Jetzt Hilfe bei Rechenschwäche in Ihrer Nähe finden

Finden Sie ein ZTR-Institut in Ihrer Nähe und vereinbaren Sie einen Termin!

Aktuelles vom ZTR

Default Post Thumbnail

Vorträge statt Party

von Karin Grossmann NAUMBURG/MZ. Ein Grund zum Feiern ist es schon. Seit zehn Jahren ist das Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche (ZTR) Naumburg-Weißenfels in der Kreisstadt als Ansprechpartner für Eltern und Lehrer, die den betroffenen Kindern helfen wollen. Ein kleines Jubiläum ist das schon, meint der wissenschaftliche Leiter Olaf Steffen. Doch gefeiert wird deshalb nicht mit einer Kinderparty. "Wir bieten eine Vortragsreihe für Eltern, Lehrer, Ärzte, Therapeuten an", lädt er für Januar, Februar und März nach Naumburg ein. Informationsveranstaltungen zum Thema Rechenschwäche / Dyskalkulie bietet er an. Alle Vorträge finden immer donnerstags in der Aula der Volkshochschule des Burgenlandkreises in Naumburg in der Seminarstraße 1 zwischen 18 und 21 Uhr statt, machen er und die Therapeutin Kathleen Koch aufmerksam. Da die Raumkapazitäten begrenzt sind, sollen sich die Teilnehmer vorab anmelden. Das gelinge per E-Mail oder telefonisch ab Januar wieder oder per Fax. Steffen hofft, dass die Vorträge von betroffenen Eltern von rechenschwachen Kindern gut angenommen werden. Schließlich gehe es um Symptome, um schulische und psychische für die Kinder ab der ersten Schulklasse bis hin zum Abiturienten. Rechenschwäche muss erst einmal festgestellt werden. Dazu spielen die Schulen eine Rolle, das Jugendamt kann unterstützen und macht Therapiemöglichkeiten im ZTR möglich. Sicher, Rechenschwäche und ihre Folgen für die Betroffenen und deren Familien finden noch immer zu wenig Beachtung, meint er. Doch seit zehn Jahren, seit das ZTR in Naumburg einen Standort hat und seit einem Jahr in der Weißenfelser Beuditzstraße betroffene Grundschüler, Sekundarschüler und Gymnasiasten diagnostiziert, Eltern und Lehrer berät und individuelle Lerntherapien anbietet, hat sich das verbessert. Doch auch Hohenmölsener, Zeitzer und Droyßiger Schüler nutzen die Chance beim ZTR, die sich als richtige Anlaufstelle für Lern- und Verständnisprobleme beim Umgang mit Mengen, Zahlen und Rechenoperationen bewiesen hat. Die zehn Jahre haben sich gelohnt, um Eltern, Lehrer und Ärzte über das Wissensdefizit aufzuklären. Wenn die Symptome unerkannt bleiben, wirken sie sich auf die Psyche der Kinder aus. Das ZTR biete neben der Schule Bildungsmöglichkeiten, die dabei helfen, Betroffenen zu einem Schulabschluss zu helfen und mangelnde Berufsausbildungsfähigkeiten positiv zu verändern. Der promovierte Olaf Steffen hat den Jenaer Rechentest entwickelt, mit dem die mathematischen Fehler aus ihrem Grund heraus erklärt werden. Der Einzeltest bilde die Grundlage für die manchmal langjährige, aber erfolgreiche und sinnvolle Förderpraxis. Mittlerweile hat das Zentrum fünf Mitarbeiter. 60 bis 70 Therapien führen sie in jedem Jahr durch. Und, auch darauf machen Steffen und Koch aufmerksam, es gebe immer mehr Lehrer und Direktoren, die Eltern von Rechenschwäche betroffenen Kindern zur Diagnostik ins ZTR schicken, damit sie Defizite bis zum Schulende ausgleichen können. "Wir möchten in den Vorträgen zeigen, wie ein effektiver Umgang mit Rechenschwäche aussehen kann und muss", sagt Steffen. Eine dafür nötige qualitative Präventionsdiagnostik, die in der Vorschuluntersuchung und auch in der Schuleingangsphase zum Einsatz kommen könnte, ist vom Naumburg-Weißenfelser Zentrum im Rahmen einer Forschungskooperation mit den Universitäten Jena und Paderborn entwickelt worden, die erfolgreich umgesetzt wird.
Default Post Thumbnail

