR Bodensee (Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche) und berichtet über Symptome, Diagnostik und therapeutische Ansätze. Anschließend darf diskutiert werden. Die Veranstaltung findet am Donnerstag, 16. März, von 19 bis 21 Uhr in der Grund- und Werkrealschule Bisingen, An der Halde 17, statt. Was ist Rechenschwäche? Als Rechenschwäche wird ein systematisches Lernversagen beim Rechnen bezeichnet. Da bei einer Rechenschwäche wichtige Grundlagen fehlen, können darauf aufbauende Gedanken nicht mehr richtig verstanden werden. Die Folge: mathematische Wissenslücken der Betroffenen werden immer größer. Rechenschwache fallen nicht nur durch ihr fehlendes Verständnis von Zahlen auf. Sie fallen vor allem dadurch auf, dass sie sich mit einer eigenen Logik bemühen, das fehlende Wissen zu kompensieren. Um Rechenaufgaben zu lösen, raten sie Ergebnisse, zählen Aufgaben mühsam aus, oder wenden unverstandene Lösungswege mechanisch an. Wenn nicht geholfen wird Die Auswirkungen einer unbehandelten Rechenschwäche können gravierend sein. Das Versagen in einem "zentralen Lernbereich wie dem Rechnen" habe "psychische und sozial-integrative Folgen", heißt es auf der Internetseite des Therapiezentrums in Konstanz. Betroffene Schulkinder orientieren sich an den eigenen Misserfolgen. Manche entwickeln eine Schulunlust, die im schlimmsten Fall zu einer regelrechten Schulangst wird. Minderwertigkeitsempfinden und Versagensängste sowie psychosomatische Reaktionen können sich daraus entwickeln. Warum hilft Üben nicht? Bloßes Üben hilft Betroffenen meistens nicht, die Rechenschwäche zu überwinden. Die Schüler werden damit zum Einüben von Unverstandenem gezwungen und fangen an, Aufgaben- und Merksätze auswendig zu lernen – "das hilft nur kurzfristig und wird meist sofort wieder vergessen", sagt Monika Spohrs. Das Üben wird so zur Qual für alle Beteiligten. Ein Kind, das "übertrainiert" wird, reagiert auf die vergeblichen Bemühungen oft frustriert und mit einer Lernabneigung. Die erfolglosen Bemühungen setzen so eine Entwicklung in Gang, in der die Kinder und Jugendlichen Versagensängste, Misserfolgserwartungen und eine negative Selbstwahrnehmung entwickeln. Therapie kann helfen Dabei handelt es sich bei einer Rechenschwäche weder um einen Mangel an Intelligenz oder Begabung noch um Faulheit oder fehlenden Willen. Betroffenen fehlt nicht die Fähigkeit zum logischen Denken, sondern "es geht um ein Verständnisproblem", betont Referentin Monika Spohrs. Dyskalkulie verschwinde nicht von allein, könne aber durch gezieltes Vorgehen überwunden werden, ist sie überzeugt. Dabei werde "dort angesetzt, wo der Verständnisfaden abgerissen ist – und das ist häufig schon im Zahlenraum eins bis zehn", erklärt Spohrs. Eltern können für rechenschwache Kinder und Jugendliche eine Kostenübernahme für die Dyskalkulietherapie beim Jugend- oder Sozialamt beantragen. Bei einem klaren somatischen Zusammenhang von Primärerkrankung und Rechenschwäche können die Krankenkassen die Kosten für eine Dyskalkulietherapie übernehmen. Die Konditionen für Therapien sowie Unterstützungsmöglichkeiten bei der Finanzierung können beim Zentrum zur Therapie von Rechenschwäche erfragt werden. ZTR-Institute in der Nähe sind in Sigmaringen und Villingen-Schwenningen. Symptome von Rechenschwäche Mühsam Eingeübtes ist nach kurzer Zeit wieder vergessen. Rechnen bleibt stures Abzählen: es wird auch gezählt, wo sich Zählen erübrigt. Alle aus der Logik des Zahlaufbaus und dem Zusammenhang sich ergebenden Rechenerleichterungen bleiben ungenutzt, Beispiel: 3+4=7, aber 7–4 wird neu abgezählt. An die Stelle des Zählens tritt häufig das rein mechanische Rechnen. Rechenarten werden verwechselt. Anstelle der Operationslogik treten subjektive Rechenregeln, Beispiel: 10+10=200. Zahlendreher/Zahlreversionen (24 statt 42). Multiplikationsreihen werden begriffslos wie ein Gedicht aufgesagt. Häufige Produktion von "Traumergebnissen", Beispiel: 200:2=1. Platzhalteraufgaben wie x–4=6 können nicht gelöst werden. Bei Textaufgaben zeigt sich völliges Unverständnis. Der rechnerische und praktische Umgang mit Größen wie Strecken, Gewichten, Geld und Zeiten gelingt überhaupt nicht.
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Eröffnung ZTR Bad Nauheim