Wenn der Kopf die Zahlen verweigert

Mathematik ist bekanntlich nicht jedermanns Sache. Beruhen Schwierigkeiten beim Rechnen allerdings auf einer Teilleistungsstörung, kann das schnell auch zu psychischen Problemen führen. Chemnitz – Zahlen sind im Alltag allgegenwärtig. Sei es, um Preise zu vergleichen, die Fahrtdauer mit dem Bus abzuschätzen oder die Anzahl der für die Renovierung benötigten Tapetenrollen zu ermitteln. Wer damit offenkundige Probleme hat, dem wird von seinem Umfeld allzu schnell mangelnde Intelligenz vorgeworfen. Dabei leiden die Betreffenden oftmals an Dyskalkulie, auch Rechenschwäche oder im Behördendeutsch „Besondere Schwierigkeiten beim Erlernen des Rechnens genannt. Studien gehen mittlerweile davon aus, dass zwischen fünf und sieben Prozent aller Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen von dieser Teilleistungsstörung betroffen sind. Wird die Rechenschwäche bei Jüngeren nicht erkannt und behandelt, bleibt sie bestehen und macht aus rechenschwachen Kindern rechenschwache Erwachsene. In Deutschland leiden nach Angaben des Berufsverbands Deutscher Neurologen fünf bis sieben Prozent aller Schüler unter einer Rechenschwäche. Bei vielen Kindern wird die Entwicklungsstörung meist erst im dritten oder vierten Schuljahr festgestellt. Tom hatte sich auf die Schule gefreut. In der 1. Klasse lief noch alles wie am Schnürchen. Er lernte lesen, wurde beim Zählen immer schneller und hatte Spaß am Unterricht. Als er in die 2. Klasse kam, sollte er beim Rechnen nicht mehr zählen. Weil er aber nicht wusste, wie das Rechnen ohne das Zählen funktionieren sollte, zählte er von da ab heimlich. Bei immer größer werdenden Zahlen und komplexeren Rechenoperationen versagte sein Prinzip. Toms Mathe-Noten gingen in den Keller und seine Mitschüler fingen an, ihn deswegen zu hänseln. Der Lehrer vertrat die Ansicht, der Junge würde sich nicht genügend konzentrieren und müsste mehr üben. Obwohl die Eltern daraufhin mit ihrem Sprössling fast täglich paukten, zeigte sich kaum eine Verbesserung der Matheleistungen. Stattdessen verlor Tom zusehends die Lust am Lernen und am Besuch der Schule. Für Steffen Krusche, Therapeut beim Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche (ZTR) in Chemnitz, ist der geschilderte Fall typisch dafür, dass die eigentlichen Ursachen des Leistungsabfalls nicht erkannt wurden. „Wenn ein Kind große Probleme beim Rechnen hat, muss es nicht zwangsläufig dumm oder faul sein. Es kann eine Teilleistungsschwäche vorliegen, die allerdings in neun von zehn Fällen behebbar ist“, sagt er. Was den Kindern fehle, sei das Verständnis für grundlegende mathematische Zusammenhänge. Zwar kennen sie die Ziffern und die Zahlwörter. Sie sind aber nicht in der Lage diese gedanklich mit mathematischen Mengen in Verbindung zu bringen. Die Zahlenreihenfolge wird lediglich als eine Abfolge von Zeichen verstanden, die auswendig gelernt werden muss. Verbindungen zwischen den einzelnen Zahlen werden von ihnen ebenso wenig erkannt, wie das darauf aufbauende Prinzip der Zerlegbarkeit von Zahlen. Ob es sich lediglich um Antipathie zur Mathematik oder eine echte Rechenschwäche handelt, kann nur eine zielgerichtete Diagnostik an den Tag bringen. Deren Ziel ist es, den Punkt zu finden, an dem das Kind aus der Logik der Mathematik ausgestiegen ist, seine eigenen Denkweisen und Lösungsstrategien für mathematische Probleme entwickelt hat. „Normale Leistungstests sind hierfür ungeeignet. Deren Ergebnisse legen als Kriterium lediglich die Anzahl der richtig gelösten Aufgaben zugrunde“, erläutert Steffen Krusche. Um eine Rechenschwäche so früh wie möglich zu erkennen, sollten Eltern ihre Kinder beim Erledigen der Hausaufgaben aufmerksam beobachten. Häufen sich die Anzeichen für eine vorliegende Rechenschwäche, nützen dem Kind weder stundenlanges Üben, noch Eselsbrücken oder gar das Androhen von Strafen. Als erstes sollte das Gespräch mit dem Lehrer gesucht werden, um mit ihm gemeinsam eventuelle Hilfen zu besprechen. Das Sächsische Staatsministerium für Kultus hat zu Beginn des Schuljahres 2007/2008 „Empfehlungen zur Förderung von Schülern mit besonderen Schwierigkeiten beim Erlernen des Rechnens“ veröffentlicht. Die Richtlinie zeigt vor allem die schulischen Möglichkeiten der Unterstützung auf. Darüber hinaus gibt es individuelle Hilfsangebote, die in der Regel kostenpflichtig sind. In Fällen einer bestehenden oder drohenden seelischen Behinderung kann jedoch Eingliederungshilfe nach Paragraf 35a Sozialgesetzbuch VIII beantragt werden. Weitere Auskünfte hierzu erteilen die Jugendämter. Am Donnerstag stellt Dr. Olaf Steffen, Leiter der ZTR-Niederlassung Leipzig, den in Zusammenarbeit mit der Universität Jena entwickelten „Jenaer Rechentest“ vor. Es ist das erste qualitative Testverfahren seiner Art zur Diagnose von Rechenschwäche. Der Vortrag beginnt um 18.00 Uhr in der Technischen Universität Chemnitz, Straße der Nationen 62, Hauptgebäude, Hörsaal 305. Eintritt frei. Von Andreas Wohland
Default Post Thumbnail

Eltern hoffen auf Hilfe

Groß ist der Ansturm zum "Tag der offenen Tür" im Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche (ZTR) - dem ersten in Bayern. Leiterin Karina Heyber erklärt, was es mit der Dyskalkulie auf sich hat. Hof - Das Gedränge ist groß. Eltern mit und ohne Kinder, Pädagogen und andere Interessierte sind zum "Tag der offenen Tür" ins Hofer Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche gekommen. Man will sich informieren oder von der Möglichkeit eines kostenlosen Tests Gebrauch machen. ZTR-Leiterin Karina Heyber freut sich, dass sich das neue Angebot in den Räumen der Logopädiepraxis "MitSprache", Altstadt 16, so schnell herumgesprochen hat. "Das macht deutlich, wie groß das Problem ist", sagt sie und stellt ihr Institut vor. Bislang habe es das ZTR in acht Bundesländern gegeben, nun erstmals auch in Bayern. Die Mitarbeiter hätten ein Hochschulstudium in verschiedenen Disziplinen, außerdem eine spezielle Ausbildung als Dyskalkulie-Therapeuten. Mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena arbeite man eng zusammen." Ich wünsche mir auch in Hof eine gute Zusammenarbeit mit den Schulen", betont Heyber. Es gehe hier nicht darum, dass jemand schlecht in Mathe sei. "Wir sind kein Nachhilfe-Institut", sagt die Institutsleiterin. Dyskalkulie sei eine Teilleistungsstörung des Gehirns, die durch Aufpassen und Üben nicht zu beheben sei. "Der Knoten kann nicht platzen, weil die Grundlagen im Denken fehlen. Die Bedeutung von Zahlen wird nicht erfasst. Mit mangelnder Intelligenz hat das nichts zu tun." Die Ursachen lägen oft in frühester Kindheit. Das Krabbelkind lerne über den Körper viel über Mengen und Räumlichkeit. Werde etwas falsch "abgespeichert", könne sich das Zahlenverständnis nicht richtig entwickeln. "Aufgabe der Therapeuten ist es, den Punkt zu finden, ab dem etwas schief gelaufen ist, und einem neuen Verständnis den Weg zu bahnen", erklärt die Expertin. Gespannt verfolgen die Besucher Heybers Ausführungen, wie Menschen mit Dyskalkulie die Welt der Zahlen wahrnehmen. Dass für sie schon eine Addition oder Subtraktion im zweistelligen Zahlenbereich große Anstrengung bedeutet. "Die Zahl fünf etwa ist für Betroffene nur ein Symbol, ein Punkt in einer Zahlenreihe. Sie beinhaltet nichts und wird nicht in Zusammenhang mit anderen Zahlen gesehen." Da nutze auch keine Erklärung. Typisch sei, dass sich durch Üben ein vermeintlicher Lernerfolg einstelle, der aber am nächsten Tag wieder hinfällig sei. Die Kinder entwickelten eine eigene Vorstellung von der Welt der Zahlen. Sie versuchten, auf andere Weise zum Ziel zu kommen. "Manche können unglaublich schnell zählen und auswendig lernen", sagt Heyber. Doch reiche das nicht, um schwierigere Aufgaben zu lösen. Das Kind brauche mehr Zeit. Es fühle sich unsicher, überfordert. Oft lasse dann auch in anderen Fächern die Leistung nach. "Manche fangen schon beim Anblick von kariertem Papier an zu zittern." Eltern schildern ihre Beobachtungen und fragen nach den Heilungschancen. Könne man nicht schon im Kindergarten feststellen, ob das Kind an Rechenschwäche leide, um frühzeitig eingreifen zu können? Eine ganze Klasse von angehenden Erziehern ist im ZTR erschienen. Die Institutsleiterin bietet ihre Zusammenarbeit an. Eltern wollen wissen, wie lange die Therapie dauern kann und ob die Krankenkassen die Kosten übernehmen. Die WHO zählt nach Worten Heybers die Dyskalkulie zu den psychischen Störungen. Leider bezahlten die Krankenkassen die Therapie nicht. Wie lange sie dauere, sei fallabhängig. Erste Lernfortschritte gebe es meist schnell. Doch könne es zwei Jahre dauern, bis der Anschluss in der Schule geschafft sei. Lisbeth Kaupenjohann
Default Post Thumbnail