Das Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche bietet seine Kompetenzen in der Diagnose und Therapie von Rechenschwächen sowie im Bereich der Präventionsforschung und der Fortbildung von pädagogischen und psychologischen Fachkräften ab Oktober 2016 auch in Bad Nauheim und Umgebung an. Die Eröffnungsveranstaltung findet am Mittwoch, 28. September 2016 statt. Programm und Anmeldung Kontakt: bad-nauheim@ztr-rechenschwaeche.de
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Vortrag beim Schulverbund: Wie Dyskalkulie therapiert werden kann

Von Claudia Ladwig Erst kommen die Selbstzweifel und dann drohen psychische Probleme: Dyskalkulie stellt betroffene Kinder vor Riesenprobleme. Beim Schulverbund referiert eine Expertin über mögliche Therapien. Im Publikum sitzen Lehrer und interessierte Eltern. Die Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) ist vielen Menschen ein Begriff. Dass aber laut Studien acht bis 20 Prozent der Kinder unter einer Rechenschwäche (Dyskalkulie) leiden, ist weniger bekannt. In ihrem Vortrag beim Schulverbund Nellenburg ging Monika Spohrs vom Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche (ZTR) auf das systematische Lernversagen beim Erwerb fundamentaler arithmetischer Einsichten ein. Die Frage sei: „Warum verstehen Kinder das nicht, was andere bei gleicher Erklärung verstehen?“ Im Publikum saßen Lehrer und interessierte Eltern. Nach ihren Erkenntnissen ist eine Rechenschwäche weder die Folge mangelnder Konzentration oder fehlenden logischen Denkvermögens noch hat sie mit Dummheit oder Unwilligkeit zu tun. Förderstunden und Übungen des aktuellen Unterrichtsstoffs scheiterten fast immer, da das betroffene Kind zum Einüben von Unverstandenem gezwungen werde. Die Folgen des „Übertrainings“ könnten Selbstzweifel, sinkendes Selbstwertgefühl, Hilflosigkeit, Zweifel an der eigenen Intelligenz und auch psychologische Störungen und psychosomatische Symptome sein. Als Symptome beschrieb Monika Spohrs verschiedene Punkte: Mühsam Eingeübtes ist nach kurzer Zeit vergessen, das Rechnen bleibt stures Abzählen, Rechenarten werden verwechselt, offensichtlich falsche Lösungen werden nicht erkannt zum Beispiel. Das Problem beginnt schon früh. Wenn Kinder zur Schule kommen, können sie meist bis fünf oder zehn zählen. Sie können einzelnen Zahlen entsprechend viele Dinge zuordnen, also eine Anzahl mit einer Zahl verknüpfen. In der Schule wird es abstrakter. „Jede natürliche Zahl definiert sich durch eine Anzahl Einsen. Eine Vier besteht demnach aus vier Einsen“, erklärte Spohrs. Jede Zahl begründe eine abstrakte Wertigkeit, eine Sechs sei zwei mehr als eine Vier, eine Eins drei kleiner als eine Vier. Daraus müsse man die logischen Schlüsse ziehen, das sei Rechnen. Wenn dieses Verständnis fehle, münde das in begriffsloses Auswendiglernen. Die Kinder dächten sich auch Rechenkompensationsmethoden aus. Sie zählten offen oder verdeckt unter dem Tisch an ihren Fingern oder auch im Kopf. Das sei anfangs kein Problem, doch die Kinder sollten lernen, dass sie es auch ohne Zählen hinbekommen. Da man auch zählend zum richtigen Ergebnis kommen könne, böten die Standard-Rechentestverfahren keine Analyse, welche mathematischen Inhalte unverstanden seien. Bei dem von ihrem Institut angewandten Jenaer Rechentest gebe es eine gezielte Beobachtung des Kindes beim Lösen und Kommentieren mathematischer Aufgabenstellungen. Das Kind müsse „laut denken“. Daraus ergäben sich Hinweise auf den aktuellen Lernstand. „Die individuelle Lernstandsanalyse zeigt uns, wo das Kind den Faden verloren hat.“ Wenn man den ersten Punkt finde, an dem das Kind das Vorgehen nicht mehr verstanden hat, setze man genau dort mit der Therapie an. „Dann kann jedes Kind rechnen lernen“, gab sich Spohrs überzeugt. Die Therapie dauert im Durchschnitt anderthalb bis zweieinhalb Jahre bei einer Stunde pro Woche. Die Dauer hänge davon ab, wann die Dyskalkulie erkannt und behandelt werde und wie lange es dauere, bis der Schüler Anschluss an seinen momentanen Schulstoff habe. Durch das schrittweise Heranführen und den Verständnisfortschritt sei die Motivation der Kinder im Allgemeinen kein Problem, sagte die Therapeutin. Durch die Erfahrung von Kompetenz komme es zum Angstabbau und zur Stärkung des Selbstbewusstseins. Dieser Punkt sei ganz wichtig und meist der allererste Effekt der Therapie, noch weit vor besseren Noten.

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