„Rechenschwäche rasch behandeln“

Wenn sich in der Schule oder im Alltag Probleme mit Zahlen und der Mathematik häufen, kommt der Begriff Dyskalkulie zur Sprache. Dazu befragten wir die Suhler Dyskalkulietherapeutin Christin Osterhaus Frau Osterhaus, immer häufiger hört man bei Schwierigkeiten im Mathematikunterricht den Begriff Dyskalkulie. Was verbirgt sich dahinter? Als Dyskalkulie, zu deutsch Rechenschwäche, wird ein systematisches Lernversagen beim Erwerb fundamentaler arithmetischer Einsichten bezeichnet. Das Kind hat kein Zahlenverständnis entwickelt, es denkt Zahlen nicht als Repräsentanten abstrakter Mengen. Wer nicht weiß, welche Zahl aus drei und vier besteht, kann die Rechenaufgabe drei plus vier ebenfalls nicht lösen, sondern muss sie zählen. Rechenschwäche ist keine Frage mangelnder Intelligenz oder fehlenden logischen Denkvermögens, sondern ein reines Verständnis- und Kenntnisdefizit. Durch welche Symptome fällt eine Rechenschwäche auf? Das Erscheinungsbild setzt sich meist aus mehreren Symptomen zusammen. Zunächst treten die Probleme im Bereich der Mathematik isoliert auf. Trotz täglichem Üben wird das eben Gelernte permanent wieder vergessen, die einfachsten Rechnungen dauern unverhältnismäßig lange oder können nur unter Zuhilfenahme von Abzählmaterialien gelöst werden. Der rechnerische und praktische Umgang mit Größen wie Strecken, Gewichten, Geld oder Zeiten gelingt nicht, daher haben betroffene Kinder große Probleme beim Umgang mit Geld und/oder Zeitangaben. Sollten bei einem Kind mehrere der genannten Symptome auftreten, ist es empfehlenswert, das Vorliegen einer möglichen Dyskalkulie abklären zu lassen. Warum ist frühzeitige Betreuung und Förderung so wichtig? Die Zahlenmathematik hat eine hierarchische Gedankenstruktur. Probleme in Mathematik beruhen deshalb überwiegend darauf, dass vorherige Lerninhalte nicht verstanden worden sind und somit die Lerngrundlage für nachfolgende Inhalte nicht vorhanden ist. Bei Lernproblemen ist es daher wichtig, die früheste Bruchstelle im mathematischen Verständnis des Kindes zu ermitteln, damit eine Rechenschwäche sich nicht „auswächst“. An diesem Punkt muss eine Förderung ansetzen. Der Schulstoff muss nachgeholt werden, beginnend an der Verständnisbruchstelle. Je früher die Dyskalkulie erkannt und behandelt wird, umso kleiner ist die Lücke und desto eher sind betroffene Kinder in der Lage, dann den aktuellen Schulstoff selbstständig zu meistern. Vielen Betroffenen fehlt aber der entscheidende Impuls, sich Hilfe zu suchen. Das ist aber falsch. Hilfe sollte so früh wie möglich in Anspruch genommen werden. Denn Rechenschwäche wächst sich nicht aus und „der Knoten platzt“ nicht von allein. Auch massives Üben oder Nachhilfeunterricht kann sie nicht beseitigen, denn dieser setzt nicht am Kenntnisstand des Kindes an und stellt somit keine adäquate Hilfe dar. Im Gegenteil: Der Teufelskreis setzt sich fort mit Stigmatisierungen im sozialen, schulischen Umfeld der Betroffenen, die als „dumm“ abgestempelt werden und Hänseleien ausgesetzt sind, sodass neben dem mathematischen Kenntnisdefizit psychische und psychosomatische Symptome wie Bauchweh, Kopfschmerzen, Schulunlust, Schulangst bis hin zur Schulverweigerung oder sogar Suizidgedanken auftreten können. Kann Dyskalkulie vollständig beseitigt werden? Ja, wenn die Bruchstelle im mathematischen Verständnis im Rahmen einer fundierten Eingangsdiagnostik, anhand des Jenaer Rechentests, identifiziert wird und die mathematische Abstraktionskette von dieser Bruchstelle ausgehend aufgebaut wird. In Ausnahmefällen kann es auch sein, dass die Therapie keinen Erfolg hat. Dies liegt aber meist daran, dass noch andere Beeinträchtigungen vorhanden sind wie eingeschränkte kognitive Fähigkeiten. Wie viele Schüler leiden darunter? Nehmen die Zahlen zu? Die Zahlen nehmen wahrscheinlich nicht unbedingt zu, aber das Problembewusstsein steigt. Laut einer Studie der Charité Berlin muss bei etwa 6,6 Prozent der Grundschüler von einer Rechenschwäche ausgegangen werden. Eine Studie der Universität Jena hat sogar eine Häufigkeit von 25 Prozent nachgewiesen. Gibt es eine große Dunkelziffer? Die Dunkelziffer wird sicher höher liegen, da das schulische Engagement und auch das Engagement der Eltern wesentliche Faktoren darstellen. Man muss nicht unbedingt mathematisches Verständnis an den Tag legen, um richtige Ergebnisse zu produzieren. Betroffene Schüler leiden außerdem oftmals darunter, dass Angehörige und die Schule die auftretenden Probleme als Faulheit oder mathematisches Unvermögen interpretieren und als gegeben und unveränderlich hinnehmen. Wo finden Betroffene, Eltern oder Lehrer Ansprechpartner? Beim Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche (ZTR) als Facheinrichtung für Dyskalkuliediagnostik, -beratung und -therapie. Wir sind auch in Suhl vertreten und stehen gerne beratend zur Verfügung. Außerdem bieten wir eine fundierte Diagnostik und Therapie an. Man erreicht uns im Internet unter www.ztr-rechenschwaeche.de oder telefonisch unter 0361 / 6 01 06 96 im ZTR Erfurt. Unter dieser Telefonnummer sind auch die Ansprechpartner des ZTR Suhl erreichbar. Eine eigene Telefonnummer für das ZTR Suhl wird in Kürze eingerichtet. Interview: Georg Vater
Default Post Thumbnail

Rechenschwäche + Mathe = Angst

Wer unter Rechenschwäche leidet, hat mehr als nur ein Problem im Alltag ? In Gera gibt es eine Therapie Gera. Die Kinder, die zu Karina Heyber und ihren Kollegen nach Gera kommen, haben Stress in der Schule. Nicht den „normalen“ mit ein paar mäßigen Leistungen und vergessenen Hausaufgaben. Er lässt sich nicht mit mahnenden Worten lösen oder häufigeren Blicken in die Lehrbücher. Im „Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche“ (ZTR) in Gera werden Kinder und Erwachsene therapiert, die gravierende Probleme mit Mathematik haben. Sie leiden unter Dyskalkulie. Das Wort wird bewusst nicht im Institutsnamen erwähnt. „Wer unter Dyskalkulie leidet, wird häufig abgestempelt“, sagt Karina Heyber. Das wäre nicht richtig. Heyber leitet das Institut, das es in acht Bundesländern gibt. Neben Gera sind Ostthüringer Außenstellen in Altenburg, Jena, Saalfeld und Rudolstadt. Elf Therapeuten, darunter Psychologen und Mathematiker sollen den Klienten helfen. Heyber würde gern noch mehr Menschen beschäftigen. „Doch die passenden Mitarbeiter zu finden, ist nicht einfach“, sagt sie. Eine dreijährige Ausbildung zum Dyskalkulietherapeuten erfolge am Institut. „Die Kinder mit Rechenschwäche sind sehr oft pfiffig“, sagt Heyber. Deswegen leiden sie unter der Dyskalkulie, weil sie sich ob ihres fehlenden Könnens bewusst sind. Die Probleme liegen gewöhnlich im Zahlverständnis. Fällt das Abzählen noch leicht, gäbe es Schwierigkeiten, wenn zum Beispiel Unterschiede in Mengen erfasst werden müssen. Häufig werde das laut Heyber durch Auswendiglernen von Zahlenfolgen kompensieren. Doch dies funktioniere auch nur bis zu einem bestimmten Umfang. Irgendwann vertauschen die Betroffenen das Eingeübte, weil sie es nicht verstanden haben. „Für diese Kinder ist der Mathematikunterricht aufgrund ihrer Gedächtnisarbeit eine enorme Anstrengung“, sagt Heyber. Häufig sei das auch die Erklärung für Probleme in weiteren Unterrichtsfächern. „Die Kinder sind dann einfach zu erschöpft, um auch dort noch Höchstleistung zu vollbringen.“ Laut Studien leiden 20 bis 25 Prozent der Grundschüler unter Rechenschwäche. Um das Problem in den Griff zu bekommen und eine erfolgreiche Therapie zu ermöglichen, brauche es eine richtige Diagnose, sagt Heyber. Sehr viele standardisierte Methoden gäbe es, doch alle hätten laut der Dyskalkulietherapeutin ein Problem: Es sind ergebnisorientierte Tests. „Deswegen haben wir gemeinsam mit der Friedrich-Schiller-Universität eine qualitative Methode entwickelt“, erklärt Heyber. Mit dieser ließen sich die Probleme erkennen und Lösungen finden. Im Erkennen liegt generell das Problem. Am häufigsten bemerken Eltern die Rechenschwäche, sagt die Expertin. Dann wenn ihr Kind plötzlich nur sehr ungern und mit Angst zur Schule geht. Oder wenn Kinder beim Üben scheinbar einfache Rechenaufgaben, nicht oder erst nach sehr langer Bedenkzeit lösen können. Die Ursachen dafür sind vielfältig und die Therapie braucht viel Geduld und Erfahrung. Die Therapie beginne dann bei den Grundlagen. „Jeder einzelne Lernschritt ist notwendig, damit man Mathematik auch wirklich verstehen kann.“ Die Dauer der Therapie sei bei vielen Klienten gleich. Eineinhalb bis zwei Jahre kann sie dauern, manchmal ginge es auch schneller. „Das hängt vom jeweiligen Problem ab“, sagt Heyber, die, bevor sie die Leiterin des Geraer Zentrums wurde, als Grundschullehrerin arbeitete. Doch die Therapie sei fast immer erfolgreich. „Für uns ist es großartig zu sehen, wie die Kinder und Erwachsenen sämtliche Aufgaben lösen können, sobald sie die Grundlagen der Mathematik verstanden haben.“ Rechenschwäche wirke sich laut Heyber auf das gesamte Leben aus. Probleme kommen dann nicht nur beim Einkauf, sondern auch bei der Zeit. „Menschen mit Rechenschwäche fällt es schwer, Zeiträume einzuschätzen. Oft kommen sie viel zu früh zu einer Verabredung.“ Im Institut hat man eigens dafür eine Uhr als Zahlenstrahl entwickelt, mit der lasse sich das abstrakte System besser veranschaulichen. Der Zahlenstrahl sei schon eine von den großen Herausforderungen. „Jeder einzelne Lernschritt ist notwendig, damit man Mathematik auch wirklich verstehen kann.“ Karina Heyber Laut Studien leiden 20 bis 25 Prozent der Grundschüler unter Rechenschwäche. Die bereitet nicht nur in der Schule Probleme sondern auch im Alltag. Menschen, die unter Dyskalkulie leiden haben häufig Probleme, die Zeiträume und -Spannen einzuschätzen. Martin Gerlach

Social Media

Folgen Sie uns bei Facebook, um immer auf dem Laufenden zu sein!

   

Kopf & Zahl

Die Fachzeitschrift Kopf & Zahl informiert zum Thema Rechenschwäche und wird mehrmals im Jahr per Newsletter kostenfrei versendet.

Hier geht’s zum Abo!